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Panorama Branson hält an Weltraum-Programm fest

Der Milliardär Richard Branson wollte nächstes Jahr private Flüge ins Weltall anbieten. Daraus dürfte nach dem Absturz von «SpaceShipTwo» nichts werden. Dennoch hält Branson an seinem Projekt fest.

Legende: Video «Absturz von «SpaceShipTwo»» abspielen. Laufzeit 1:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.11.2014.

Wieder und wieder hatte es der britische Milliardär Richard Branson angekündigt: Der erste Flug einer Privatperson ins Weltall stehe kurz bevor. Doch immer wieder musste das Datum verschoben werden. Laut letzten Meldungen hätte der erste Astronauten-Tourist im kommenden Frühling abheben sollen.

Einer der letzten Testflüge vor dem Start fand am Freitag statt. Dabei kam es zur Katastrophe: Die Raumfähre «SpaceShipTwo» zerschellte kurz nach dem Start, einer der beiden Piloten kam dabei ums Leben. Entwickelt hatte die Raumfähre unter anderem Bransons Unternehmen Virgin Galactic.

«Wir werden durchhalten»

Nach dem Absturz zeigte sich Branson «schockiert». Dennoch will der Brite das Projekt nicht aufgeben. «Das Weltall ist hart – aber es lohnt sich», sagte er. «Wir werden durchhalten und gemeinsam voranschreiten.» Er kündigte an, sofort zu seinem Team in Kalifornien zu fliegen.

Branson selber wollte zu ersten Weltraum-Passagieren gehören. Und er war nicht der einzige, den das Weltall lockte: Auch Stars wie Tom Hanks, Justin Bieber oder Angelina Jolie hatten ein Ticket für sechs Minuten Schwerelosigkeit gekauft. Trotz eines stolzen Preises von 250‘000 Dollar pro Billett hatte Virgin Galactic bereits 700 solcher Tickets verkauft.

«Todesstoss» für Weltraumtourismus?

Doch ob die Flüge stattfinden werden, ist nach dem Absturz des «SpaceShipTwo» alles andere als sicher. Im US-Fernsehen sprachen Experten von einem schlimmen Rückschlag für die private Raumfahrt. Andere bezeichneten den Absturz sogar als Todesstoss für den Weltraumtourismus.

Solche Reaktionen sind unter dem Eindruck einer Katastrophe nicht ungewöhnlich. Doch nachdem gerade mal drei Tage zuvor der unbemannte US-Raumtransporter «Cygnus» Sekunden nach dem Start in Florida explodiert war, ist die Debatte über die kommerzielle Raumfahrt nicht mehr zu stoppen.

Ein Wrackteil der Raumfähre SpaceShipTwo, das am Freitag abgestürzt ist
Legende: Ein Wrackteil der Raumfähre «SpaceShipTwo», die am Freitag abgestürzt ist. Einer der beiden Piloten kam dabei ums Leben. Reuters

Ungeduld auf allen Seiten

Über die Jahre hinweg sind die Zweifel an Bransons Projekt gewachsen. Es erlebte eine Verzögerung nach der anderen. Nicht nur Raumfahrt-Fans, sondern auch Branson selbst wurden immer ungeduldiger. «Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin», sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. «Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen.» Die ersten Flüge sollten im nächsten Jahr starten.

Nun ist «SpaceShipTwo» bei einem dieser Tests abgestürzt. Es war der erste mit einer Raketenzündung seit Januar. In der langen Pause sollen der Motor und die Treibstoffmischung verändert worden sein. Das Trägerflugzeug brachte es auf rund 1,5 Kilometer Höhe und entliess es zum Freiflug. Doch die Raketenzündung ging schief, die Kapsel fiel auf die Erde wie ein Stein. Was der Grund für den Absturz des Raumflugzeugs ist, blieb zunächst unklar.

Ein Dutzend Ermittler am Unfallort

Mehr als ein Dutzend Ermittler der US-Behörde für Transportsicherheit NTSB trafen am Samstag in Kalifornien ein, um die Absturzstelle zu besichtigen, Daten zu sammeln und Zeugen zu befragen. «Dies wird das erste Mal sein, dass wir die Führung bei einem Raumfahrt-Unfall übernehmen, der Menschen an Bord involvierte», sagte der NTSB-Vorsitzende Christopher Hart.

Seine Behörde sei bei den Ermittlungen um die Abstürze der Raumfähren «Challenger» im Jahr 1986 und «Columbia» im Jahr 2003 lediglich beteiligt gewesen, habe aber keine Federführung gehabt. Ob ein häufig als Black Box bezeichneter Flugschreiber an Bord sei, konnte Hart zunächst nicht sagen.

Politische Konsequenzen

Der Unfall könnte auch auf politischer Ebene Folge haben. So könnte der amerikanische Kongress die Kompetenzen der Behörde, welche die kommerzielle Raumfahrtindustrie überwacht, ausweiten. Letztere hatte sich für ein Moratorium der Sicherheitsregulationen für Passagiere eingesetzt.

5 Kommentare

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  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Branson: «Das Weltall ist hart – aber es lohnt sich». Man rechne: 700 x 250‘000 = 175 Mio. USD. Kredit-& Versicherungskosten ca. 50‘000 USD je Ticket? = ca. 35 Mio. USD ? Investitions-& Transportkosten ca. 50-75 Mio. USD? Risikokapital (fremdfinanziert?). Bruttorendite für Branson (& seine Investoren?) 37-50%?!?! Es lohnt sich für Banken, Versicherungen, Egotrip, Branson, Medien & vor allem fürs USA-BIP. Dem syrischen Flüchtlingselend fehlen 2-3‘000 Mio. USD. Nobel geht die Welt zugrunde.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Dieser Protz meint, er habe die Physik mit Löffeln gefressen .
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Es gibt genug reiche Leute. Diese Weltraumflugzeug wird dauernd ausgebucht sein. Und in 20 Jahren wird es für jederman erschwinglich sein. Allerdings könnte mit der Zeit Probleme mit der Atmosphäre auftreten, zB Ozonlöcher. Vielleicht wollen auch einige ihren Sarg auf die Erdumlaufbahn befördern, um zusammen mit dem Weltraumschrott um die Erde zu kreisen.
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