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International «Wladimir Putin zeigt Schwächen»

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland spitzt sich zu. Vor dem Beginn des G20-Gipfels im australischen Brisbane hat Russland Kriegsschiffe vor die Küste Australiens verlegt. In der «Tagesschau» findet SRF-Korrespondent Christof Franzen deutliche Worte.

Legende: Video Putin lässt Kriegsschiffe auffahren abspielen. Laufzeit 2:38 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.11.2014.

Vor dem G20-Gipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an diesem Wochenende in Australien hat sich der Konflikt in der Ostukraine noch einmal deutlich verschärft. «Der einzige Grund, warum noch kein offener Krieg begonnen hat, ist die Zurückhaltung der Ukraine», sagte Kiews UNO-Botschafter Juri Sergejew bei einer Sondersitzung des Sicherheitsrats in New York.

Er warf Russland vor, mit der Unterstützung der moskautreuen Separatisten eine friedliche Lösung zu torpedieren. Russlands UNO-Diplomat Alexander Pankin wies die Vorwürfe als «propagandistische Fälschung» zurück.

Russlands Premier Dmitri Medwedew sagte: «Die Sanktionen des Westens müssen aufgehoben und die Beziehungen normalisiert werden».

Zeichen der Schwäche?

Unterdessen verlegte Russland vier Kriegsschiffe vor die Küste Australiens. «Die Bewegung dieser Schiffe steht völlig im Einklang mit den Vorschriften der internationalen Gesetze, wonach sich Militärschiffe in internationalen Gewässern frei bewegen können», teilte Australiens Verteidigungsministerium mit.

Auf den ersten Blick erscheine dies natürlich als Machtdemonstration, sagte SRF-Korrespondent Christof Franzen in der «Tagesschau». Doch er glaube inzwischen mehr, dass es ein Zeichen der Schwäche sei.

«Putin weiss genau, dass er weder in einem Wirtschaftskonflikt noch in einer militärischen Auseinandersetzung mit den USA und dem ganzen Westen mithalten kann. Aber Putin hat in diesem geopolitischen Konflikt eine wichtige Trumpfkarte und das ist seine Unberechenbarkeit», sagte Franzen weiter. Der Kremlchef habe in den letzten Monaten gezeigt, dass er bereit ist, hunderte, wenn nicht sogar tausende russische Menschenopfer in Kauf zu nehmen.

«Ich glaube, es ist genau diese Unberechenbarkeit und diese Bereitschaft zum Konflikt – die ihn von der EU und vom Westen unterscheiden – die den Kreml zu einem sehr gefährlichen Gegner machen», so Franzen.

Kämpfe gehen trotz Waffenruhe weiter

Aus dem Krisengebiet Donbass berichtete die Pressestelle der ukrainischen «Anti-Terror-Operation» von mehr als 40 Angriffen auf ihre Einheiten durch die Aufständischen innerhalb von 24 Stunden. Dabei seien mehrere Soldaten getötet oder verletzt worden, hiess es. Die Separatisten sprachen ihrerseits von Artillerieangriffen der Regierungstruppen unter anderem in der Grossstadt Donezk.

Mit Nachdruck wies Moskau Vorwürfe des Westens und der pro-europäischen Führung in Kiew zurück, in der Ostukraine würden russische Soldaten an der Seite der Aufständischen kämpfen. «Wer solche Fakten hat, soll diese vorlegen», sagte ein Aussenamtssprecher. Alles andere seien «erlogene Behauptungen».

«Ich sage ganz offiziell, es gibt keine militärischen Bewegungen über die Grenze und keinen unserer Militärangehörigen auf dem Territorium der Urkraine – und es hat auch keinen gegeben», so der Sprecher weiter.

Der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zufolge waren innerhalb der vergangenen Woche 665 Menschen in Militärkleidung in beiden Richtungen über die russisch-ukrainische Grenze gegangen. Dies sei die bislang höchste beobachtete Zahl seit Beginn des OSZE-Mandats. Waffen hätten die Beobachter nicht gesehen.

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67 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Allemann, Bern
    In unseren Medien wird immer wieder betont, wie die Opposition in RU unterdrückt werde. Die RU-Korrespondenten (Franzen, Gysling) üben scharfe Kritik an Putin. So sprach Gyling einmal vom Zyniker Putin. Scheinbar darf dort schärfste Kritik an Putin geübt werden. Man stelle sich vor, der USA-Korrespondent würde den Friedensnobelpreisträger Obama als Massenmörder bezeichnen, weil er mit Drohnen überall auf der Welt Menschen umbringt. Hier gibt's grosse Unstimmigkeiten!
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  • Kommentar von Remo Estermann sen., Luzern
    Immer die bösen Russen, dabei ist es die USA die Überfall militärisch eingreift und das auch ohne UNO-Mandat. Wie kann man von Schwäche Putins sprechen, er der Herr über 500 Atomsprengköpfe, wobei 3 genügen würden und in halb Europa könnten Jahrzehnte keine Ernten mehr eingefahren werden. Europa muss jetzt eigenständig handeln und den Amis und den Russen klar machen, dass wir uns nicht in einen Krieg hineinziehen lassen wollen, schon gar nicht für so eine undurchsichte Ukraine.
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  • Kommentar von S. Meier, Adliswil
    Russische Kriegsschiff sind wohl immer irgendwo in einem Meer in internat. Gewässern unterwegs. Ist nichts aussergewöhnliches. Auch die Amerikaner haben ein Kriegsschiff mit nach Sotschi genommen, das während der Olympiade dort dümpelte. Was machen denn Momentan die Kriegsschiffe aller anderen Länder so? Sind die schön brav in ihren Heimathäfen vor Anker?
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