IS stachelt zu Anschlägen in Australien an

Die Terrormiliz Islamischer Staat soll in Australien zur Exekution von Zivilisten aufgefordert haben. Nun hat die Polizei 15 Verdächtige festgenommen. Es handelt sich um den grössten Anti-Terror-Einsatz in der australischen Geschichte.

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Polizei nimmt Verdächtige fest (unkommentiert)

0:10 min, vom 18.9.2014

Die Brutalität der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) kennt keine Grenzen. Nun soll sie Sympathisanten in Australien zur Enthauptung von Zivilisten angestachelt haben. Die Anschläge seien bereits konkret geplant gewesen, sagte Premierminister Tony Abbott.

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Premier Tony Abbott über die Verdächtigen

0:32 min, vom 18.9.2014

Telefonanruf von IS-Kämpfer

Die Polizei war bei dem grössten Anti-Terror-Einsatz in der Geschichte des Landes mit über 800 Beamten im Einsatz, wie der Chef der Bundespolizei, Andrew Colvin, bestätigte. 15 Verdächtige seien festgenommen worden. Gegen einen 22-Jährigen sei Anklage erhoben worden.

Der Mann aus Sydney habe einen Anschlag geplant, der «die Gesellschaft schockieren, entsetzen und verängstigen» sollte, zitierte der Sender ABC Staatsanwalt Michael Allnutt. Der Mann wurde am Donnerstag in Sydney einem Richter vorgeführt. Der Fall wurde auf dem 13. November vertagt.

Machete in einer Plastiktüte

Bildlegende: Zahlreiche Gegestände wurde beschlagnahmt, darunter auch diese Machete. Reuters

Macheten und Gesichtsmasken sichergestellt

Nach Informationen des Senders erhielt der 22-Jährige diese Woche einen Telefonanruf von einem australischen Extremisten aus dem Nahen Osten, der mit der Terrormiliz Islamischer Staat kämpft. Der Mann habe ihn angestachelt, Menschen in Australien auf offener Strasse zu entführen und zu enthaupten. Die Videos sollten veröffentlicht werden.

Bei den Festgenommenen handelt es sich laut ABC überwiegend um gebürtige Afghanen. «Wir glauben, dass diese Gruppe (...) mit den Planungen für willkürliche Gewaltakte gegen ganz normale Bürger begonnen hatte», sagte Polizeichef Colvin.

Bei Razzien unter anderem in Sydney und Brisbane seien 25 Häuser und Wohnungen durchsucht worden. Dabei sollen Macheten, Gesichtsmasken und Kampfanzüge sichergestellt worden sein. Die Festnahmen erfolgten in Sydney.

«  Diese Leute hassen uns nicht für das, was wir tun, sondern dafür, wer wir sind und wie wir leben »

Tony Abbott
Premier Australiens

IS wollte demonstrative Tötungen

Es handle sich nicht nur um einen Verdacht, betonte Abbott. Die Polizei habe konkrete Geheimdienstinformationen erhalten. Danach wollten die Extremisten offenbar wahllos einen Bürger auf der Strasse anhalten und diesen nach dem Muster der Extremisten, die seit August vermutlich in Syrien drei westliche Geiseln hingerichtet hatten, vor laufender Kamera enthaupten.

«Es ist wichtig, dass unsere Polizei und Sicherheitsorganisationen ihnen einen Schritt voraus sind», sagte Premierminister Abbott über die Dschihadisten. «Und heute Morgen waren sie es.»

«Diese Leute hassen uns nicht für das, was wir tun, sondern dafür, wer wir sind und wie wir leben», sagte Abbott. «Wir werden zur Zielscheibe, weil wir ihrem Ideal einer Gesellschaft nicht entsprechen. Wir sind frei, pluralistisch, tolerant, gastfreundlich – all das ist in deren Augen falsch.»

60 Australier in Syrien

Die Behörden des Landes hatten die Terrorwarnstufe am vergangenen Freitag von der mittleren Stufe auf «hoch» gesetzt. In Brisbane wurden letzte Woche zwei Männer festgenommen, die dabei geholfen haben sollen, Kämpfer für militante Islamistengruppen in Syrien anzuwerben.

Die Geheimdienste gehen davon aus, dass 60 Kämpfer mit australischem Pass für den IS im Land im Einsatz sind. Abbott wollte am Donnerstag in Darwin 600 Soldaten verabschieden, die den Kampf gegen den IS im Irak unterstützen sollen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Grausame IS-Sympathisanten in Australien

    Aus Tagesschau vom 18.9.2014

    Extremisten wollten in Australien wahllos ausgesuchte Bürger enthaupten und die Bluttaten filmen. Die Polizei hat das mit einem grossen Anti-Terror-Einsatz vereitelt. Im Syrien macht die Terrormiliz IS derweil weitere Geländegewinne.