Bald jeder zweite Sommer ein Rekordsommer?

Es herrscht eine Gluthitze: Zur Freude von Wasserratten, Glacefreunden und Sonnenanbetern. Bisher blieben negative Folgen weitgehend aus. Das ist nicht selbstverständlich. Eine Risikoanalyse des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz zeigt: Eines der drei grössten nationalen Risiken ist eine Hitzewelle.

Zwei junge Männer liegen mit nacktem Oberkörper an der Sonne, die Shirts über das Gesicht.

Bildlegende: Die Schweiz schwitzt: Am Tag klettert das Thermometer über 30 Grad. In 100 Jahren «normal». Keystone

Die aktuelle Hitze ist für manch einen schon zu viel des Guten. Doch eine richtig grosse Hitzewelle, die gemäss Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) ein Risiko für das Land darstellt, geht so: «Während zwei Wochen haben wir eine extreme Hitze, nachdem schon vorher eine längere Periode mit höheren Temperaturen stattgefunden hat. Wir haben eine mittlere bis höhere Luftfeuchtigkeit und mehrere Tage mit Temperaturen über 35 Grad. In der Nacht geht es nicht unter 20 Grad.»

Das erklärt Benno Bühlmann, Direktor des Babs. Er stellt klar: In einer solchen Hitzewelle befinden wir uns derzeit nicht. Dafür müsste es länger heiss und die Luft feuchter sein. Doch mit einer Hitzewelle sei nicht zu spassen, warnt das Bundesamt: In seiner neusten Risikoanalyse für die Schweiz platziert es eine Hitzewelle daher sogar auf Rang 3 der grössten Gefahren für die Schweiz – direkt nach einer längeren Phase von Strommangel und einer Pandemie.

Gefahr vor allem für alte Menschen

Eine Hitzewelle – so bedrohlich? Direktor Bühlmann begründet: «Das Szenario Hitzewelle ist unter die Top-3-Risiken gegangen, weil wir mit 400 vorzeitigen Todesfällen rechnen müssen, wenn die Annahmen dieses Szenarios tatsächlich eintreten.» Gefährdet seien vor allem ältere Menschen. Die Risikoanalyse gibt allen Schäden einen Preis in Franken und Rappen – auch Menschenleben.

Pro Hitze-Todesopfer rechnet die Studie mit vier Millionen Franken. Hinzu kommen unter anderem Schäden bei der Wirtschaft von knapp 900 Millionen: Etwa weil der Strom ausfällt, weil sich Strassenbeläge auflösen – oder weil Arbeitnehmer weniger leisten. Unter dem Strich koste eine grosse Hitzewelle rund vier Milliarden Franken.


Hitze als grosse Gefahr für die Schweiz

3:57 min, aus Echo der Zeit vom 02.07.2015

Gleichzeitig sei die Wahrscheinlichkeit dafür relativ gross: Einmal alle 30 Jahre komme eine solche vor, rechnet das Babs vor – und all das erhöhe das Risiko.

Tatsächlich würden grosse Hitzewellen zunehmend zur Bedrohung, sagt auch Klimaforscherin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich: «Wenn man eine lange Hitzewelle hat, kann es eine grosse Gefahr sein.»

Als Beispiel nennt sie den Rekordsommer 2003: «Wir hatten eine sehr starke Hitzewelle im August. Damals sind etwa 30'00 Menschen in Europa zusätzlich gestorben.» An heisse Sommer müssen wir uns in Zukunft gewöhnen: «Bis zum Ende dieses Jahrhunderts erwarten wir, dass wir eine Hitzewelle wie jene von 2003 mit Temperaturen wie jetzt ungefähr jeden zweiten Sommer haben werden.»

Verantwortliche müssen sich vorbereiten

Die Hitzewelle werde bis in 100 Jahren also quasi zum Normalfall, prognostizieren Klimaforscher. Das Babs seinerseits versteht seine Risikoanalyse als sanften Hinweis an Kantone, Organisationen, Spitäler und Unternehmen: Sind alle genügend vorbereitet?

Direktor Bühlmann spielt den Ball nicht zuletzt der Gesundheitsbranche zu: «Insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich sind die Verantwortlichen gefordert, zu schauen, ob sie noch etwas machen können oder nicht.»

Wem es jetzt schon zu heiss ist, darf sich auf Mitte nächster Woche freuen: Dann flacht die aktuelle Hitzewelle etwas ab. «So wie es jetzt ausschaut, glaube ich, dass das Gröbste am Mittwoch 8. Juli oder am Donnerstag 9. Juli – also spätestens in einer Woche – überstanden sein sollte», sagt Jürg Zogg von SRF Meteo. Wobei das bedeutet: Auch dann wird es noch immer knapp 30 Grad warm sein.

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SRF Meteo hält die aktuellsten Wetterinformationen bereit.

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