IS in Syrien kurz vor Aleppo

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Norden Syriens nach Oppositionsangaben die grössten Geländegewinne seit August gemacht. In der Umgebung der Millionenmetropole Aleppo soll der IS mehrere Dörfer von rivalisierenden Aufständischen erobert haben.

Syrische Soldaten bei einer Artilleriestellung.

Bildlegende: Die Offensive in Syrien kann den Vormarsch des IS nicht stoppen. Keystone

Die angelaufene Offensive in Syrien scheint den Vormarsch des IS nicht zu stoppen. Mehrere Dörfer in der Umgebung von Aleppo sind bereits unter ihrer Kontrolle. Dies teilte die in Grossbritannien ansässige oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Nun stünden die Dschihadisten nur noch zwei Kilometer vor einem Industriegebiet im Norden von Aleppo, das noch unter Kontrolle der Regierungseinheiten sei.

«Der IS war noch nie so nahe an Aleppo», sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der Beobachtungsstelle. Zuvor habe der IS mehrere bislang von Rebellengruppen gehaltene Ortschaften eingenommen. Bei den Gefechten seien «auf beiden Seiten Dutzende Kämpfer» getötet worden.

Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien, nach eigenen Angaben gegen die IS-Miliz und gegen andere «terroristische Gruppen». Der Westen wirft Moskau aber vor, die meisten Angriffe würden gemässigte Rebellen treffen, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bekämpfen.

IS profitiert offenbar von russischem Einsatz

«Die Dschihadistengruppe profitiert von der Verwirrung auf Seiten der Rebellen, die in mehreren Provinzen von den Russen angegriffen werden», sagte Rahman weiter. «Sie rückt vor, ohne auch nur von einem einzigen Luftangriff gestört zu werden.» Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte am Freitag im Sender Europe 1, «80 bis 90 Prozent» der russischen Luftangriffe seien nicht gegen die IS-Dschihadisten gerichtet. «Die russischen Militäraktionen der vergangenen rund zehn Tage zielen nicht auf den IS ab, sie dienen in erster Linie der Sicherheit von Baschar al-Assad.»

Iranischer General in Syrien getötet

Die iranischen Revolutionsgarden, die im syrischen Bürgerkrieg ebenfalls Präsident Assad unterstützen, erklärten derweil, einer ihrer Generäle sei in der Region um Aleppo vom IS getötet worden.

General Hussein Hamdani ist demnach am Donnerstag in der Region Aleppo getötet worden. Einzelheiten zum genauen Ort liegen nicht vor. Hamdani war Mitglied der Iranischen Revolutionsgarde. Nach Angaben der Garde beriet er die Armee von Machthaber Baschar al-Assad im Kampf gegen den IS.

Die Iranische Revolutionsgarde ist eine paramilitärische Organisation, die nach der Islamischen Revolution im Iran 1979 gegründet wurde. Sie kommt schwergewichtig im Inland gegen politische Gegner zum Einsatz und hat auch politisch grossen Einfluss.