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International Sexuelle Übergriffe in Köln – Dutzende Frauen belästigt

Massive Übergriffe auf zahlreiche Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof haben in Deutschland Entsetzen hervorgerufen. 90 Anzeigen gingen bisher ein. Politiker reagieren empört – und warnen davor, Asylsuchende unter Generalverdacht zu stellen.

Legende: Video Übergriffe an Silvester abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.01.2016.

Die Silvesternacht in Köln. Auf dem Bahnhofsvorplatz und rund um den Dom versammeln sich etwa 1000 Männer. Aus der Menge bilden sich Gruppen, die Frauen bedrohen, begrapschen und bestehlen.

Die Täter im Alter von 15 bis 35 Jahren stammen gemäss Zeugenaussagen ihrem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum, wie die Polizei mitteilte. Ob es sich dabei um Asylsuchende handelt, wie nun oft gemutmasst wird, ist damit aber nicht belegt.

90 Anzeigen wurden bislang eingereicht. Die Polizei nimmt an, dass noch weitere hinzukommen. Zum Teil gehe es um sexuelle Übergriffe, zum Teil um Taschendiebstähle. Polizeipräsident Wolfgang Albers spricht von «Straftaten einer neuen Dimension». Festnahmen habe es noch keine gegeben.

Justizminister Heiko Maas fordert Konsequenzen. «Die abscheulichen Übergriffe auf Frauen werden wir nicht hinnehmen», twitterte der SPD-Politiker am Dienstag:

Auch Innenminister Thomas de Maizière verurteilte die Übergriffe als «abscheulich und nicht hinnehmbar».

Allerdings dürfe die offensichtliche Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund an den Taten «nicht dazu führen, dass nun Flüchtlinge gleich welcher Herkunft, die bei uns Schutz vor Verfolgung suchen, unter einen Generalverdacht gestellt werden».

Warnung vor Generalverdacht

Besorgt zeigte sich auch die neue Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Die Vorfälle seien ungeheuerlich, sagte sie dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kämen, Angst haben müssten, überfallen zu werden.

Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht.
Autor: Henriette RekerKölner Oberbürgermeisterin

Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft sind die Kölner Vorfälle kein Einzelfall. Auch aus Stuttgart und Hamburg seien derartige Phänomene bekannt, sagte der Gewerkschaftschef Rainer Wendt dem NDR.

Seiner Einschätzung nach handelt es sich nicht um organisierte Kriminalität, sondern um «eine Absprache der Täter, die die Masse der Menschen nutzen, die Dunkelheit und den Überraschungseffekt, um nach vollzogener Tat wieder unerkannt zu entkommen». Er warnte, durch diese Vorfälle könne sich die Stimmung in der Gesellschaft gegen Flüchtlinge verschärfen.

Merkel: «Harte Antwort»

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einem Telefonat mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker «ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken ausgedrückt». Dies teilte ein Regierungssprecher in Berlin mit. Die Übergriffe verlangten nach einer harten Antwort des Rechtsstaats, sagte Merkel demnach weiter.

126 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Die Internetforen entwickeln sich zu einem gefährlichen Cocktail fremdenfeindlicher Hetze derjenigen, welche sich aufgestachelt durch Gleichgesinnte darin bestätigt fühlen, ihre rechtsnationalistischen,bis hin zu rassistischen Wahrnehmungen seien rechtens.So begann alles vor dem 2. Weltkrieg mit der Hetze gegen Juden.Ich stelle fest,dass die Menschen nichts gelernt haben & wir alle aufgerufen sind, hier beherzt Gegensteuer zu geben!Der rechtsradikale Mob darf unsere Gesellschaft nicht zerstören!
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  • Kommentar von Erwin Jenni (ej)
    ...immer mehr Flüchtlinge kommen auch aus Nordafrika. Ja, das spricht sich im Handyzeitalter schnell herum, dass D eine "Willkommenskultur" pflegt und schon viele junge Männer dort gut angekommen sind. Die deutschen Medien waren sich nicht zu schade, das eigene Volk auf die Akzeptanz zur Aufnahme von hunderttausenden von Flüchtlingen zu drimmen. Man hatte ja schliesslich noch etwas aufzuholen in Europa! Auch nach diesem Vorfall wird sich in der Debatte nichts ändern. Zu viel steht auf dem Spiel.
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Wirtschaftskanzlei)
    Eins sollte man hier dabei nicht übersehen... es gibt genug tägliche Sexuelle Übergriffe, gerade zur Faschingszeit wo "Frauen als Freiwild" betrachtet werden usw. die nicht ausschliesslich bzw. mehrheitlich von Migranten usw. getätigt werden. Auch hier ist bedingungslose Information der Medien gefordert.
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    1. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Steht ja auch nicht jeder Fall in der Zeitung. Und mögen ja auch nicht alle Betroffenen ungefragt z.B. im "Blick" auftauchen. Ganz abgesehen davon, dass es auch Situationen geben kann, wo die Polizei extra wenig öffentlich macht, damit die Täter nicht in der Zeitung nachlesen können, wie viel die Behörden wissen.
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    2. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Warum lenken Sie von den über 100 Opfern ab.Wie wollen sie es als nächstes rechtfertigen wenn dann noch als Zugabe geplündert wird weil ein Polizist ein Opfer schützt.
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