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International Rousseff äusserst knapp wiedergewählt

Die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff hat ihre Wiederwahl knapp geschafft. Sie schlug ihren bürgerlichen Gegenkandidaten Aecio Neves mit rund drei Millionen Stimmen Vorsprung. In den nächsten vier Jahren wolle sie Reformen umsetzen, versprach Rousseff.

Legende: Video Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wiedergewählt abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.10.2014.

54 Millionen Brasilianer haben Dilma Rousseff bei der Präsidentenwahl ihre Stimme gegeben. Der Sozialdemokrat Aecio Neves kam auf 51 Millionen Stimmen. Es ist der knappste Wahlausgang in Brasilien seit Jahren und zeigt die Verschleiss-Erscheinungen bei der Arbeiterpartei, die seit zwölf Jahren regiert.

Legende: Video Einschätzungen von Erwin Schmid abspielen. Laufzeit 02:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.10.2014.

Der Wahlkampf war von einem Korruptionsskandal überschattet, weil beim staatlichen Ölkonzern Petrobras veruntreute Gelder offenbar in die Kassen der Regierungspartei gelangt sind. Rousseff, die vor allem als Bewahrerin des Sozialmodells punktete, will sich nun für Reformen einsetzen.

Volk soll bei Politreform mitreden

In jüngerer Zeit hatten die Brasilianer für bessere öffentliche Dienstleistungen protestiert und gegen die verbreitete Korruption. Die Natur des politischen Systems gilt als Hauptquelle der Bestechlichkeit. An erster Stelle stehe eine Reform des politischen Betriebs, sagte Rousseff nach ihrem Wahlsieg vor Anhängern. Sie wolle, dass sich Volk in einem Plebiszit dazu äussern könne.

Auch weniger populäre Vorhaben wird Dilma Rousseff in ihrem zweiten Mandat umsetzen müssen, etwa die Kürzung der Staatsausgaben.

Das Ergebnis der Präsidentenwahl widerspiegelt die sozialen Gräben, die sich quer durch Brasilien ziehen. Die weissen, gebildeten und gut verdienenden Brasilianer schenkten dem Wirtschaftsliberalen Aecio Neves das Vertrauen.

In São Paulo, im bevölkerungsreichsten Teilstaat, holte Neves mehr als doppelt so viele Stimmen wie Rousseff. Diese punktete ähnlich deutlich im Norden und Nordosten des Landes, wo die Regierung am meisten Sozialhilfe an die Unterschicht ausschüttet. Zu ihr gehören viele Schwarze, Farbige und Brasilianer mit indigenen Wurzeln.

Brasilien in Zahlen

MerkmalJahrWert
Bevölkerung 2013200'361'900
Bevölkerung unter 15 Jahren201324,1 Prozent
Bevölkerung ab 65 Jahren20137,5 Prozent
BIP pro Einwohner201311'173 US-Dollar
Inflation (im Vergleich zum Vorjahr)20136,2 Prozent
Erwerbslosenquote20135,4 Prozent
Jugenderwerbslosenquote 201215,5 Prozent

Börse reagiert positiv

Laut SRF-Korrespondent Erwin Schmid notierte die brasilianische Börse nach der Wahl im Plus. Er wertet das als «Überraschung», da die Wirtschaftsdaten des Landes derzeit wenig positiv aussehen. Rousseffs hatte zuvor angekündigt, eine pragmatischere Wirtschaftspolitik anzustreben und das zuständige Ministerium dementsprechend zu besetzen.

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