Saudis fliegen neue Angriffe gegen Basen im Jemen

Ein breites Bündnis sunnitischer Staaten hat militärisch in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen. In der Nacht wurde der Bombenkrieg fortgesetzt. Mit den Angriffen soll der Vormarsch der Huthi-Miliz gestoppt werden. Im Fadenkreuz der Miliz ist eine strategische Meerenge im Südjemen.

  • Zweiter Tag in Folge fliegt Saudi-Arabien Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen
  • Keine verlässlichen Angaben über zivile Opfer
  • Indien holt Gastarbeiter nach Hause
  • Die USA unterstützen Militärintervention
  • Iran und Russland fordern Stopp der Angriffe

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat ihre Angriffe im Jemen fortgesetzt. Augenzeugen berichteten von Angriffen auf die Militärbasis Al-Samaa und den Stützpunkt Al-Istiklal in der Hauptstadt Sanaa.

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Saudi-Arabien setzt Angriffe im Jemen fort

0:31 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.3.2015

Ein Sprecher des saudischen Militärs in Riad sagte, die Luftangriffe verliefen erfolgreich. Aus Jemen kommen wie am Vortag Berichte von zivilen Opfern. Über deren Zahl gibt es aber keine verlässlichen Angaben. Das Gesundheitsministerium berichtete über mehrere Todesopfer bei Angriffen auf einen Militärstützpunkt im Norden Sanaas. Beim Beschuss zweier Bezirke der Heimatprovinz der Rebellen wurde unter anderem ein Markt in Kataf al Boka in der Provinz Saada getroffen. Laut Angehörigen seien 15 Menschen getötet oder verletzt worden.

Die Bevölkerung der Hauptstadt Sanaa ist offenber gespalten. Während Gegner der Huthis die Luftangriffe begrüssen, haben andere begonnen, die Stadt zu verlassen. An den Tankstellen sollen sich lange Schlangen gebildet haben.

Indien schickte unterdessen Schiffe, um tausende im Jemen festsitzende indische Gastarbeiter in Sicherheit zu bringen. Nach Behördenangaben arbeiten derzeit rund 3500 Inder in dem arabischen Land, darunter viele Krankenschwestern.

Iran und Russland fordern Ende der Kämpfe

Der Bombenkrieg wird von den USA aktiv unterstützt. Washington bestätigte inzwischen logistische Hilfe und die Lieferung von Geheimdienst-Informationen. Die USA und Saudi-Arabien bauten eine gemeinsame Planungsstelle zur Koordinierung der Hilfe auf, teilte das US-Aussenministerium mit. An Kämpfen seien US-Truppen nicht beteiligt.

Der Iran hat Saudi-Arabien aufgefordert, die «Aggression und Luftangriffe» umgehend zu stoppen. Auch Russland fordert einen sofortigen Stopp der Kämpfe. China zeigte sich tief besorgt und verlangt eine friedliche Lösung der Konflikte.Mehr zum Thema

Mit dem Eingreifen des sunnitischen Bündnisses soll der Vormarsch der schiitischen Huthi-Milizen auf die Hafenstadt Aden gestoppt werden. Die Koalition fürchtet auch, dass die vom Iran unterstützten schiitischen Kämpfer die Kontrolle über die nahe gelegene Meerenge Bab al-Mandab erlangen könnten.

Die rund 30 Kilometer breite Meeresstrasse verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean – und ist von strategischer Bedeutung für den Welthandel. Fast 40 Prozent des internationalen Handels per Schiff werden Schätzungen zufolge über den Bab al-Mandab abgewickelt.

Präsident hofft auf weitere Unterstützung

Saudi-Arabien und mehrere weitere arabische Staaten hatten in der Nacht zum Donnerstag militärisch in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Dort kämpfen die Huthis gegen die Führung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi.

Der von den Huthis bedrängte Staatschef flüchtete in die saudische Hauptstadt Riad. Am Samstag will Hadi beim Gipfeltreffen der Arabischen Liga im ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich um Unterstützung werben.

Kriegsmaterialausfuhr der Schweiz in Länder der Anti-Huthi-Koalition KM1 bis KM10: Dies sind die Kategorien der einzelnen Kriegsmaterial-Exporte, welche das BFS unterscheidet. BFS

Benützte Abkürzungen in der Kriegsmaterialexport-Statistik

KM1
Hand- und Faustfeuerwaffen jeglichen Kalibers
KM2
Waffen jeglichen Kalibers (jedoch ohne Hand- und Faustfeuerwaffen soweit hiervor in KM 1 erfasst)
KM3Munition für die unter KM 1, 2, oder 12 erfassten Waffen
KM4Bomben, Torpedos, Raketen, Flugkörper
KM5Feuerleiteinrichtungen
KM6Panzer- und andere Landfahrzeuge
KM7Tränengase und andere Reizstoffe
KM8Militärische Explosiv-, Brenn- und Treibstoffe
KM9Kriegsschiffe
KM10Bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge inkl. entsprechende Triebwerke

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Jemens Präsident auf der Flucht

    Aus Tagesschau vom 26.3.2015

    Saudi-Arabien fliegt Luftangriffe im Jemen und will so die bedrängte Regierung unterstützen. Gemäss lokalen Medien soll der geflüchtete Präsident Hadi unterdessen im saudischen Riad eingetroffen sein. Im Jemen rückt die schiitische Huthi-Miliz immer weiter vor und steht vor den Toren der Hafenstadt Aden. Dazu die Einschätzungen von Experte Andreas Zumach.

  • Nach dem Bombenangriff der saudiarabischen Armee: Die verzweifelte Suche nach Überlebenden in der Nähe von Sanaa, Jemen.

    Jemen: Der Angriff der Saudis

    Aus Echo der Zeit vom 26.3.2015

    Der Konflikt im Jemen eskaliert. Präsident Hadi hat die Arabische Allianz offiziell um militärische Unterstützung gegen die Huthi-Rebellen ersucht. Nun fliegt die saudi-arabische Armee Angriffe auf Sanaa.

    Weshalb dieses Engagement? Gespräch mit Mareike Transfeld, Nahost-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.

    Ursula Hürzeler

  • Jemen: Huthi-Stellungen bombardiert

    Aus Tagesschau vom 26.3.2015

    Im Jemen spitzt sich die Lage weiter zu. Saudi-Arabien hat in der gestrigen Nacht mit Kampfjets mehrere Stellungen der Huthi-Rebellen im Nachbarland angegriffen. Seit Monaten beherrschen schiitische Huthi-Milizen grosse Teile Jemens. Einschätzungen von Nahost-Experten Michael Lüders in Berlin.

  • Ein Jemenit steht neben seinem komplett zerstörten Haus in Sanaa.

    Saudi-Arabien mischt sich in den Jemen-Konflikt ein

    Aus Rendez-vous vom 26.3.2015

    In Jemen bahnt sich ein grösserer Konflikt an. Saudi-Arabien bombardiert die vorrückenden Huthi-Rebellen. Im Grenzgebiet stehen Panzer und Kanonen. Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) schätzt die Lage ein.

    Ivana Pribakovic

  • Attentat im Jemen

    Aus 10vor10 vom 20.3.2015

    Bei Selbstmordanschlägen im Jemen sind heute über 140 Menschen gestorben, mehr als 350 wurden verletzt. Die Bomben explodierten in zwei Moscheen in der Hauptstadt Sanaa, die aufgrund des Freitagsgebets voll besetzt waren.