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International Starker Stoff: Die Öko-Enzyklika von Papst Franziskus

Klimawandel und Umweltverschmutzung verstärken die Armut und treiben Menschen in die Flucht. Papst Franziskus spricht in seiner neuen Enzyklika Klartext. Er gibt damit die Beisshemmung der katholischen Kirche in Sachen Naturwissenschaft auf.

Papst Franziskus.
Legende: Ohne Beisshemmung: Papst Franziskus. Keystone

Zum ersten Mal wagt sich ein Papst an die heissen Eisen Klimawandel und Umweltzerstörung. Die neue Enzyklika von Papst Franziskus ist für einmal keine unverdächtige Belehrung in Glaubensfragen, sondern ein Dokument mit handfesten weltlichen Thesen und Forderungen. Franziskus sieht im Klimawandel «eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit». Er geht in seinem Rundschreiben davon aus, dass der Klimawandel weitgehend menschengemacht ist. Er liegt damit auf der Linie des UNO-Klimarates IPCC.

Der Papst sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Klimawandel und weltweiter Armut: «Die Erwärmung, die durch den enormen Konsum einiger reicher Länder verursacht wird, hat Auswirkungen in den ärms­ten Zonen der Erde, besonders in Afrika». Er kritisiert den Ressourcenverbrauch der Reichsten. Sie praktizierten eine «Wegwerfkultur» auf dem Buckel der Ärmsten in den Entwicklungsländern.

Der Papst ergreift Partei für die Ärmsten

«Diese Wirtschaft tötet». Diese heftig umstrittene Aussage macht Papst Franziskus in einem früheren Apostolischen Schreiben. Sie bezieht sich auf eine Wirtschaft, wo der Mächtigere den Schwächeren zunichte macht und Menschen zu «Müll» und «Abfall» degradiert werden. Die neue Enzyklika liegt auf derselben Linie. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist zwar kein Befreiungstheologe, er ist aber mit der Situation der Armen aus seiner Heimat vertraut.

Die Enzyklika trägt den Titel «Laudato si‘» («Gelobt seist Du») und bezieht sich auf den Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, Namenspatron von Papst Franziskus. Darin preist der charismatische Heilige aus Assisi die Natur als Schöpfung Gottes. Davon inspiriert skizziert der Papst in seiner Enzyklika eine jüdisch-christliche Schöpfungslehre aus biblischer Sicht. Er ruft die Menschheit zu einer Kurskorrektur, zu einer «generationenübergreifenden Gerechtigkeit» und zu einer «ökologischen Spiritualität» auf.

Umstrittene Öko-Belehrungen

Traditionell hat die katholische Kirche seit dem Desaster um die Verurteilung von Galileo Galilei im 17. Jahrhundert bei naturwissenschaftlichen Themen eine Beisshemmung. Diese Berührungsängste legt Papst Franziskus nun ab. Galileo Galilei ist ja schliesslich 1992 von der katholischen Kirche offiziell rehabilitiert worden.

Mit seinen Öko-Belehrungen zieht der Papst den Ärger konservativer Katholiken insbesondere in den USA auf sich. Sie beschieden dem Kirchenführer, er solle die Wissenschaft den Wissenschaftlern überlassen. Auch handfeste wirtschaftliche Interessen stehen auf dem Spiel; so sollen selbst Lobbyisten des Energiekonzerns Exxon im Vatikan gesichtet worden sein. Papst-Kritiker monieren zudem, er mache um die inner-katholischen Tabuthemen Überbevölkerung und Geburtenregelung einen grossen Bogen. Der Papst kontert in seiner Enzyklika: »Die Schuld dem Bevölkerungszuwachs und nicht dem extremen und selektiven Konsumverhalten einiger anzulasten, ist eine Art, sich den Problemen nicht zu stellen«.

Enzykliken sind Lehrschreiben und Papier ist geduldig. Der Papst spricht nicht «ex cathedra», er beansprucht keine Unfehlbarkeit. Er will eine Debatte anstossen, «über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten». Papst Franziskus ist ein Hansdampf in vielen Gassen: Solidarität mit Flüchtlingen, Einheit der Christen, Stärkung der christlichen Familie oder Duschen und Schlafsäcke für Obdachlosen in Rom. Der Papst sendet viele Signale aus. Wie nachhaltig sein Aktionismus ist, wird sich weisen.

SRF 4 News 12.30 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Haldemann, 6010 Kriens
    Vatikan... nicht der Fokus! Habe aber ein offenes Ohr für Menschen, die stets das Ganze, in diesem Falle buchstäblich die Schöpfung im Auge behalten. So vernehme ich die klaren mutigen Worte eines im Herzen tief betoffenen und verletzten Menschen (F.). Wie können Menschen die Schöpfung anders als eine Herzensangelegenheit betrachten, wo sie uns doch so reichlich beschenkt! Ist das nicht das eigentliche zugrundeliegende Problem, sodass wir den Ausdruck grösster Liebe nicht zu erkennen vermögen?
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Die Hungersnot in Afrika besteht nicht erst seit dem Klimawandel. Schon so lange ich zurück denken kann, sammelt man für hungernde Menschen in Afrika. Klar, verursachen die Menschen in den Industriestaaten diesen Klimawandel & sind schuld an der Erderwärmung & die damit immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen weltweit. Aber auch "arme" Länder, welche auf Tourismus setzen, tragen das ihre dazu bei, indem sie Natur zerstören, welche fürs Land aber wichtig wäre.
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    1. Antwort von Reto Munteler, Zürich
      "Die Hungersnot in Afrika besteht nicht erst seit dem Klimawandel." - Naja, der vom Menschen unterstützte Klimawandel ist seit rund 150 Jahren im Gange, seit der Industrialisierung. Dass man davor schon für hungernde Menschen in Afrika gesammelt hat, würde ich mal ganz vage bezweifeln.
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  • Kommentar von Jürg Sand, Zürich
    Heikles Terrain! Da haut man schnell daneben und verwickelt sich in unangenehme Widersprüche. Aber dem Zeitgeist kommt er natürlich entgegen, auch wenn er sich damit entzaubert und seinem Nachfolger das Papstsein schwer macht. Jetzt muss er sich nur noch zum Kondom, der Schwulen- und Lesbenehe, dem Frauenpriestertum und sonst noch ein paar Kleinigkeiten bekennen und wir haben wieder einen Superstar!
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