USA entschädigen Opfer von Kundus

Nach den Luftschlägen gegen das Spital im afghanischen Kundus werden weiter Menschen vermisst. Viele Tote hatte es bei den Angriffen gegeben. Die Familien der Opfer wollen die USA jetzt entschädigen. Auch die Klinik will Washington wieder aufbauen.

Menschen kauern am Boden

Bildlegende: Schock und Trauer bei MSF-Mitarbeitern nach den Luftschlägen auf das Spital. Keystone

Nach der Bombardierung eines Spitals im afghanischen Kundus haben die USA Entschädigungszahlungen an die Familien der Opfer angekündigt.

Gelder für Klinik-Wiederaufbau

Auch für den Wiederaufbau der Klinik der Organisation «Ärzte ohne Grenzen» (MSF) sollen Gelder zur Verfügung gestellt werden. Über die Beträge will das Pentagon mit den Betroffenen sprechen, wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilte.

Bei dem nach US-Angaben versehentlichen Angriff auf das Spital am Samstag vergangener Woche waren mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen, zwölf MSF-Mitarbeiter und zehn Patienten. Das Pentagon halte es für wichtig, sich mit den Konsequenzen des tragischen Vorfalls zu befassen, erklärte Sprecher Peter Cook.

Viele Menschen noch vermisst

Die Mittel für Entschädigungen kommen Cook zufolge aus einem Notfall-Topf des Militärs. Wenn erforderlich, werde sich die US-Regierung beim Kongress eine zusätzliche Genehmigung einholen. US-Präsident Barack Obama hatte sich am Mittwoch persönlich bei «Ärzte ohne Grenzen» und dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani für den Vorfall entschuldigt. Er versprach eine gründliche Untersuchung des Angriffs.

Nach dem Angriff werden noch immer 33 Menschen vermisst. Wie die Ärzte-Organisation kürzlich erklärte, fehlte von neun Patienten und 24 Mitarbeitern noch immer jede Spur. «Wir versuchen weiterhin, sie zu kontaktieren», hiess es. Es sei möglich, dass es in dem zerstörten Gebäude noch Leichen gebe, die noch nicht geborgen seien.


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5:59 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.10.2015

Noch immer «unter Schock»

Der MSF-Vertreter Guilhem Molinie sagte in Kabul, die Organisation stehe noch immer «unter Schock». «Wir haben viele Kollegen verloren», fügte er hinzu. Derzeit könne MSF wegen der gefährlichen Lage vor Ort auch nicht nach Kundus zurückkehren.

Zum Beschuss laufen bereits drei Untersuchungen: eine der US-Armee, eine der afghanischen Behörden und eine der NATO.