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Nato-Gipfel in Brüssel Trumps Haltung zur Nato ist eine Wundertüte

  • Donald Trump nimmt erstmals an einem Nato-Gipfeltreffen teil.
  • Der US-Präsident hatte die Nato als «überflüssig» bezeichnet, später aber eine Kehrtwende gemacht.
  • Für die europäischen Bündnispartner stellt sich darum die Frage: Was gilt nun?

Wenn Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit einer Auftaktpressekonferenz den Nato-Gipfel in Brüssel eröffnet, wird er die Einigkeit und Geschlossenheit der Militärallianz beschwören. Soviel ist jetzt schon sicher. Die Maxime lautet: Bloss keine Schwäche zeigen – angesichts von entschlossenen Widersachern des Westens wie Russland oder China.

Grosser Rückhalt der Nato in Europa

Stoltenberg erhält zudem willkommene Rückenstärkung durch eine repräsentative Umfrage des Pew-Forschungszentrums: Demnach geniesst die Nato grossen Rückhalt in praktisch allen Mitgliedsländern, am meisten in Polen und Holland. Das Vertrauen in die Nato ist seit 2013 sogar noch deutlich gewachsen.

Die USA brauchen Partner; nur so gibt es mehr Sicherheit – auch für die Amerikaner selber.
Autor: Herbert Raymond McMasterSicherheitsberater von Donald Trump

Dennoch gibt es keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Das Hin und Her von US-Präsident Trump ist ein Problem für die Nato. Zwar nahm er seine Wahlkampfaussage, derzufolge das Bündnis «überflüssig» sei, zurück. Bloss: Gilt das auch noch nach dem nächsten Tweet?

Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster versucht vor dem Gipfel in Brüssel Ruhe zu verbreiten: «Die USA brauchen Partner; nur so gibt es mehr Sicherheit – auch für die Amerikaner selber.» Ebenso um Zuversicht bemüht ist die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: «Die Nato als transatlantisches Bündnis wird ihren Aufgaben gerecht.»

Trump möchte die Nato gegen den IS einsetzen

Dennoch drohen dunkle Wolken über dem Brüsseler Treffen. Trumps Forderung, die Nato solle als Ganzes in den Kampf gegen die Terroristen des IS in Syrien eingreifen, lehnen Deutschland oder Frankreich entschieden ab. Und während die Amerikaner erwägen, ihr Kontingent in Afghanistan wieder aufzustocken, haben die wenigsten europäischen Partner Lust, dabei nachzuziehen.

Auch die Trumpsche Forderung nach höheren Rüstungsausgaben der europäischen Nato-Mitglieder stösst auf Widerstand, in Berlin und anderswo. Während umgekehrt die Europäer Trumps Lavieren gegenüber Russland misstrauisch beobachten.

Das Gipfeltreffen ist nur kurz, aber für Zwist ist gesorgt. Fragt sich, ob es dennoch gelingt, nach aussen einigermassen Einigkeit zu demonstrieren.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Die NATO zur gemeinsamen Verteidigung der europaeischen Bibeltheokratien: hui. Die NATO als Einmengelungsinstrument - gar auch ohne Plazet der UNO - in fremde Haendel und Reizung Russlands vor seiner Haustuere: pfui. Alle NATO-Staaten und die nur noch angeblich Neutralen sollten ihr Verteidigungsbuedget auf mindestens 2 Prozent des BSP aufstocken, anstatt nur die Amis allein weit mehr Prozente blechen zu lassen. Aber weitere Pudeldienste bei Amiangriffskriegen in Asien oder Afrika: Nie mehr....
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  • Kommentar von Michael Näf (mikenhot69)
    Das habe ich alles schon geahnt und gewusst das Trump nicht zum President taugt und das er eine durchtriebene mogel Packung ist ich habe ihm nie geglaubt oder getraut
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Dass die NATO Staaten pro Jahr 900 Milliarden $ für Rüstung ausgibt ist bedenklich. Die Ausgaben sollen noch steigen. Wir sprechen da wohl kaum von Friedensabsichten. Zum Vergleich Russland und China geben zusammen weniger als 300 Milliarden $ für Rüstung aus. Eine Aufrüstungsdiskussion kann nicht im Interesse der Europäer sein sondern nur im Interesse der Rüstungslobby und diese scheint auch von der Europ. Rüstungslobbyisten geleitet zu werden. In welchem Land führt die Nato keinen Krieg?
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