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International Wieder ertrinken Flüchtlinge im Mittelmeer

Neue Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer. Dutzende Menschen sollen bei einem weiteren Bootsunglück ums Leben gekommen sein. Die italienische Marine barg mindestens 45 Tote, hiess es am Freitagabend. Seit Montag waren vor Libyens Küste über 14'000 Menschen gerettet worden.

Legende: Video Wieder Bootsunglück im Mittelmeer abspielen. Laufzeit 0:31 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.05.2016.

Bei einem erneuten Bootsunglück im Mittelmeer sind Dutzende Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die italienische Marine barg nach eigenen Angaben vom Freitagabend 45 Tote. 135 Menschen seien vom sinkenden Schiff gerettet worden. Die Suche nach möglichen weiteren Opfern dauere an.

Das überladene Fischerboot war nach Angaben der italienischen Küstenwache mit mehr als 300 Insassen vor der libyschen Küste verunglückt. Die Küstenwache, die die Rettungseinsätze im Seegebiet koordiniert, hatte zuvor die Schiffe in der Gegend aufgerufen, 350 Menschen im Meer zur Hilfe zu kommen.

Dritte Schiffskatastrophe binnen weniger Tage

Es ist bereits das dritte schwere Bootsunglück in drei Tagen. Am Mittwoch war ein überladenes Fischerboot gekentert. Rund 560 Menschen konnten gerettet werden, doch berichteten Überlebende anschliessend, dass rund 100 weitere Menschen im Rumpf eingeschlossen gewesen seien.

Am Donnerstag sank ein weiteres Boot vor der libyschen Küste, bis zu 30 Menschen verloren dabei ihr Leben. «Drei Schiffe an drei Tagen, das ist sehr beunruhigend», sagte eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Carlotta Sami. Es kämen zunehmend «Fischerboote in sehr schlechtem Zustand» an.

Ein Sprecher der Internationalen Organisation für Migration, Flavio Giacomo, sagte, derzeit kämen fast so viele Menschen täglich in Italien an wie im vergangenen Jahr auf den griechischen Inseln.

14'000 während einer Woche gerettet

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt von Nordafrika über das Mittelmeer nach Europa. Seit Montag wurden etwa 14'000 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet. Am Freitag wurden 15 weitere Boote in Seenot gemeldet.

Seit Beginn des Jahres kamen laut dem UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fast 38'000 Menschen nach Italien.

Legende: Video FOKUS: Wieder mehr Flüchtlingsboote unterwegs abspielen. Laufzeit 2:00 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.05.2016.

Im vergangenen Jahr waren viele Flüchtlinge in der EU angekommen, indem sie von der türkischen Küste aus auf die nahe gelegenen griechischen Inseln übersetzten. Aufgrund eines Abkommens zwischen der EU und der Türkei ist dieser Weg jedoch schwieriger geworden: Die Türkei muss nach dieser Vereinbarung alle auf irregulärem Weg nach Griechenland eingereisten Migranten zurücknehmen.

Zudem schlossen die Länder auf der sogenannten Balkanroute ihre Grenzen, so dass für die in Griechenland angekommenen Flüchtlinge eine Weiterreise nach Nordeuropa auf dem Landweg unmöglich wurde.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    @Hans Haller: Ich teile Ihre Meinung voll und ganz. Die Politik spielt hier leider nicht mit. Schengen ist tot so scheint es.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Wie werden sich die Flüchtlingszahlen 2016 entwickeln? Erste Trends zeichnen sich ab: Aus manchen Krisenregionen machen sich jetzt mehr Frauen und Kinder auf den Weg als Männer.Nicht nur aus Marokko und Algerien, Eritrea, auch aus Libyen und Ägypten machen sich junge Männer inzwischen auf den Weg. Die Schweiz muss dringend Rückübernahmeabkommen mit den Herkunftsstaaten dieser Flüchtlinge abschliessen. Zurzeit hat die Schweiz in dieser Hinsicht nicht viel unternommen.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Mitverantwortlich für diese Tragödien ist eine Politik von Seiten der Europäischen Union (EU) und ihrer Mitgliedstaaten, die insbesondere auf die Verhinderung von Flucht und Migration in Richtung Europa abzielt. Doch die revolutionären Umbrüche in den afrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten führten zu neuen Flucht- und Migrationsbewegungen über das zentrale Mittelmeer. So schnell wie möglich sollte das Mittelmeer wieder zum „Mare Nostrum“ werden, indem die Fluchtwege blockiert werden.
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