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International Wer tötete Alexander Litwinenko?

Ein toter Spion. Eine radioaktive Substanz. Eine vermeintlich korrumpierte Regierung. Ein Hauptverdächtiger. Der Giftmord am russischen Ex-Geheimdienstler Alexander Litwinenko mutet an wie ein Spionageroman – ist aber bittere Wahrheit. Nun wird der Fall von 2006 neu aufgerollt.

  • Wer war Alexander Litwinenko?
Alexander Litwinenko im Jahr 2002 mit einem Buch in der Hand.
Legende: Alexander Litwinenko machte seine Vorwürfe gegen den Kreml auch in Buchform publik. Keystone/Archiv

Alexander Litwinenko war seit 1988 für den sowjetischen Inlandsgeheimdienst KGB tätig. Bei der Nachfolgeorganisation FSB wurde er Spezialist im Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität. Litwinenko machte 1998 einen vermeintlichen Mordauftrag des FSB öffentlich. Nach eigener Aussage sollte Litwinenko den damaligen Sekretär des Staatssicherheitsapparats, Boris Beresowski, ermorden. Der FSB-Chef zu der Zeit hiess Wladimir Putin.

Nach drei Strafverfahren wegen angeblichen «Machtmissbrauchs» verliess er im Jahr 2000 samt Familie Russland auf illegalem Wege. In London beantragte er politisches Asyl. Dort arbeitete Litwinenko als Journalist und Buchautor, soll aber gerüchteweise auch für den britischen Geheimdienst MI6 tätig gewesen sein.

  • Die Kritik am Kreml

    Ein zerstörtes Wohnhaus in Moskau (Bild aus dem Jahr 1999)
    Legende: 1999 gab es Bombenanschläge auf Wohnhäuser auch in Moskau (Bild). Der Kreml machte dafür Tschetschenen verantwortlich. Reuters/Archiv

    Litwinenko äusserte sich regelmässig kritisch Richtung Kreml. So sei der FSB für Anschläge auf Wohnhäuser in Moskau verantwortlich. Bei mehreren Bombenanschlägen starben dort im Jahr 1999 rund 300 Menschen.

    Die Tat sei Tschetschenen in die Schuhe geschoben worden, um den Einmarsch in die Kaukasusrepublik zu rechtfertigen. Auch an der Geiselnahme in einem Moskauer Theater mit 130 Toten sei der FSB beteiligt gewesen, ebenso wie an der Ermordung der Kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja.

  • Der Tattag: 1. November 2006
Das Millenium Hotel in London, davor steht ein Transporter der Polizei.
Legende: Der Tatort: Das Millenium Hotel in London. Hier trank Litwinenko den Tee, der ihn umbrachte. Im Getränk war Polonium. Keystone/Archivbild

Alexander Litwinenko trifft sich am 1. November 2006 in London zunächst mit dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella in einem Sushi-Restaurant. Der Italiener soll Litwinenko mitgeteilt haben, dass er und Beresowski das Ziel von Anschlägen seien.

Später hat Litwinenko eine Verabredung mit den früheren KGB-Mitarbeitern Andrej Lugowoj und Dimitri Kowtun im Millennium Hotel am Grosvenor Square. Dort trinkt er einen Tee. Am Abend wird er in ein Krankenhaus eingeliefert. Am 23. November stirbt Litwinenko. In seinem Urin wird das hochradioaktive Polonium-210 in starker Konzentration nachgewiesen. Litwinenko hatte noch auf dem Sterbebett in einer polizeilichen Vernehmung direkt den russischen Präsident Wladimir Putin für seinen bevorstehenden Tod verantwortlich gemacht.

  • Der Tatort
  • Die Untersuchung

Legende: Video Mordanklage im Fall Litwinenko abspielen. Laufzeit 1:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.05.2007.

Am 6. Dezember 2006 erklärt Scotland Yard, dass Litwinenko ermordet wurde. In den Fokus der Ermittlungen geraten schnell die Männer, die Litwinenko zuletzt getroffen hatte: Andrej Lugowoi und Dimitri Kowtun. Besonders Lugowoi ist verdächtig. Der Kontakt zu Polonium kann ihm nachgewiesen werden. London stellt einen Auslieferungsantrag für Lugowoi, Moskau lehnt ab. Lugowoi bestreitet die Tat. Die Ermittlungen verlaufen im Sande – bis heute. Neue Indizien wie eine Tonaufnahme Litwinenkos, in der er neue Vorwürfe Richtung Putin richtete, haben die Wiederaufnahme des Verfahrens ermöglicht.

  • Die Spur des tödlichen Gifts
Legende: Video Der Tod von Alexander Litwinenko abspielen. Laufzeit 11:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 06.12.2006.

Litwinenko stirbt durch die Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium-210 in seinem Tee, den er im Millenium Hotel getrunken hatte. Bei sieben Mitarbeitern des Hotels sollen ebenfalls Spuren des giftigen Metalls gefunden worden sein, berichtete die BBC 2008 unter Berufung auf britische Gesundheitsbehörden.

Auch Andrej Lugowoj und Dimitri Kowtun sollen mit der Substanz in Berührung gekommen sein. Eine Spur nach Moskau konnte durch Andrej Lugowoj nachgewiesen werden. Er hinterliess an Lichtschaltern, Banknoten und Flugtickets Spuren des betreffenden Poloniums. Lugowoi gilt deshalb als Haupt-Tatverdächtiger im Mordfall Litwinenko. Die britischen Ermittler konnten ausserdem die Herkunft des Poloniums nachweisen. Demnach stammte es tatsächlich aus Russland.

  • Die beteiligten Personen
Andrei Lugowoi
Legende: Andrei Lugowoi ist der Hauptverdächtige. Er zog eine Polonium-Spur quer durch Europa. Reuters/Archivbild

Andrei Lugowoi

Lugowoi hat viele Jahre für den sowjetischen Geheimdienst KGB gearbeitet. Danach soll er für den FSB tätig gewesen sein, was er stets bestritten hat. Ebenso bestreitet er den Mordvorwurf.

Lugowoi hatte 2007 erklärt, dass die Ermordung Litwinenkos nicht ohne Kenntnis des britischen Geheimdienstes möglich gewesen sein kann. Lugowoi und Dmitri Kowtun sind gut miteinander bekannt. Der 48-Jährige ist heute Eigentümer einer Sicherheitsfirma und Abgeordneter des russischen Parlaments, der Duma.

Dmitri Kowtun
Legende: Kowtun ist ebenfalls verdächtig. Er musste sich wegen einer Vergiftung in Russland behandeln lassen. Reuters/Archivbild

Dmitri Kowtun

Kowtun ist als Geschäftsmann tätig. Der heute 50-Jährige war zwischen 1986 und 1991 als Sowjet-Offizier in der DDR stationiert. Nach dem Fall des «Eisernen Vorhangs» betrieb er von Hamburg aus eine Beraterfirma.

2003 kehrte er nach Russland zurück und war dort unter anderem für den Energiekonzern Gazprom tätig.

Wie Lugowoi bestreitet er eine Tätigkeit für den russischen Nachrichtendienst FSB. Eine Aussage im Prozess wird Kwotun voraussichtlich nicht machen. Er habe keine Genehmigung der russischen Behörden dafür erhalten, sagte er der britischen BBC.

Mario Scaramella
Legende: Angeblich hat Mario Scaramella gute Verbindungen zum russischen Geheimdienst. Litwinenko soll ihn verdächtigt haben. Reuters/Archivbild

Mario Scaramella

Scaramella ist ein italienischer Geheimdienst-Experte. 2003 war der heute 44-Jährige Berater eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der die Tätigkeit sowjetischer Geheimdienste in Italien zum Thema hatte. Zum Zeitpunkt des Mordes an Litwinenko war Scaramella angeblich mit Recherchen zum Politkowskaja-Mord beschäftigt. Er soll enge Kontakte zum russischen Geheimdienst gepflegt haben. Gegen ihn wurde bereits wegen Geheimnisverrats und Waffenhandel ermittelt.

  • Der neue Prozess
Marina Litwinenko auf dem Weg ins Gericht
Legende: Marina Litwinenko auf dem Weg Gericht. Sie will wissen, wer ihren Mann ermordet hat. Reuters

Litwinenkos Witwe hat die neue Untersuchung gegen den Willen der britischen Regierung durchgesetzt. Anfang Woche hätte einer der beiden Hauptverdächtigen per Video aus Moskau befragt werden sollen. Ende der Woche werden die Schlussplädoyers gehalten. Anschliessend soll die Untersuchung abgeschlossen sein.

9 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wer tötete,tötet immer noch(anonym),zivile Personen in UK(Kinder,betagte Menschen).Wer hat mit MH017 absichtlich getötet?Wem ist dies total egal?Alles Menschen die NICHT im Auftrag feindlicher Nationen SPIONIERT haben.Ist Spionage ein hoch achtbarer Beruf?Wer spioniert unsere Wirtschaft,Börsen,aus?Hört doch endlich auf mit diesem Affentheater!Wie aussagekräftig soll eine EINSEITIGE ANALYSE sein?Für wie DUMM wird die Masse gehalten?Findet ein absichtliche Volksverblödung(Beleidigung)statt?
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  • Kommentar von Theophil Schönbüchler, Bern
    Lest das letzte Buch von Tom Clancy - natürlich ein Roman werden jetzt viele schreiben - ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass wir zu blauäugig sind und keine Ahnung haben, welche Kräfte hier wirken. Ich bin in Kontakt mit einer Prof. aus Moskau & mit einem Prof aus St. Petersburg - diese Leute erzählen haarsträubende Entwicklungen und bangen um ihr Leben! An das Polonium-210 kommen nur Staaten heran - hier ist die starke Hand des Staatschefs klar zu spüren! Der kalte Krieg lässt grüssen.
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Fischbacher@ Immer wenn etwas von Russland und Mord geschrieben wird fällt auch der Name Putin!
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      darüber wussten auch die briten...
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