Trayvon Martin: US-Bürgerrechtler planen Grossdemonstration

Wenige Tage ist es her – beruhigt haben sich die Gemüter noch nicht. In den USA rufen afroamerikanische Bürgerrechtler zu einer landesweiten Protestwelle auf. Damit wollen sie einen neuen Prozess für den Todesschützen des schwarzen Teenager Trayvon Martin erreichen.

Proteststierende Afroamerikaner

Bildlegende: Fall Trayvon Martin: Der Freispruch sorgt in den USA für Empörung. Keystone

Am Anfang steht der Freispruch von George Zimmerman. Er hat den Teenager Trayvon Martin erschossen. Nun soll eine Protestwelle wachrütteln. Die afroamerikanischen Bürgerrechtsaktivisten wollen damit einen neuen Prozess für den Todesschützen des schwarzen Teenager Trayvon Martin erreichen. «Das ist eine soziale Bewegung für Gerechtigkeit», sagte Al Sharpton. Er ist Geistlicher und eine der Führungsfiguren der Afroamerikaner in den USA.

Vor dem Gebäude des Justizministeriums in Washington erneuerte Sharpton den Aufruf zu Demonstrationen in mehr als einhundert Städten am Samstag. Dieser «nationale Tag der Gerechtigkeit für Trayvon» werde zeigen: Die Empörung über das Urteil werde nicht so einfach verfliegen, sagte er umringt von afroamerikanischen Geistlichen.

Auf den Spuren von Martin Luther King

Sharpton kündigte auch eine symbolträchtige Grossdemonstration in Washington für Ende August an. Das Datum liegt nur wenige Tage vor dem 50. Jahrestag des historischen Protestmarschs unter Führung des afroamerikanischen Bürgerrechtshelden Martin Luther King auf die US-Hauptstadt.

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Empörungswelle nach Freispruch

1:29 min, aus 10vor10 vom 15.7.2013

Bei der Kundgebung am 28. August 1963 hatte King in seiner berühmten «I Have a Dream»-Rede («Ich habe einen Traum») ein Ende des Rassismus in den USA gefordert.

Zimmerman hatte den 17-jährigen Martin am Abend des 26. Februar 2012 in Sanford nahe Orlando erschossen. Der unbewaffnete Teenager befand sich auf dem Heimweg von einem kleinen Einkauf. Der Nachbarschaftswächter hielt ihn aber für einen Einbrecher.

Zimmerman beteuerte, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Ein Geschworenengericht glaubte dem 29-Jährigen. Es sprach ihn am Samstag frei.

Notwehrgesetze in der Kritik

Sharpton machte sich für eine Abschaffung des «Stand your Ground»-Gesetzes («Weiche nicht zurück») stark. Dieses räumt Bürgern in Florida ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung ein.

Ähnliche Gesetze existieren in etwa 30 weiteren Bundesstaaten. Derartige Regelungen seien «eine neue Bedrohung für Bürger- und Menschenrechte», sagte Sharpton.

Auch US-Chefankläger Eric Holder nimmt Floridas weitreichendes Notwehrgesetz ins Visier. In einer Rede vor der US-Bürgerrechtsorganisation NAACP äusserte er «Besorgnis» über den Fall. Er vermied es jedoch jede Festlegung auf eine neue Anklage gegen Zimmerman. Unabhängig davon sei es an der Zeit, Gesetze infrage zu stellen, «die sinnlos das Konzept der Selbstverteidigung ausweiten und damit den Boden für gefährliche Konflikte in unseren Gemeinden bereiten», sagte Holder in Orlando.

Das Urteil aus Florida ist endgültig, da die Staatsanwaltschaft im US-Strafrecht gegen einen Freispruch durch Geschworene keine Rechtsmittel einlegen kann. Daher hoffen die Kritiker der Entscheidung nun darauf, dass Zimmerman vor einem Bundesgericht ein neuer Prozess gemacht wird. Experten sind aber skeptisch, dass dem Nachbarschaftswächter eine Straftat nach Bundesrecht wie eine Verletzung von Bürgerrechten oder ein Hassverbrechen nachzuweisen ist.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Rassenfragen sind aus dem öffentlichen Diskurs verbannt worden», sagt Devon Carbado, Rechtsprofessor an der University of California in Los Angeles. Bild: Proteste gegen das Urteil für George Zimmerman.

    USA: War der Freispruch von George Zimmerman rassistisch?

    Aus Echo der Zeit vom 17.7.2013

    Vor ein paar Tagen wurde George Zimmerman, der in Florida einen unbewaffneten, jugendlichen Schwarzen erschossen hatte, freigesprochen. Die Kundgebungen in den USA reissen seither nicht ab: Viele Protestierende halten das Urteil für rassistisch motiviert.

    Afroamerikanische Rechtsexperten differenzieren.

    Priscilla Imboden