König Juan Carlos dankt ab – Felipe folgt auf den Thron

Der spanische König Juan Carlos hat sich überraschend zur Abdankung entschlossen – nach fast 40 Jahren im Amt. Wie Ministerpräsident Mariano Rajoy informierte, soll Prinz Felipe nun die Thronfolge antreten.

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Spanischer König dankt ab

1:21 min, aus Tagesschau am Mittag vom 2.6.2014

Seit 1975 ist Juan Carlos der König von Spanien – jetzt geht die Ära zu Ende. Der 76-jährige Monarch dankt ab. Seinen Entschluss teilte er dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy mit.

Neue Generation soll Ruder übernehmen

Danach erklärte König Carlos in einer Radio- und Fernsehansprache: «Eine neue Generation verlangt aus gerechtem Grund die Hauptrolle. Heute hat es eine jüngere und mit neuer Energie ausgestattete Generation verdient, entschlossen an vorderster Linie die Veränderungen und Reformen anzugehen, die die derzeitigen Umstände verlangen.»

Er sei stolz auf das, was er in seiner Amtszeit erreicht habe, so Carlos. Er habe sich immer dafür eingesetzt, dass sich Spanien in Freiheit entwickeln könne.

Aus Kreisen des Königshauses hiess es jedoch, die Gründe für seine Abdankung seien politischer Natur.

Verfassung muss erst geändert werden

Premier Rajoy kündigte eine Sondersitzung des Kabinetts an, um das gesetzgeberische Verfahren in die Wege zu leiten. Die Verfassung werde geändert, um den Rücktritt des Königs zu ermöglichen. «Ich bin überzeugt, dass dies der beste Zeitpunkt für einen Wandel ist», erklärte Rajoy. Juan Carlos habe persönliche Gründe angegeben.

«Ich hoffe, dass das Parlament in kurzer Frist den Kronprinzen zum neuen König ernennen kann», sagte der Regierungschef weiter. Er würdigte Juan Carlos als einen «unermüdlichen Verteidiger» spanischer Interessen. Der Prozess der Abdankung werde ein Beweis für die Reife der spanischen Demokratie sein, sagte er.

Skandale und Gesundheitsprobleme

Der 76-jährige Juan Carlos genoss über Jahrzehnte ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Wegen einer Reihe von Korruptionsskandalen und anderer Fehltritte ist das Ansehen des Königshauses zuletzt aber gesunken. In einer Umfrage sprachen sich zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte.

Der Monarch wird seit Monaten von gesundheitlichen Problemen geplagt. Dennoch traf die Entscheidung Spanien völlig überraschend – eine Abdankung hatte der König bislang strikt ausgeschlossen.

«  Wir alle haben ihm gegenüber eine unbezahlbare Schuld. »

Mariano Rajoy
Ministerpräsident von Spanien

Nach der Abdankungs-Ankündigung würdigte Ministerpräsident Rajoy den Beitrag des Monarchen für die Demokratie in dem Land. «Er war das beste Symbol unseres Zusammenlebens in Frieden und Freiheit», sagte der konservative Regierungschef in Madrid.

Der 76-Jährige sei nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) der wichtigste demokratische Antrieb gewesen und habe die junge Demokratie auch bei dem gescheiterten Putschversuch rechter Militärs im Februar 1981 verteidigt. «Wir alle haben ihm gegenüber eine unbezahlbare Schuld», ergänzte Rajoy.

Felipe: Der würdige Nachfolger

Kronprinz Felipe ist laut Regierung bestens auf den Thron vorbereitet. «Er ist eine solide Garantie dafür, dass er bei der Ausübung seines Amts als Staatschef die Erwartungen erfüllen wird», so Ministerpräsident Rajoy. Er sei gut ausgebildet, habe eine grosse Erfahrung in öffentlichen Angelegenheiten und sei auch vom Charakter her ideal.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Demokrat und Elefantenjäger

    Aus 10vor10 vom 2.6.2014

    Gerüchte über seinen Rücktritt kursieren schon lange, dennoch kam die Nachricht heute unerwartet. Der spanische König Juan Carlos tritt nach knapp 40 Jahren ab. «10vor10» will wissen, wie die Geschichtsbücher über Juan Carlos urteilen.

  • Der spanische König Juan Carlos I kurz vor der Sitzung im La Zarzuela-Palast in Madrid am 24. Mai 2010.

    Adios, Juan Carlos. Der spanische König dankt ab

    Aus Echo der Zeit vom 2.6.2014

    Fast 40 Jahre lang war Juan Carlos König von Spanien. Jetzt überlässt der Demokrat und Elefantenjäger seinem Sohn Felipe den Thron. Bislang hatte er einen Rücktritt abgelehnt. Wieso geht Juan Carlos jetzt doch?Gespräch mit dem früheren SRF-Iberien-Korrespondenten Alexander Gschwind.

    Veronika Meier und Alexander Gschwind