NSA geht in die Offensive

Der in Verruf geratene US-Geheimdienst versucht sein Image aufzupolieren und bittet Hacker um Hilfe. Zugleich dementiert man weiter das Ausmass der Datenschnüffelei. Jüngste Berichte lassen daran allerdings Zweifel aufkommen.

Der Chef des US-Geheimdienstes NSA, General Keith Alexander, hat bei einer Konferenz in Las Vegas die anwesenden Hacker aufgerufen, dem Geheimdienst bei seiner Aufgabe zu helfen. Alexander sagte: «Wir stehen für Freiheit.» Die Hacker sollten dem Geheimdienst helfen, das Land zu verteidigen.

General Keith Alexander am Rednerpult stehend und mit seinen Händen gestikulierend.

Bildlegende: General Keith Alexander bei seiner Rede in Las Vegas. Keystone

Er sagte, die NSA-Mitarbeiter wollten Terroristen finden und beobachten und nicht normale Amerikaner. Die Medien stellten Fakten über NSA-Programme falsch dar. Der Ruf der Mitarbeiter des Geheimdienstes sei beschädigt, weil nicht alle Tatsachen auf dem Tisch lägen.

Die «Washington Post» schrieb, der Auftritt von Alexander in Las Vegas sei Teil einer Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit, um besser zu erklären, was die NSA tue.

Mail-Scanning in Echtzeit und ohne Grenzen

Die britische Tageszeitung «The Guardian», die auch die ersten Snowden-Enthüllungen öffentlich gemacht hatte, stellte unterdessen eine NSA-Präsentation ins Netz. Danach haben NSA-Mitarbeiter über ein Programm namens «XKeyscore» Zugriff auf gewaltige Datenmengen.

Das Programm erlaube Einsicht in «praktisch alles, was ein gewöhnlicher Nutzer im Internet tut». Demnach können NSA-Mitarbeiter in Echtzeit die E-Mails von Nutzern lesen sowie ihre Suchen im Internet, Einträge in sozialen Netzwerken und faktisch alle sonstigen Tätigkeiten im Netz verfolgen.

Nutzer könnten dabei nicht nur über ihre E-Mail, sondern mittels einer detaillierten Suchmaske auch über zahlreiche weitere Kriterien gefunden werden. So kann das Internet dem Bericht zufolge etwa nach Personen durchsucht werden, die in Pakistan auf Deutsch kommunizieren oder den Kartendienst Google Maps nutzen, um Anschlagsziele auszuspähen.

NSA widerspricht: «Wir sammeln nicht willkürlich Daten»

Die Verantwortlichen in Washington wehren sich gegen die Kritik. Das Programm sei nur ausgewählten Personen zugänglich und unterliege strengsten «gegenseitigen Kontrollen» gegen Missbrauch, so das Weisse Haus.

«Der Vorwurf flächendeckender, ungeprüfter Zugriffe auf NSA-Daten ist falsch», versicherte Präsidentensprecher Jay Carney. Auch der Auslandsgeheimdienst NSA widersprach der Behauptung, er sammele «willkürlich und grenzenlos» Informationen, und warnte vor der Gefährdung wichtiger Quellen und Aufklärungsinstrumente durch Medienberichte.