Wenn ein «Deutscher» rumänischer Präsident werden will

Am Sonntag wählt Rumänien einen neuen Präsidenten. Das Land wählt zwischen einem Kandidaten der bisherigen, als korrupt verschrienen Polit-Elite und dem deutsch-stämmigen Klaus Iohannis. Dieser wirbt mit deutschen Tugenden wie Fleiss, Korrektheit und Pünktlichkeit: Kapital oder Hypothek?

Klaus Johannis winkt auf einer Wahlveranstaltung.

Bildlegende: Der Rumänien-Deutsche will seinen Erfolg auf nationaler Ebene fortsetzen. Keystone

Für die Wahlen am Sonntag 2. November werben 14 Kandidaten um das rumänische Präsidentenamt. Nur zwei von ihnen haben allerdings eine realistische Chance, den amtierenden Staatspräsidenten Traian Basescu abzulösen.

Richtungsweisende Wahl

Als Favorit im Rennen um das Präsidentenamt gilt der derzeitige sozialdemokratische Ministerpräsident Victor Ponta. Er steht für die bisherige rumänische Polit-Elite, die immer wieder in Korruptionsaffären hineingezogen wird. Auch Pontas Umfeld gilt als korrupt, es heisst, er verteile Wahlgeschenke im grossen Stil. Dank mächtigen Freundschaften unterstützen ihn viele Medien, insbesondere die grossen Fernsehstationen. Ausserdem gilt der 42-jährige Ponta als machtbewusst. Ihm wird nachgesagt, seine Wahl könne zu ähnlich autoritären Verhältnissen wie im Nachbarland Ungarn führen.

«  Weniger Spektakel, mehr Arbeit »

Klaus Iohannis
Präsidentschaftskandidat

Sein schärfster Konkurrent könnte kaum gegensätzlicher sein: Klaus Iohannis, der deutsch-stämmige Kandidat der Nationalliberalen Partei. Er wirbt für einen möglichen Richtungswechsel in Rumänien. Iohannis steht für die Stereotypen, die Rumänien den Angehörigen der deutschen Minderheit aus Siebenbürgen nachsagt: Bescheidenheit, Sparsamkeit und Pünktlichkeit. Und diese Tugenden kommen in Rumänien zur Zeit gut an. Iohannis spielt dieses Ass aus und sagte an einem Auftritt: «Meine Botschaft lautet: weniger Spektakel, mehr Arbeit».

Chance oder Risiko?

Iohannis Aussage ist Programm: er gilt als beflissen und korrekt – bei Auftritten aber auch als spröde und zurückhaltend. SRF-Osteuropa-Korrespondent Urs Bruderer sagt, dass genau diese Kombination in Rumänien ungewöhnlich ist: «Iohannis ist in Rumänien spektakulär, weil er so unspektakulär ist.» Das ist die Chance seiner deutsch-stämmigen Herkunft. Es birgt aber auch ein Risiko: Die Rumäniendeutschen sind eine kleine Minderheit und ihre Stimmen fallen bei den Urnengängen nicht ins Gewicht. Es ist fraglich, ob Rumänien einen Siebenbürgen als Präsident will.

«  Iohannis ist in Rumänien spektakulär, weil er so unspektakulär ist. »

Urs Bruderer
SRF-Osteuropa-Korrespondent

Glänzender Leistungsausweis

Klaus Iohannis ist seit 14 Jahren Bürgermeister von Sibiu, zu Deutsch Hermannstadt. Dreimal bestätigte ihn die Stadt mit Traumresultaten. In seiner Zeit als Bürgermeister hat er seine Heimatstadt zu einem touristischen Pilgerort und einem Hot Spot für Investoren gemacht. Es gibt kaum Arbeitslosigkeit. Laut Bruderer habe Iohannis eigentlich nichts besonderes gemacht. Mit seinem Bestreben, die Dinge gut zu machen, habe er – im Gegensatz zur korrupten Politiker-Gilde – eine am Gemeinwohl orientierte Politik betrieben. «In diesem Umfeld konnte er damit innert kurzer Zeit spektakuläre Resultate erzielen», sagt Bruderer.

Wagt Rumänien den Schritt?

In Umfragen liegt Kandidat Ponta mit 41 Prozent vor Iohannis. Ihn würden laut Prognosen rund 29 Prozent wählen. Der Stichentscheid wird erst am 16. November gefällt, da kaum einer der 14 Kandidaten morgen Sonntag das absolute Mehr erreichen wird. Bis dahin wird entscheidend sein, ob Rumänien wirklich mit seiner korrupten Polit-Elite, die immer viel verspricht und wenig hält, brechen will; und sich auf den spröden, aber fleissigen Klaus Iohannis einlassen will.