Klimagipfel-Analyse: Handeln statt taktieren

Nach fast zwei Tagen Verlängerung hat die UNO Klimakonferenz in Lima gestern einen Konsens gefunden. Einen Minimalkonsens muss man gleich nachschieben, mehr war nach zwei Verhandlungswochen nicht zu haben. Und doch: Es gab beim Mammut-Treffen in Peru keine scharfen Konfliktlinien mehr.

Saal mit Videoleindwänden

Bildlegende: Ausser Spesen doch was gewesen: Der Klimagipfel in Lima hat durchaus neue Erkenntnisse zutage gefördert. Keystone

Die ersten Reaktionen klingen darum enttäuscht, skeptisch, ablehnend. Und doch war Lima nicht einfach eine Konferenz mehr.

Industrie- und Entwicklungsländer gefordert

Klimakonferenzen sind umständlich, sie sind langsam und am Ende stehen nur ein paar Kompromisse auf dem Papier, oft wässerige dazu. Und doch: Klimaschutz geht alle an, steht im Text von Lima (in Juristenenglisch verklausuliert) und das heisst, dass die Industrie- und Entwicklungsländer Treibhausgase reduzieren müssen. Das ist neu.

Unterschieden wird das Ausmass der Verpflichtung, aber das Prinzip gilt jetzt für alle. Jedes Land muss seine Ziele definieren. Lange wurde darüber diskutiert und gestritten. Aber auch Entwicklungs- und Schwellenstaaten haben in der Diskussion klar gemacht, dass jetzt Handeln wichtiger ist als weiteres Taktieren. Dazu gehören zum Beispiel Mexiko, die Philippinen und sogar die kleinen Marshall Islands, ein Inselstaat im Pazifik.

Keine scharfen Konfliktlinien mehr

Es gibt keine scharfen Konfliktlinien mehr, es gibt nicht mehr einfach hier die Armen, dort die Reichen. In beide Lager ist Bewegung gekommen. Besonders auffällig war, wie sehr sich die USA um eine Führungsrolle bemühten und sich flexibler zeigten. Sie sind nicht mehr die Neinsager von früher. Viele zweifeln noch an diesem Gesinnungswandel. Das ist nachvollziehbar. Am Ende aber lässt man sich darauf ein, wohl aus der Überlegung, dass Washingtons neue Politik im eigenen Land ein kurzes Leben haben könnte, wenn man sie international boykottiert.

Handeln und Verhandeln

Das alles sind noch keine grossen Schritte, aber die darf man vom schwerfälligen UNO Verhandlungsprozess auch nicht erwarten. Initiativen von aussen, die unabhängig von den Klima-Gesprächen ergriffen werden, könnten da eine wichtigere Rolle spielen.

Ökologische Energieprogramme einzelner Staaten zum Beispiel, die Umweltpolitik grosser Städte oder ein Kurswechsel der Wirtschaft mit Investitionen in erneuerbare Energien. Das kann die Verhandlungen beeinflussen. Der frühere deutsche Umweltminister Klaus Töpfer beschrieb das Prinzip einmal als Handeln und Verhandeln, in dieser Reihenfolge.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • US-Aussenminister John Kerry ruft an der Klimakonferenz in Lima zum Handeln auf.

    Klima: Kerrys flammender Appell

    Aus Echo der Zeit vom 12.12.2014

    Die Klimakonferenz in Lima geht in die Verlängerung. In einer flammenden Rede rief US-Aussenminister John Kerry alle Länder dazu auf, sich der Gefahr durch den Klimawandel bewusst zu sein und sich zu einem Vertrag durchzuringen.

    Nur, was für ein Vertrag? Und was würde ein allfälliges Abkommen bringen?

    Martin Durrer und Thomas Häusler

  • Eine Aktion von peruanischen Jugendlichen während des Klimagipfels in Lima: «Die Welt, die wir wollen».

    Schweizer Hilfe fürs Klima in Lima

    Aus Echo der Zeit vom 8.12.2014

    In Lima verhandelt die Welt zurzeit über einen neuen Klimavertrag. Schwellenländer wie Gastgeberin Peru sollen sich erstmals zum Klimaschutz verpflichten. Wie das gehen kann, zeigen fortschrittliche peruanische Firmen, einige erhalten dabei Hilfe von der Schweiz.

    Thomas Häusler

  • US-Präsident Barack Obama und der chinesische Präsident Xi Jinping haben in Peking eine Vereinbarung über neue Klimaziele in beiden Ländern unterzeichnet.

    Hürden für die Klima-Vereinbarung mit China

    Aus Echo der Zeit vom 12.11.2014

    Erstmals haben China und die USA eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet, um den CO2-Ausstoss in beiden Ländern zu senken. Ein gutes Zeichen für den Klimagipfel vom kommenden Jahr in Paris, wo ein Folgeabkommen für das Kyoto-Abkommen angestrebt wird.

    In den USA wird die Klimapolitik in den nächsten Jahren allerdings einen schweren Stand haben.

    Priscilla Imboden

  • Neue Klima-Ziele ohne Verpflichtung

    Aus Tagesschau vom 12.11.2014

    China hat zum ersten Mal Klima-Ziele bekannt gegeben. Bis 2030 soll der Höhepunkt der klimaschädlichen Co2-Emissionen erreicht sein. Auch die USA versprechen, den Ausstoss von Treibhausgas bis 2025 um 28 Prozent verringern. Weder Washington noch Peking verpflichten sich allerdings zu diesen Zielen.

  • Konsequenzen des Klimawandels für die Schweiz

    Aus Tagesschau vom 3.11.2014

    Diverse Bundesämter arbeiten an Strategien zur Anpassung der Schweiz an ein wärmeres Klima. Im Fokus stehen dabei die Landwirtschaft, der Tourismus, vor allem aber die Gefahr von Naturkatastrophen.

  • Lichtinstallation vor dem UNO-Hauptgebäude, wo die Klimakonferenz stattfindet

    Klima-Musterschüler Kalifornien

    Aus Echo der Zeit vom 21.9.2014

    Zum Auftakt der Klimakonferenz demonstrierten in New York Zehntausende für einen Schutz des Klimas. Die US-Regierung setzt sich für den internationalen Klimaschutz zwar stark ein. Wegen der Blockade im Kongress hat ein umfassendes Klimagesetz derzeit aber keine Chance in Washington.

    Viel weiter ist man in Kalifornien.

    Priscilla Imboden

  • Schützt CO2-Kompensation das Klima?

    Aus Kassensturz Espresso vom 16.7.2014

    Von Basel nach Barcelona für elf Franken. Das ist kein unverschämt günstiges Flugticket, sondern ein Kompensations-Betrag. Damit wird der flugbedingte Ausstoss von klimaschädlichen Treibhausgasen kompensiert. Solche Kompensationen sind bei Schweizern beliebt, aber bewirken sie auch etwas?

    Adrian Zehnder