UNO-Klimagipfel: Wie verbindlich muss das Abkommen sein?

Die Klimaverhandlungen in Paris sind angelaufen. Bis zum 11. Dezember wollen die 195 Länder einen Weltklimavertrag aushandeln. Frankreich und Deutschland fordern ein verbindliches Abkommen. Die USA und China gehen nicht darauf ein.

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Start von Klimagipfel in Paris

4:28 min, aus Tagesschau vom 30.11.2015

Begleitet von strengen Sicherheitsvorkehrungen haben der französische Präsident François Hollande und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon den Klimagipfel in Le Bourget bei Paris eröffnet. Für die Schweiz ist Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga nach Paris gereist.

«  Es geht darum, hier in Paris über die Zukunft des Planeten zu entscheiden. »

François Hollande
Französischer Präsident

In seiner Eröffnungsrede forderte Hollande den Abschluss eines «universellen, zwingenden und differenzierten» Klimavertrags am Pariser Klimagipfel. Ban Ki Moon seinerseits erinnerte daran, dass die Welt nun viel schneller handeln müsse, um die globale Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken.

Gegen einen juristischen zwingenden Vertrag sind indessen die USA, die zusammen mit China zu den grössten Umweltsündern zählen. US-Präsident Barack Obama sagte an der Konferenz, sein Land würde die Verantwortung als zweitgrösster CO2-Emittent anerkennen. Er fügte gleichzeitig hinzu, dass die Massnahmen dem Wirtschaftswachstum nicht schaden dürften.

Trotzdem warnte der US-Präsident vor nationalem Egoismus und kurzfristigem Denken beim Klimaschutz: «Unsere Generation wird wohlmöglich die komplette Umsetzung dessen, was wir hier tun, nicht erleben.»

Deutschland für ein verbindliches Abkommen

Neben Frankreich hat auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einen verbindlichen Klimaschutzvertrag gefordert. Die von den UNO-Mitgliedern gemachten Zusagen kritisierte sie als noch nicht ausreichend.

«Deutschland wünscht sich (eine Überprüfung) alle fünf Jahre, beginnend vor 2020», sagte Merkel. Aber es sei auch wichtig, dass die UNO-Staaten, die bereits
Klimaschutzziele für sich festgelegt hätten, zu ihren Zusagen stünden. Keiner dieser Beiträge dürfe im Laufe der Zeit abschwächt werden – sie müssten im Gegenteil verstärkt werden, so Merkel.

China betont wirtschaftliche Unterschiede

Der chinesische Präsident Xi Jinping unterstrich in seiner Rede, die Bedeutung der wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Staaten. Den verschiedenen Ländern soll es erlaubt sein, eigene Lösungen zur globalen Erwärmung zu entwickeln.

Am ersten Tag der Konferenz formulieren die Staats- und Regierungschefs der 195 Länder in zwei verschiedenen Sälen jeweils für drei Minuten ihre Klimaziele. Am Rande der Konferenz wollen viele Länder auch eigene Initiativen zum Klimaschutz vorstellen.

Es geht um viel Geld

Bis zum 11. Dezember versuchen Vertreter aus 195 Staaten einen Weltklimavertrag auszuhandeln. Der Ausstoss klimaschädlicher Treibhausgase soll verringert und die Erderwärmung eingedämmt werden. Für Entwicklungsländer, die unter den Folgen des Klimawandels leiden, ist finanzielle Unterstützung vorgesehen.

Dabei geht es um gewaltige Summen. Schon vor Jahren wurden 100 Milliarden US-Dollar für die Entwicklungsländer gefordert. Und zwar jährlich bis 2020. Diese Summen sind aber immer noch nicht gesichert. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi fordert für die Zeit nach 2020 sogar 200 Milliarden US-Dollar jährlich.

Einen ersten Erfolg feiert die Konferenz mit der Anwesenheit der Staatschefs der USA und Chinas. Bei der letzten Klimakonferenz im südafrikanischen Durban fehlten sie. Sollte ein Vertrag zustande kommen, so SRF-Korrespondent Jürg Brunner, werde es einer sein mit dem Titel «besser als gar nichts», so Brunner.

Papst: «Jetzt oder nie»

Die Klimakonferenz findet auch das Interesse von Papst Franziskus. Er forderte mit Nachdruck eine Einigung auf verbindliche Ziele bei der Konferenz: «Jetzt oder nie». Die Lage spitze sich von Jahr zu Jahr weiter zu, sagte er.

Bisherige Pläne unzureichend

Bisher haben nach UNO-Angaben 183 Staaten ihre jeweiligen Klimaziele vorgelegt. Die UNO-Klimachefin Christiana Figueres warnte zu Beginn der Konferenz jedoch, dass diese Pläne nicht ausreichten, um das Zwei-Grad-Ziel zu erzielen.

Laut SRF-Korrespondent Brunner würden die aktuellen weltweiten Klimaziele zusammengerechnet zu einer Erwärmung von 2,7 bis 3 Grad Celsius führen – deutlich mehr als das anvisierte Ziel.

Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler über den Klimagipfel

«Es steht sehr viel auf dem Spiel. Der letzte Versuch, einen globalen Klimavertrag zu
schmieden ist vor sechs Jahren in Kopenhagen gescheitert. Können sich die 190 Staaten in Paris nicht zusammenraufen, wäre das wohl das Ende des UNO-Klimaprozesses in dieser Form. Gleichzeitig erwärmt sich die Erde weiter. Dieses Jahr wird das wärmste seit Beginn der Messungen sein. Einen weiteren Aufschub beim Klimaschutz kann sich die Welt nicht leisten. Ein wichtiges Resultat liegt jedoch bereits jetzt schon vor: Über 180 Staaten haben Angebote gemacht, wie sie das Klima in den nächsten Jahren schützen möchten. Diese Angebote reichen aber noch nicht, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Nun ist wichtig, dass die Staaten einen Weg finden, wie diese Massnahmen zum Klimaschutz in den nächsten Jahren verstärkt werden können. Sie wollen ein Verfahren beschliessen, mit dem die Klimamassnahmen überprüft und verbessert werden sollen. Wie gut das gelingt ist noch offen.»

Die Klimakonferenz in Zahlen

  • Bis zu 45'000 Menschen werden an der Konferenz erwartet
  • An den Verhandlungen sind 195 Länder und die EU beteiligt
  • Insgesamt sind 10'000 Delegierte vor Ort
  • 14'000 Vertreter von fast 2000 NGO dürfen ins Konferenzzentrum
  • Mehr als 3000 Journalisten sind akkreditiert
  • 2800 Polizisten und Gendarme schützen das Konferenzzentrum

Infografik Treibhauseffekt

Der 21. Weltklimagipfel der UNO will Massnahmen gegen die globale Erwärmung beschliessen. Dabei geht es wieder einmal um den Treibhauseffekt. Doch wie entsteht dieser? Die Infografik klärt auf.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Optimismus beim Klimagipfel in Paris

    Aus Tagesschau vom 30.11.2015

    Zum Auftakt der UNO-Klimakonferenz in Paris haben sich mehr als 150 Staats- und Regierungschefs für den Kampf gegen die Erderwärmung stark gemacht. SRF-Sonderkorrespondent Jürg Brunner sieht positive Anzeichen in Richtung einer Einigung.

  • Es hat heute kaum eine Ansprache gegeben, in der nicht die Rede war von Krise und Neuanfang. Den Anfang machte der französische Präsident François Hollande: Die Welt stehe vor dem Abgrund, die Verhandlungen in Paris müssten einen Wandel einleiten.

    Klimaschutz - im Interesse aller

    Aus Echo der Zeit vom 30.11.2015

    Der Uno-Klimagipfel hat begonnen. Auf Einladung des Gastgeberlandes Frankreich sind rund 150 Regierungsoberhäupter nach Paris gereist.

    Sie sollen die Verhandlungen für einen globalen Klimavertrag auf den Weg bringen und dazu beitragen, dass die grossen Meinungsverschiedenheiten überwunden werden können.

    Thomas Häusler

  • Die Schweizer Kirchen reden der Schweizer Delegation an der Klimakonferenz in Paris ins Gewissen.

    Die Kirche pocht auf Klimaschutz

    Aus Echo der Zeit vom 30.11.2015

    Die katholische, die reformierte und die christkatholische Kirche in der Schweiz fordern in einem gemeinsamen Brief, die Schweiz solle sich zu verbindlichen CO2-Reduktionszielen verpflichten. Was bezweckt die Kirche mit dem Brief - und was tut sie selbst gegen den Klimawandel?

    Klaus Ammann

  • Auftakt zum Weltklimagipfel

    Aus Tagesschau vom 30.11.2015

    Zum Auftakt des UNO-Weltklimagipfels in Paris haben die Staatschefs der teilnehmenden Staaten ihre Klimaziele präsentiert. Einschätzungen von SRF-Sonderkorrespondent Jürg Brunner.

  • Sommaruga präsentiert Schweizer Ziele

    Aus Tagesschau vom 30.11.2015

    Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat die Ziele der Schweiz verlesen, die man sich für den Klimagipfel gesteckt hat. Einschätzungen von SRF-Sonderkorrespondent Jürg Brunner.