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Iranisches Atomprogramm Israel präsentiert angebliche Beweise für Geheimarchiv

  • Wenige Tage vor dem US-Entscheid zum Atomabkommen mit dem Iran präsentiert Israel nach eigenen Angaben «neue und schlüssige Beweise» für die Existenz eines geheimen Atomwaffenprogramms in Iran.
  • Ministerpräsident Benjamin Netanjahu präsentierte in Tel Aviv Dokumente und Bilder aus einem «geheimen Atomarchiv» in Teheran, die Israels Geheimdienst aufgespürt habe und die dies beweisen sollen.
  • Die iranische Regierung weist die Anschuldigungen als haltlose Propaganda und «alte Vorwürfe» zurück.
Legende: Video Netanjahu präsentiert das «geheime Atomarchiv» (engl.) abspielen. Laufzeit 00:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 30.04.2018.

Gemäss Netanjahu beweisen die Unterlagen das «geheime» iranische Atomprogramm. Der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nie aufgegeben und gegenüber der Staatengemeinschaft «dreist gelogen». Auch das internationale Atomabkommen basiere damit auf Lügen. Die Führung in Teheran verstecke die Dokumente zu seinem Atomwaffenprogramm, um es zu geeigneter Zeit weiterbetreiben zu können.

Netanjahu kündigte an, die Dokumente mit anderen Staaten und der Internationalen Atomenergiekommission teilen zu wollen. Mit den USA sei dies bereits geschehen. Er sei sich sicher, dass US-Präsident DonaldTrump «das Richtige» tun werde.

«Alte Vorwürfe»

Der Iran spricht von «aufgewärmten, alte Anschuldigungen» durch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Mit den Vorwürfen habe sich schon die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auseinandergesetzt, schrieb Aussenminister Mohamed Dschawad Sarif auf Twitter.

Sarif kritisierte auch US-Präsident Donald Trump dafür, dass er sich Netanjahus Anschuldigungen zu eigen mache. Die «ungestüme» Reaktion Trumps belege eine koordinierte Zeitplanung für die angebliche Enthüllung.

Verstoss gegen das Abkommen

Netanjahu ist seit jeher ein entschiedener Gegner des Abkommens mit dem Iran, das derzeit von den USA auf den Prüfstand gestellt wird. Am Sonntag hatte er mit dem neuen US-Aussenminister Mike Pompeo über den Iran beraten und zudem mit Präsident Donald Trump telefoniert. Im Anschluss erklärte Pompeo: «Wir sind weiterhin sehr besorgt über die gefährliche Eskalation der Bedrohung Israels und der Region durch den Iran.»

US-Entscheid bis zum 12. Mai

Präsident Donald Trump muss bis zum 12. Mai entscheiden, ob er neue Sanktionen gegen den Iran verhängen und damit faktisch das Abkommen kippen will, das er wiederholt massiv kritisiert hat. Die Präsentation des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zeige, dass er mit seiner Meinung über den Iran zu «hundert Prozent» Recht gehabt habe, sagte er nun. Man werde sehen, was passiere. Er werde vor oder am 12. Mai eine Entscheidung treffen. Trump erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, ein neues Abkommen auszuhandeln.

Die anderen Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens, darunter Deutschland, wollen an dem Vertrag festhalten.

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81 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Netanjahu spricht von Lügen und Täuschungen seitens dem Iran. Aber wer lügt? Israel oder der Iran? Netanjahu präsentierte keine Belege dafür, dass Iran seit Abschluss des Atomabkommens 2015 aktiv am Bau einer Atombombe gearbeitet haben könnte. Mit den USA im Rücken hetzt Netanjahu den Westen gegen das Abkommen auf. Netanjahu ist korrupt und in keiner weise ein Unschuldslamm wie er sich darstellen will. Er muss aufpassen, dass er es nicht auf die Spitze treibt. Putin kann ihm das Spiel vermiesen
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    1. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @AK: Wer hetzt hier wen auf? Die westliche Welt wird von den andauernden Negativmeldungen über Israel dermassen geblendet, dass man die Gefahren welche vom Iran ausgehen, gar nicht mehr wahrnehmen kann. Aber Fakten sollten eigentlich für sich sprechen. Der Iran nutzt das Vakuum in Syrien und die Schwäche Europas gnadenlos aus. Die Hisbollah steht hochgerüstet im Süden des Libanon und ist bereit für den nächsten Krieg! Der Westen muss aufpassen, dass der Iran ihn nicht schon wieder täuscht.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Gerne wiederhole ich meinen Kommentar von heute Vormittag: Die Beweise beziehen sich auf die Zeit vor dem Atomabkommen - der Grund, weshalb dieses Abkommen überhaupt zustande kam. Seither gibt es keine Zeichen - und schon gar keine Beweise, dass das Abkommen seitens des Iran nicht eingehalten würde. Ähnliches war vorgefallen als Colin Powell 2003 ein Fläschchen mit weisser Flüssigkeit vor dem Sicherheitsrat als "Beweis" für Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen präsentiert hatte - eine Lüge.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    B. Netanjahu macht seinen Job ausgezeichnet. Er verteidigt ein Stück freie Welt im Nahen Osten. Das sollte man anerkennen. Verteidigung ist ohnehin die erste Pflicht eines Staatsoberhauptes.
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Im Grundsatz gehe ich einig mit Ihnen. Nur, für mein Befinden ist Verteidigung eher defensiv zu verstehen. Wer aber offensiv andere souveräne Staaten angreift handelt eindeutig völkerrechtswidrig, ähnlich den USA, die ja auf der ganzen Welt jeweils am "Verteidigen" sind.
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    2. Antwort von Erwin Jenni (ej)
      @KB: Richtig, denn ohne Israel hätte der Westen keinen einzigen zuverlässigen Partner in der Bekämpfung des islamistischen Terrors. Viele hier sind, was den Iran anbelangt mit Blindheit geschlagen, denn die religösen Fanatiker werden ihr Ziel beharrlich weiterverfolgen, Israel von der Landkarte zu tilgen!
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    3. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Und wie schätzen sie Saudi Arabien ein Erwin?
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    4. Antwort von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
      Herr Jenni, falls Sie eine zuverlässige Quelle finden, die den Nachweis erbringt, dass Israel sich am Kampf gegen wahhabitische Islamisten beteiligt, dann gebe ich Ihnen Recht. Ansonsten gilt weiterhin, was sich in den letzten Jahren vor unseren Augen abgespielt hat: Die engagiertesten Kämpfer gegen IS und Konsorten sind schiitische Milizen, Kurden, Russen und syrische Regierungstruppen. Das von Netanjahu gezeichnete windschiefe Bedrohungsszenario ist auf Klientelpolitik gebaut, sonst nichts.
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