Die schwierige Suche nach der «richtigen» Gesundheitspolitik

Der Nationalrat hat diese Woche erneut einen Ärztestopp verfügt. Kantone sollen Spezialärzten verbieten dürfen, eine Praxis zu eröffnen. Der Kanton Aargau will bei dieser Massnahme nicht mitmachen. Die Nationalrätinnen Ruth Humbel (CVP) und Yvonne Feri (SP) haben trotzdem zugestimmt.

SP-Nationalrätin Yvonne Feri und ihre CVP Kollegin Ruth Humbel.

Bildlegende: SP-Nationalrätin Yvonne Feri aus Wettingen und ihre CVP Kollegin Ruth Humbel aus Birmenstorf im SRF-Studio Aarau. SRF

«Jede neue Arztpraxis kostet das Gesundheitswesen bis zu einer halben Million Franken»: Mit dieser Aussage machte Ruth Humbel (CVP) diese Woche im Nationalrat Werbung für einen erneuten Ärztestopp. Der Nationalrat stimmte denn auch einer erneuten Zulassungsbeschränkung für Spezialärzte zu. Wenn es keinen zusätzlichen Bedarf an Spezialärzten gibt, dann dürfen Kantone künftig die Eröffnung von neuen Praxen verbieten.

Die Aargauer Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli will sich zusammen mit Zürich und Zug diesem Ärztestopp verweigern. «Es braucht mehr Spezialärzte, weil die Bevöllkerung immer älter wird», sagte sie gegenüber Radio SRF. Ruth Humbel hält diesem Argument im Gespräch mit dem Regionaljournal aber entgegen: «Alle Spezialärzte, die zu uns kommen, dürfen über die obligatorischen Krankenkassen abrechnen. Das ist einfach zu teuer.»

Yvonne Feri hat als Sozialdemokratin ebenfalls für den erneuten Zulassungsstopp gestimmt. Sie begründet ihr Ja zum Ärztestopp damit, dass man nicht mehr Spezialisten, dafür aber mehr Hausärzte brauche. «Mit dem Ärztestopp haben wir eine wichtige Steuerungsmöglichkeit, damit es auch wieder mehr Hausärzte gibt».

Mangel an Hausärzten ist unbestritten

Ein Arzt nimmt einem Patienten mit einer Spritze Blut ab am Arm.

Bildlegende: Zu viele Spezialärzte, zu wenig Hausärzte: Die Politik suchtden richtigen Weg zu tieferen Gesundheitskosten. Keystone

Für beide Aargauer Gesundheitspolitikerinnen ist klar: Hausärzte gibt es zu wenig, auch im Aargau. Ihre Rezepte gegen den Hausarztmangel sind aber unterschiedlich. Yvonne Feri unterstützt die Hausarzt-Initiative: Diese verlangt unter anderem massiv mehr Geld für die Hausärzte. «Vor allem das Verhältnis der Einkommen zwischen Haus- und Spezialärzten ist nicht mehr in Ordnung. Da möchte ja niemand Hausarzt werden».

Ruth Humbel möchte den Hebel anders ansetzen: «Die Einzelpraxen von Hausärzten sind ein Auslaufmodell. Für die Zukunft braucht es mehr Gruppenpraxen. Und auch die Universitäten müssen in die Pflicht genommen werden: Sie sollen Hausärzte ausbilden, nicht nur prestigeträchtige Spezialärzte.»

Internationaler Tag der Frau

Ruth Humbel aus Birmenstorf ist heute selbstständige Beraterin im Gesundheitwesen. Die gelernte Kauffrau Yvonne Feri sitzt nicht nur im Nationalrat, sondern auch im Wettinger Gemeinderat. Beide Frauen sind zweifache Mütter. Die beiden Nationalrätinnen könnten damit als Beweis dafür dienen, dass auch Frauen heute sich politisch und beruflich entfalten können, wenn sie wollen.

Zum internationalen Tag der Frau macht Yvonne Feri allerdings darauf aufmerksam, dass die berufliche Gleichstellung von Mann und Frau noch lange nicht erreicht sei: «Es sollte heute einfacher sein für Paare und Alleinerziehende, Familie und die Arbeit unter einen Hut zu bringen.» Dazu will Feri auch sogenannte "Geschlechterquoten".

Quoten sind für Ruth Humbel allerdings kein funktionierendes Rezept. Aber auch sie glaubt, es gebe noch viel zu tun: «Wenn man heute auch als gutverdienende Frau fast den ganzen Verdienst wieder für die Kinderbetreuung ausgeben muss, dann gibt es eigentlich keinen Anreiz arbeiten zu gehen».