Saudi-Arabien und Iran: Wie zwei Erzfeinde den Nahen Osten prägen

Saudi-Arabien führt einen Luftkrieg gegen jemenitische Rebellen – und will damit Iran treffen. Die Rivalität zwischen den beiden Erzfeinden vom Golf prägt die Krisenherde in der ganzen Region.

Porträt eines Mannes.

Bildlegende: Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah erklärt dem libanesischen Volk im Fernsehen die Krise und hetzt gegen Saudi-Arabien. Keystone

Hassan Nasrallah hebt an zur Brandrede gegen Saudi-Arabien. Alle paar Wochen richtet sich der Anführer der mächtigen Schiitenmiliz von einem geheimen Ort an die libanesische Nation mit Erklärungen zur Krise.

Seine Reden sind Inspiration für seine Anhänger und wiederkehrende Provokation für seine Kritiker. Von beiden gibt es in multikonfessionellen Libanon wohl ähnlich viele.

Die Hisbollah wurde im libanesischen Bürgerkrieg von Iran gegründet, der regionalen Schutzmacht der Schiiten. Die Miliz ist besser bewaffnet als die libanesische Armee. Sie steht auf westlichen Terrorlisten, wegen ihrer Feindschaft zu Israel.

Doch die schiitische Minderheit ist dank ihren Waffen und ihrem politischen Geschick innerhalb einer Generation von der Peripherie ins Zentrum des Staats aufgestiegen. Das provoziert Gegenreaktionen. Manche sunnitische Politiker und Vorbeter machen Stimmung gegen die Schiitenmiliz und den iranischen Einfluss.

Saudi-Arabien als Schutzmacht

Sie schauen dabei hilfesuchend nach Saudi-Arabien. Die reiche Ölmonarchie am Golf, in der die heiligsten Stätten des Islams liegen, sieht sich als Schutzmacht der Sunniten.

Nur wenn sich Saudi-Arabien und Iran zusammenraufen, kann Libanon funktionieren, heisst es. Seit fast einem Jahr hat das kleine Mittelmeerland keinen Präsidenten und kein funktionierendes Parlament mehr.

Zweihundert Kilometer nördlich von Libanon lässt sich ein sunnitischer Rebellenführer filmen vor der Provinzverwaltung von Idlib, Syrien. Der Krieg in Syrien begann vor vier Jahren als ein Aufstand in wirtschaftlich benachteiligten Landgebieten. Es gab die Hoffnung auf demokratische Reformen, auf Machtteilung in Damaskus. Doch bald wurde daraus ein Stellvertreterkrieg der Regionalmächte. Auch hier war er immer stärker konfessionell unterlegt.

Idlib ist nach Raqqa die zweite Provinzhauptstadt an der syrischen Peripherie, die an sunnitische Rebellen fällt – im Fall Idlibs die Al-Kaida. Das Geld, das den Rebellen zufliesst, kommt nicht nur, aber auch vom Golf.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah beschuldigt direkt das saudische Königshaus. Der saudische Geheimdienst habe Al-Kaida gross gemacht, und Saudi-Arabien stehe auch hinter der noch extremeren Abspaltung, der Shariamiliz Islamischer Staat.

Ziel: Regime Assads stürzen

Das saudische Königshaus hingegen betont, es setze auf gemässigte Rebellen. Unklar aber ist, was der ultrakonservative wahabitische Golfstaat unter gemässigt genau versteht. Und erklärtes Ziel Saudi-Arabiens bleibt, in Syrien das Regime Assad zu stürzen. Auch Hassan Nasrallahs libanesische Schiitenmiliz Hizbollah schickt Kämpfer über die Grenze, um das syrische Regime Assad zu stützen. Ohne die iranische Hilfe könnte sich Assad kaum mehr halten.

Es gehe darum, die gesamte Region vor den sunnitischen Shariafanatikern zu schützen, argumentiert Nasrallah. Saudi-Arabien aber wirft Iran Expansionspolitik vor, die persische Regionalmacht dringe immer tiefer in die arabische Interessensphäre vor und benutze dazu verbündete Milizen und Regime, von Jemen bis Irak.

Iran hat an Einfluss gewonnen

Immer offener zeigen sich hohe iranische Generäle auch selbst an den Schauplätzen dieses Regionalkonflikts, nicht nur in Syrien. Anders als in Syrien kann sich Iran in Irak auf eine schiitische Bevölkerungsmehrheit stützen. Seit der amerikanischen Invasion und dem Sturz des Staatschefs Saddam Hussein hat Iran im Nachbarland stark an Einfluss gewonnen. Sehr zum Verdruss von Saudi-Arabien, das sich auch in Irak als Fürsprecher der sunnitischen Bevölkerung sieht.

Auch hier haben längst sunnitische Extremisten den gemässigten Kräften die Initiative entrissen. In Tikrit und vielerorts im sunnitischen Teil Iraks hält sich Terrormiliz IS. Während auf der Gegenseite die schlagkräftigsten Verbände die Milizen sind, die von Iran gesteuert werden.

Manche, wie Asaib Ahl al Haq, sind berüchtigt noch aus den Zeiten des irakischen Bürgerkriegs, werden schwerer Verbrechen beschuldigt. Als Speerspitzen im Kampf gegen die Terrormiliz IS im sunnitschen Gebiet sind diese schiitischen Milizen zunehmend eine Hypothek. So sehr, dass die Amerikaner sie inzwischen zur Zurückhaltung drängen.