Wegen Brexit-Votum: Viele Briten wollen den irischen Pass

Noch immer tun sich viele Briten schwer mit dem Brexit-Entscheid. Viele von ihnen suchen einen Ausweg – zum Beispiel, indem sie sich um eine doppelte Staatsbürgerschaft bewerben. Irlands Konsulate spüren das deutlich: Der Run auf einen Zweit-Pass von der grünen Insel ist riesig.

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Run auf den irischen Pass

1:31 min, aus Tagesschau vom 7.9.2016

Wo eine Tür zugeht – öffnet sich eine neue. So hofft zumindest Johanna Derry. Die Journalistin aus London will nicht aus der Europäischen Union austreten. Deshalb bewirbt sie sich um einen irischen Pass. Ganz legal: Ihr Grossvater stammte einst von der grünen Insel.

«Für mich ist es wichtig, dass ich auch weiterhin in Europa arbeiten und mich in Berlin, Madrid oder Kopenhagen bewerben kann», sagt Derry. Als Britin werde das in Zukunft schwierig. «Als Irin bleibe ich hingegen Europäerin.»

Antragsformulare werden knapp

Wie Johanna machen es seit dem Brexit-Votum offenbar zahleiche Briten. Denn wer einen irischen Eltern- oder Grosseltern-Teil vorweisen kann, ist berechtigt, einen Pass des EU-Mitglieds anzufordern. Derzeit sind das immerhin sechs Millionen Menschen.

Entsprechend gross ist der Andrang: Die Zahl britischer Anträge für einen irischen Pass ist um 70 Prozent gestiegen, teilweise gingen den betreffenden Stellen gar die Antragsformulare aus. Total rechnen die Behörden laut einem Tweet mit einer Million neuer Pässe.

Heirat als weitere Option?

Wer keinen irischen Vorfahren vorweisen kann und trotzdem EU-Bürger bleiben will, hat noch eine andere Möglichkeit: Die Heirat. So haben zwei Engländerinnen kürzlich eine neue Dating-Webseite gegründet, welche sich auf britisch-europäische Paare spezialisiert. Der Brexit fungiert also gar als grenzüberschreitender Liebes-Beschleuniger.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Nach dem Brexit: Europa am Abgrund oder vor dem Aufbruch?

    Aus Kontext vom 5.9.2016

    Der deutsche Demokratiespezialist Benjamin Zeeb und der Cambridge-Historiker Brendan Simms analysieren die gegenwärtige europäische Krise. Dabei betonen sie die Notwendigkeit, die EU zu demokratisieren.

    Europa soll sich angesichts der aktuellen und drängenden Probleme mit den krisengeschüttelten Ländern und Migranten, endlich auf eine gemeinsame Finanz- und Aussenpolitik einigen. Im Gegenzug soll sie den einzelnen Mitgliedstaaten und deren Bürgern mehr Mitbestimmung einräumen.

    Sabine Bitter