So ungleich sind die Flüchtlingslasten bisher verteilt

Einen Monat geben sich die EU-Staats- und Regierungschefs Zeit, einen Verteilschlüssel für Flüchtlinge auf freiwilliger Basis zu finden. Dass dies dringend nötig ist, zeigt ein Blick auf die Asylzahlen 2014. Diese zeigen, wie ungleich die Lasten innerhalb Europas bisher verteilt waren.

662'205 Asylanträge wurden vergangenes Jahr laut Eurostat in Europa gestellt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 42 Prozent.

Mit Abstand am meisten Anträge wurden im wirtschaftlich attraktiven Deutschland registriert. Auch skandinavische Länder wie Schweden mit seiner beachtlichen syrischen Diaspora verzeichneten drastische Zunahmen. In Ungarn und Österreich führte 2014 noch der Exodus aus dem Kosovo zu einem dramatischen Anstieg der Asylzahlen.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl registrierte 2014 Schweden mit seinen knapp 10 Millionen Einwohnern mit Abstand am meisten Asylanträge. Auch die Schweiz zählte verhältnismässig überdurchschnittlich viele Gesuche. Italien dagegen war mit der schnellen Zunahme der Gesuche aufgrund des Ansturms über das Mittelmeer zwar bereits 2014 überfordert; relativ gesehen lag das Land mit seinen 60 Millionen Einwohnern jedoch im Mittelfeld.

Wie solidarisch waren die Länder Europas 2014 tatsächlich? Die Zahlen des Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) zu den tatsächlich aufgenommenen Flüchtlingen zeigen: Gemessen an der Bevölkerung hat Malta mit seinen nicht einmal 500'000 Einwohnern am meisten Flüchtlinge tatsächlich auch aufgenommen.

Auch die Schweizer Solidarität ist gemessen am Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und aufgenommenen Flüchtlingen überdurchschnittlich. Noch weiter vorne ist die Schweiz, wenn man die Zahl der Aufnahmen auf die Fläche des jeweiligen Landes bezieht.

Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt BIP nehmen Frankreich, Deutschland sowie Serbien und Kosovo die meisten Schutzbedürftigen auf.

Wie ein tatsächlich fairer Schlüssel zur Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Staaten aussehen könnte, zeigt der bereits gescheiterte Vorschlag der EU-Kommission. Dieser sah vor, Faktoren wie Bevölkerungszahl, Wirtschaftsleistung, bereits aufgenommene Flüchtlinge und Arbeitslosenquoten zu berücksichtigen.

Können sich die EU-Staaten in den kommenden Wochen doch noch auf eine gemeinsame Strategie einigen, würde sich die Schweiz gegebenenfalls freiwillig beteiligen.