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International «Lage in der Ostukraine wird wohl eskalieren»

Während die Krim-Krise noch alles andere als gelöst ist, verschärft sich nun auch die Lage im Osten der Ukraine. Die pro-russischen Aktivisten sind gut organisiert und agieren wohl unter russischer Federführung. SRF-Korrespondent Peter Gysling rechnet mit einer Eskalation.

Wie die Feuerwehr eilt die ukrainische Regierung von einem Brandherd zum anderen. Im Osten der Ukraine ist die Lage schon eine Weile angespannt, die ersten Toten sind zu beklagen.

SRF: Muss man mit einer Eskalation rechnen?

Peter Gysling: Das kann ich mir leider gar nicht anders vorstellen. Die schwer bewaffneten pro-russischen Aktivisten haben heute erneut Gebäude in weiteren Städten erobert. Und die «Anti-Terror-Aktion» der Ukraine hat offenbar noch nicht zum Ziel geführt. Zwar wurde in und um die Stadt Slawjansk gekämpft – doch die lokale Polizeistation ist noch immer in den Händen der Besetzer. Der Konflikt, der jetzt mit Waffen ausgetragen wird, dürfte sich weiter hochschaukeln.

Die pro-russischen Aktivisten fordern eine Abstimmung. Sie wollen zumindest mehr Autonomie, schielen gar nach Russland. Das kommt einem bekannt vor. Wiederholt sich da praktisch die Krim-Krise?

Nein, eine solche Wiederholung steht kaum an. Die Russen wollen die Ostukraine wohl nicht erobern. Aber Russland sucht natürlich gute Bedingungen, beispielsweise für einen direkten Landzugang zur Krim-Halbinsel. Und Russland tut nun alles, damit sich mindestens die ostukrainischen Gebiete Richtung Russland ausrichten. Dazu soll auch die von Russland auf diplomatischem Parkett geforderte Föderalisierung des Landes dienen – damit würde die ukrainische Zentralregierung teilweise entmachtet. Gut vorstellbar ist auch, dass die Präsidentenwahl in der Ukraine vom 25. Mai verunmöglicht wird.

Offiziell sagt Russland, es sei an den aktuellen Ereignissen nicht beteiligt. Ihre Einschätzung: Wie stark mischen die Russen tatsächlich mit?

Viele Indizien weisen darauf hin, dass Russland sehr wohl und auch sehr gezielt die Aktionen in der Ostukraine mitdirigiert. Es sind jetzt – wie damals auf der Krim – Uniformierte ohne Hoheitszeichen an den Kämpfen beteiligt. Sie tragen ein Modell eines Kalaschnikow-Sturmgewehrs auf sich, das offenbar nur bei der russischen Armee Verwendung findet. Zudem sind die Soldaten sehr gut organisiert. Das sind keine spontan gebildeten Bürgerwehren. Alles ist gut koordiniert und läuft mutmasslich nach einem von Russland mitgeprägten Plan ab.

Peter Gysling

Porträt von Peter Gysling.

Peter Gysling arbeitet seit 1980 als Journalist für SRF. Während des Mauerfalls war er Korrespondent in Deutschland. Von 1990 bis 2004 und erneut seit 2008 ist er Korrespondent in Moskau.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von F.Riedo, Bern
    Nicht Schwachsinn hoch drei sondern Medienmanipulation hoch drei. Die AK74 gehört zur Standardausrüstung aller Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes und ist keine Spezialwaffe. Millionen davon wurden hergestellt, verkauft und exportiert. Ein Aufstand einer Bevölkerungsgruppe ist auch kein Terrorismus, da sich dieser Aufstand ja gegen die Regierung und nicht gegen Zivilisten richtet. Der Einsatzbefehl der Armee aus Kiew ist dagegen ein Verbrechen gegen das eigene Volk. Putin wird reagieren.
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    1. Antwort von Peter Meier, Zürich
      Jaja, ganz nach dem Gusto: Das "Volk" darf machen was es will, denn es ist ja das Volk. Plündern/meutern/staatliche Gebäude stürmen alles ok solange es das Volk ist.. Da muss man sich schon wundern. Man könnte auch sagen die ganzen Separatisten sollen doch zuerst mal friedlich abwarten und schauen was die neue Regierung macht, ob es wieder Wahlen gibt etc. Dass der Staat bewaffnet reagieren muss wenn die Bürger bewaffnet seine Polizeigebäude stürmen ist doch logisch, wäre in der CH nicht anders.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @P. Meier:" Wehret den Anfängen". Hätte die Übergangsregierung nach dem Putsch in Kiew, auf die Stimmen der die Pro-Russischen-Ukrainer gehört, gäbe es jetzt diese Aufstände nicht. Sie haben sich über ihre Köpfe hinweg für einen EU-Beitritt entschieden, was sie aber beim abgesetzten Präsidenten verurteilt haben, als er sich nicht an die EU binden wollte & nicht auf die Stimmen der West-Ukrainern gehört hatte. Fakt ist: Sie haben dasselbe getan, was jetzt der Osten macht.
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Solange sich die EU & USA nicht aus der Ukraine zurückziehen, wir die Lage immer ernster und gefährlicher. Ich glaube bald, die EU hat es genau darauf angelegt, einen Krieg mit aller Gewalt herbei zu führen. Wenn so, dürfte dies ein sehr böses Erwachen in der EU geben. Auch speziell die Rolle und die Aktivitäten der Deutschen müsste da genauer untersucht werden. Das ganze stinkt zum Himmel.
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    1. Antwort von Paolo Scognamiglio, Horw
      Es schier unglaublich, wie naiv und blind viele Schweizer das Verhalten Putins kommentieren. Aus purer EU-Feindschaft wird ein Bild von Putin gezeichnet, das Wilhelm Tell gleicht. Was er aber ist, dass hat er nun schon genug gezeigt. Er knebelt die Presse, deckt eine korrupte Mannschaft, lässt Truppen auffahren. Mag die Kiewer Regierung auch nicht das Glaubwürdigste sein. Die EU hat bisher Osteuropa stabilisiert und näher an westliche Kultur, Demokratie und Rechtsstaat herangeführt.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @P. Scognamiglio: Da lachen ja selbst die Hühner! Oder ist es diese Tage der Osterhase? Aber es ist schon immer in die Hose gegangen, wenn man anderen Kulturen eine westliche aufzwingen wollte. Und die EU entwickelt sich immer mehr zur Diktatur, sonst würde sie andere Meinungen & andere Kulturen akzeptieren & nicht immer die ihrige aufzwingen wollen. "Leben und leben lassen" IST wahre Demokratie! Die EU hat sich weit davon entfernt.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Ja, die Leute mit Gummistiefel, Schaufel, Jeans und schwarzer Jacke sehen wirklich nach russischen Streitkräften ohne Hoheitszeichen aus - Schwachsinn hoch drei.
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