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International IS nähert sich syrischer Grenzstadt Kobani

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) steht nur noch zwei Kilometer vor Kobani (arabisch: Ain al-Arab). Die syrische Grenzstadt nahe der Türkei ist seit Tagen hart umkämpft. Dagegen konnten kurdische Kämpfer den IS aus mehreren Orten im Nordirak zurückdrängen – unterstützt von US-Luftangriffen.

Legende: Video Kurden-Offensive gegen IS-Miliz abspielen. Laufzeit 4:45 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.09.2014.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) belagern die syrische Grenzstadt Kobani (arabisch: Ain al-Arab) in immer engerem Radius. Sie sei noch zwei Kilometer von der strategisch wichtigen Stadt entfernt, teilte die syrische Beobachtungsstelle mit.

Der IS kontrolliert bereits dutzende Dörfer im Umland der Stadt. Der Kampf um Kobani dauert schon Tage. Es werde mit schwerem Gerät auf Kobani geschossen, berichtete ARD-Korrespondent Martin Weiss in der «Tagesschau». «Einwohner berichten, dass die IS-Miliz bis fünf Kilometer vor Kobani steht», erklärte Weiss. Der Trupp werde täglich grösser.

Die Kurden, welche den Ort zu halten versuchen, erhalten jetzt Unterstützung. In der Nähe der Stadt bombardierten die USA in ihre arabischen Verbündeten IS-Stellungen.

Legende: Video Einschätzung von ARD-Korrespondent Martin Weiss abspielen. Laufzeit 2:17 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.09.2014.

Offenbar haben IS-Kämpfer zudem ein türkisches Mausoleum umstellt, das von türkischen Soldaten bewacht wird. Wenn diese Soldaten von IS angegriffen wurden, dann wertet dies die türkische Regierung als Angriff auf türkischen Boden, wie der ARD-Korrespondent erklärt.

IS im Nordirak zurückgedrängt

Im Nordirak gelang es kurdischen Kämpfern offenbar, die Dschihadistengruppe aus mehreren Ortschaften zu verdrängen. Sie waren am frühen Dienstagmorgen an drei Fronten vorgerückt. Dabei haben sie Unterstützung aus der Luft und von Artillerie-Einheiten bekommen, teilten die Kurden mit.

Ins Visier genommen wurden demnach IS-Stellungen nördlich der Islamisten-Hochburg Mossul, in einer Stadt an der Grenze zu Syrien sowie südlich von Kirkuk, einer strategisch wichtigen Stadt.

Einem Vertreter der kurdischen Peschmerga-Miliz zufolge eroberten die Truppen zunächst zwei Dörfer nahe Syrien und rückten dann in den Grenzort Rabia ein, der 100 Kilometer nordwestlich von Mossul liegt. Im Stadtzentrum lieferten sich die Kämpfer demnach Gefechte mit der Gegenseite.

Karte
Legende: Die IS-Milliz ist vor allem im Grenzgebiet zwischen der Türkei, Syrien und Irak tätig. SRF

Türkei verlegt Panzer

Die Türkei zog angesichts des IS-Vormarschs der Terrormiliz auf Kobani Truppen auf ihrer Seite der Grenze zusammen. Die Streitkräfte hätten 35 Panzer in der Region aufgefahren, erklärte Martin Weiss. Die Türkei mobilisiere sehr stark an der türkisch-syrischen Grenze. Es sollen 10'000 Menschen mobil gemacht worden sein.

Das Parlament in Ankara will am Donnerstag darüber entscheiden, ob die Regierung militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorgehen soll. Staatspräsident Recep Erdogan hatte vergangene Woche eine Unterstützung der Türkei für internationale Militäroperationen gegen den IS nicht mehr ausgeschlossen. Der IS-Vormarsch trieb zudem Zehntausende Menschen zur Flucht über die Grenze in die Türkei.

Hunderte Tote

Bei den vor einer Woche aufgenommenen Luftangriffen der USA und ihrer arabischen Verbündeten wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mehr als 200 IS-Kämpfer und 22 Zivilisten getötet. Neben den USA hat bislang auch Frankreich Luftangriffe im Irak geflogen, britische Kampfjets sind ebenfalls im irakischen Luftraum aktiv.

Bilder aus Kobani

Der Schweizer Kurt Pelda war der erste westliche Journalist, welcher in die syrisch-türkische Grenzstadt reiste. Die Reportage über den hart umkämpften sehen Sie hier.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Christina Bernegg, Horw
    Um eine Vorstellung von langfristigen,geostrategischen Interessen in Sachen Öl und Gas zu bekommen,sollte man sich klarmachen,dass die EU in Sachen Energie schon jetzt ein Bettlerdasein führt.Die Hoffnung auf USA-Gas und Öl aus Schiefergestein ist eine Seifenblase.Und nur die Golfstaaten könnten RU ersetzen.Aber der Weg in die EU führt durch drei Schlangengruben!Um die Wegerechte für die künftige Gaspipeline wird derzeit im Irak und Syrien gekämpft.Von wegen IS.
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    1. Antwort von Peter Steiner, 8810 Horgen
      @C.B. Ach, hört doch einmal auf mit diesem Öl und Gas. Dies mag ein Mittrund sein, aber de facto müssen wir und noch viel mehr die Bevölkerung vor Ort die in Massen vor der IS flieht, froh sein, dass der IS entgegen gehalten wird. Vielen Dank an alle, die bei dieser Hilfsaktion involviert sind!
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Ch. Bernegg: Die Oelpipelines vom Nordirak nach der Türkei zu den Verladehäfen bestehen schon seit Jahren. Die müssen nicht mehr gebaut, höchstens repariert werden. Deswegen macht ja die Peschmerga so Druck um alle Verbindungen von/nach der Türkei in ihre Hand zu bekommen. Uebrigens liefert das Autonomiegebiet regelm. u. in grösseren Mengen unter der Benützung der Pipelines. Die Gewinnung von Gas u. Oel aus Oelschiefer u. -Sänden ist ausgereift u. wird in Canada u. USA seit längerem angewandt.
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  • Kommentar von Sammelstiftung Vergleich, http://www.sammelstiftung-vergleich.ch/
    Sehr guter Artikel, ich danke Ihnen sehr!
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  • Kommentar von Beat Gurzeler, Winterthur
    Die IS will es wissen, der Türkei bleibt nichts anderes übrig, als wird sie in den Nordsyrischen Raum eingriffen, wie weit werden wir sehen. Dies ist sicher mit den Amerikaner abgesprochen.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Die Strategie schein aufzugehen, dass den Türken nun keine andere Wahl mehr bleibt, um in diesem Konflikt einzugreifen. Bisher zögerten sie ja, sich der Gemeinschaft im Kampf gegen die IS anzuschliessen. Dabei vergessen aber die Alliierten, dass die Türkei die meisten Flüchtlinge aus Syrien & dem Irak beherbergt & sie dadurch, wird die Türkei mit hinein gezogen auch ihre Leben wieder gefährden.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Die kurd. Autonomiebehörde in Erbil unter Barzani lehnt die Unterstützung von ausländischen Bodentruppen explizit ab. Was Syrien anbelangt wäre ein begrenzter Schlag z.B. von türkischen Truppen sinnvoller u. willkommen aber nur in sehr begrenztem Umfang und danach sofortigem Rückzug hinter die Grenze. Hingegen sind Luftunterstützung, Lieferung von schweren und modernen Waffen willkommen. @E. Waeden: Von welcher Strategie sprechen Sie?
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