Russland verstärkt wieder Truppen an ukrainischer Grenze

Noch mehr Waffen und Soldaten auf beiden Seiten – der Konflikt in der Ostukraine nimmt erneut an Härte zu. Die Zivilbevölkerung leidet.

Ein ukrainischer Raketenwerfer in Stellung bei einem Sommenblumenfeld.

Bildlegende: Ein ukrainischer Raketenwerfer in Stellung. Je länger der Konflikt dauert, desto härter wird er geführt. Reuters

Russland zieht nach Angaben der Nato wieder Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen. «Unsere derzeitige Einschätzung ist, dass sich zwischen 10‘000 und 12‘000 Soldaten in der Gegend aufhalten», sagte ein Nato-Offizier.

Russland hatte in den vergangenen Wochen die meisten seiner 40‘000 Soldaten abgezogen, die in der Grenzregion zusammengezogen worden waren. Mitte Juni hielten sich dort weniger als 1000 Soldaten auf. Auch die ukrainische Führung warf Russland vor, wieder Militär nach Westen zu verlagern. Kiew kritisierte zudem, dass in den vergangenen 24 Stunden russische Einheiten und Militärausrüstung über die Grenzposten in Sumy und Lugansk in die Ostukraine verlagert worden seien.

Auch Poroschenko will aufrüsten

Kurz vor dem EU-Gipfel eskaliert in der Ostukraine der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland erneut. Ein ukrainisches Militärflugzeug wurde abgeschossen. Der Abschuss sei von russischem Boden aus geschehen, teilte der ukrainische Präsident mit. Zuvor hatte er Russland vorgeworfen, sich mit Offizieren direkt an den Gefechten zu beteiligen.

Nach verlustreichen Kämpfen gegen pro-russische Separatisten hat auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko eine massive Aufrüstung der Armee angekündigt. In den vergangenen drei Tagen seien neue russische Raketensysteme gegen Regierungseinheiten eingesetzt worden, sagte er. Zudem gebe es Beweise, dass Offiziere der russischen Armee aufseiten der Aufständischen in der Ostukraine kämpfen würden. «Darauf müssen wir reagieren», sagte der Präsident.

Die Kämpfe nahmen unterdessen erneut an Härte zu. Ein ukrainisches Militärflugzeug ist nach Angaben der Regierung am Montag in der Ostukraine abgeschossen worden. Die Transportmaschine vom Typ AN-26 ist südöstlich von Lugansk von einer Rakete getroffen worden, die wahrscheinlich von russischem Territorium aus abgeschossen worden sei, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew mit.

Die Rakete sei wahrscheinlich von russischem Gebiet aus abgefeuert worden, sagte Verteidigungsminister Waleri Heletej. Zuvor hatte Präsident Petro Poroschenko Russland vorgeworfen, sich mit Offizieren direkt an den Gefechten im Osten seines Landes zu beteiligen.Ausserdem sei in den vergangenen Tagen ein neues russisches Raketensystem gegen die ukrainische Armee eingesetzt worden,erklärte er auf seiner Internetseite.Die pro-russischen Separatisten verloren bei Luftangriffen der ukrainischen Streitkräfte nach eigener Darstellung 30 Kämpfer in den eigenen Reihen. Dies, bei einem Beschuss des Ortes Aleksandrowka.

Donezk ist umstellt

Der Bürgermeister der Millionenstadt Donezk floh unterdessen nach Kiew. Er sei bedroht worden, sagte der Politiker. Die Armee hat Donezk umstellt, Bewohner und Separatisten fürchten eine Erstürmung und Bombardierung.Bei Gefechten kamen erneut Zivilisten ums Leben. In Lugansk seien drei Bewohner an Schusswunden gestorben, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Etwa 14 weitere Bürger wurden verletzt.

Flugzeug abgeschossen

Kurz vor dem EU-Gipfel eskaliert in der Ostukraine erneut der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Ein ukrainisches Militärflugzeug wurde abgeschossen. Der Abschuss sei von russischem Boden aus geschehen, teilte der ukrainische Präsident mit. Zuvor hatte er Russland vorgeworfen, sich mit Offizieren direkt an den Gefechten zu beteiligen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schwere Menschenrechtsverletzungen in der Ostukraine

    Aus Tagesschau vom 11.7.2014

    Weiterhin ungelöst ist auch der Konflikt im Osten der Ukraine. Die ukrainische Armee hat zwar einige Gebiete zurückerobert, den Kampf um die Vorherrschaft im Osten hat die Armee damit aber noch nicht gewonnen. Der Konflikt fordert auch Opfer unter der Zivilbevölkerung. Das zeigt ein Bericht von Amnesty International. Dokumentiert sind da gravierende Menschenrechtsverletzungen.

  • Der ukrainische Präsident Poroschenko begrüsst Soldaten, die in der Ostukraine im Einsatz sind.

    «Normaler» Alltag im Krieg in der Ostukraine

    Aus Echo der Zeit vom 9.7.2014

    Nachdem die ukrainischen Regierungstruppen die Rebellenhochburgen Slawjansk und Kramatorsk zurückerobert haben, haben sie die Strassen nach Donezk abgesperrt. Gespräch mit Kurt Schuller von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; er war in den vergangenen Tagen in der Ostukraine unterwegs.

    Ursula Hürzeler