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International Paris-Attentäter schweigt eisern

Salah Abdeslam, der als einziger überlebender Attentäter der Paris-Anschläge gilt, ist in Paris zum ersten Mal befragt worden. Doch er sagte gar nichts. Laut seinem Verteidiger ist er noch nicht soweit.

Der mutmassliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam hat bei seiner ersten ausführlichen Befragung durch die französische Justiz geschwiegen. Abdeslam wolle sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äussern, sagte sein Anwalt Frank Berton.

Zwei bewaffnete Männer vor einem schwarzen Auto.
Legende: Der Konvoi, mit dem Abdeslam zum Justizpalast gebracht wird, wird strengstens überwacht. Keystone

Spektakulärer Transport

Abdeslam war am frühen Morgen in einem Konvoi aus Polizeifahrzeugen von seinem Gefängnis südlich von Paris zu seiner Vernehmung im Justizpalast der französischen Hauptstadt gebracht worden. Ein Helikopter überwachte den Transport aus der Luft.

Am späten Vormittag sagte sein Anwalt, die Vernehmung sei beendet. «Er wollte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen, man muss ihm Zeit geben», sagte Berton.

Zuvor hatte der Verteidiger angekündigt, dass sein Mandant gegenüber den französischen Ermittlern aussagen wolle. Diese erhoffen sich von dem 26-Jährigen wichtige Hinweise zu möglichen weiteren Anschlagsplänen in Frankreich und Details zu den Pariser Attentaten vom 13. November.

Abdeslam sieht sich als Mitläufer

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Abdeslam habe ohne Begründung von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. «Er weigerte sich zudem, die Äusserungen zu bestätigen, die er zuvor vor Polizisten und vor den belgischen Ermittlungsrichtern gemacht hat.»

Legende: Video Anwalt: «Überwachung ohne rechtliche Grundlage» abspielen. Laufzeit 00:28 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.05.2016.

Anwalt Berton kritisierte die Haftbedingungen seines Mandanten, der im Gefängnis von Fleury-Mérogis in Isolationshaft sitzt und unter permanenter Videoüberwachung steht. «Man überwacht und beobachtet ihn. Die Überwachung wird gemacht, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. Sie wurde durch das Justizministerium angeordnet – ausserhalb jeglicher rechtlicher Grundlage. Abdeslam versteht nicht, warum er der einzige in Frankreich ist, der von dieser Massnahme betroffen ist.» Berton kündigte eine Beschwerde beim Justizministerium an.

Ermittelt wird gegen Abdeslam wegen einer ganzen Reihe von Vorwürfen: Neben Mord und versuchtem Mord im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung geht es unter anderem um Freiheitsberaubung wegen des Angriffs auf die Pariser Konzerthalle Bataclan sowie um Besitz von Sprengstoff und Waffen.

Der Franzose gilt als einziger Überlebender der Attentäter von Paris. Im März war er in Brüssel festgenommen und einen Monat später nach Frankreich ausgeliefert worden, wo er in Untersuchungshaft sitzt. Bei Justizbefragungen in Belgien hatte sich Abdeslam als Mitläufer bezeichnet, der nicht für die Ausführung der blutigen Anschlagsserie verantwortlich sei.

Auch an Belgien-Anschlägen beteiligt?

Sein Bruder Brahim hatte sich am 13. November in die Luft gesprengt, Salah selbst hatte Autos und Verstecke für die Paris-Attentäter gemietet und Material für Sprengsätze gekauft. In der Anschlagsnacht, in der 130 Menschen getötet wurden, soll er drei Selbstmordattentäter zur Fussballarena Stade de France gefahren haben, wo Frankreich gegen Deutschland spielte.

Von den Planungen zu den Anschlägen in Brüssel vier Tage nach seiner Festnahme will Abdeslam nichts gewusst haben. Allerdings fanden die belgischen Ermittler Verbindungen zwischen ihm und den Selbstmordattentätern, die am 22. März in der belgischen Hauptstadt 32 Menschen mit in den Tod rissen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Beate Zschäpe schwieg ebenfalls lange. Da waren jedoch die Gründe anderer Natur. Sie hat immer noch aktive Hilfe von Gesinnungsgenossen und deutschen Beamten, die davon profitieren. Salah Abdeslam hat keine solche Hilfe. Er ist meiner Meinung ein Mitläufer ohne grosse Kompetenzen.
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  • Kommentar von Turi Schimmel (Turi Schimmel)
    Er sollte in Todesangst leben müssen, genau wie die Gefangenen seiner Brüder, Schlafentzug und unter ständiger Beschallung. Wie lange würde es wohl gehen bis er redet? Es ist tragisch, als Angehörige der Toten, mit ansehen zu müssen, wie solche Typen mit Samthandschuhen angefasst werden und auch noch auf irgend welche Rechte pochen. Das ganze Theater ist ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Familien.
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Wie bitte? Verlangen Sie hier ernsthaft nach Folter? Hey das Mittelalter ist vorbei auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen, jeder hat das recht auf einen fairen Prozess, jeder.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Faule Ausrede. Jetzt hätte er doch ein halbes Jahr Zeit gehabt, um seinen "Beichtspiegel" aufzusetzen. Wann will er sich äussern? Wenn das Neujahr im Sommer ist?
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