Kein Gehör für Diplomatie im Nahost-Konflikt

Der Schlagabtausch in Nahost geht weiter. Militante Palästinenser feuern auf Israel. Bei israelischen Luftangriffen gibt es Tote. Der Ruf nach Diplomatie verhallt vorerst ungehört.

Eine Rakete wird aus dem Gazastreifen Richtung Israel abgeschossen.

Bildlegende: Militante Palästinenser beschiessen Israel mit Raketen. Die Armee fliegt ihrerseits Luftangriffe. Keystone

Ungeachtet internationaler Forderungen nach neuen Verhandlungen setzen Israel und militante Palästinenser im Gazastreifen ihren gegenseitigen Beschuss fort. Im Süden Israels heulten am Morgen die Luftalarmsirenen und die israelische Luftwaffe attackierte Dutzende Ziele im Gazastreifen.

Das palästinensische Gesundheitsministerium sprach von fünf Toten seit Freitagmorgen. Zudem soll es am Samstagmorgen weitere Opfer gegeben haben. Auf israelischer Seite wurden fünf Raketen aus dem Gazastreifen registriert.

Nach dem neuen Aufflammen der Gewalt steigt die Zahl der Flüchtlinge in Gaza wieder. Rund 220‘000 Menschen suchten derzeit in Einrichtungen der UNO Schutz, schrieb der Sprecher des UNO-Palästinenserhilfswerks UNRWA auf Twitter. Die Zahl war während der Waffenruhe vorübergehend gesunken, weil viele Menschen in ihre Wohngebiete zurückgekehrt waren.

Erneut Demonstrationen gegen Israel

Am Freitagabend war es im Westjordanland zu Protesten gegen den israelischen Einsatz gekommen. Dabei wurde nahe Ramallah ein 19-jähriger Palästinenser von einem israelischen Soldaten erschossen. Bei einer Demonstration in Hebron wurden rund 40 Personen verletzt, zehn davon durch scharfe Munition.

Muslimbürder - darunter viele Frauen - an der Demonstration in Amman

Bildlegende: Demonstrierende in Amman rufen die Hamas zu weiteren Angriffen auf. Keystone

Und in Jordanien demonstrierten 15'000 Anhänger der Muslimbrüder für die Hamas. Sie riefen «Tod für Israel» und forderten die Hamas auf, den Raketenbeschuss auf Israel zu verstärken. Es war die grösste derartige Kundgebung in Amman seit Jahren. Sie verlief ohne Zwischenfälle.

Festgefahrene Situation

Die USA und die Vereinten Nation forderten Israel erneut auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Israel brach diplomatische Gespräche in Kairo am Freitag ab, nachdem militante Gruppen aus Gaza Raketen auf den Süden Israels abgefeuert hatten. Zuvor war eine 72-stündige Waffenruhe ohne Verlängerung ausgelaufen.

Israel will nicht über eine neue Feuerpause verhandeln, solange der Beschuss aus Gaza andauert. Die Palästinenser begründen die Aufgabe der Feuerpause damit, dass ihre Forderungen nicht erfüllt würden.

Gegenseitige Forderungen

Als Bedingung für eine dauerhafte Waffenruhe nennen sie eine Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens. Neben einem Ende von Einschränkungen von Geldüberweisungen und einer Ausweitung der Fangzone für Fischer bestehen sie auf dem Bau eines See- und eines Flughafens in Gaza. Ausserdem sollen Häftlinge in Israel freigelassen werden.

Israel fordert als Bedingung für einen Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens eine Entmilitarisierung des schmalen Küstengebiets und eine Entwaffnung der militanten Organisationen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Zwischen Israel und Gaza fliegen wieder Raketen

    Aus Tagesschau vom 8.8.2014

    Zum Ende der dreitätigen Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas und den ergebnislosen Verhandlungen in Kairo sind die Kämpfe im Gaza-Streifen erneut aufgeflammt. Die Zustände in Gaza sind prekär, nun wächst dort die Angst vor einem Neustart dieses seit bereits einem Monat andauernden Krieges.