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Bern Freiburg Wallis Ton zwischen Stadt und Reitschule wird schärfer

Nach dem Krawallwochenende will der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät beantragen, die Debatte im Stadtparlament über die neuen Verträge mit dem autonomen Kulturzentrum Reitschule vorderhand auszusetzen. Eine Schliessung des Betriebs sieht er als letztes Mittel.

Legende: Video «Neuer Streit nach Krawallen in Reitschule» abspielen. Laufzeit 7:11 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 07.03.2016.

Die Vorfälle vom Wochenende seien «inakzeptabel und unentschuldbar», sagt der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) gegenüber Radio SRF. Er will deshalb den Leistungsvertrag mit der Reitschule bis auf weiteres sistieren.

Bevor keine Klarheit bestehe über die Angriffe und wie man sie in Zukunft verhindern wolle, könnten die neuen Verträge mit dem autonomen Kulturzentrum nicht behandelt werden.

Die Berner Stadtregierung hatte die neuen Leistungsverträge Ende Dezember 2015 genehmigt. Auch die Reithalle hatte dem Vertrag zugestimmt. Nun sollte er demnächst dem Stadtparlament vorgelegt werden.

Eine Schliessung der Reitschule, wie das vorwiegend rechtsbürgerliche Kreise in Bern seit langem fordern, wäre für Stadtpräsident Alexander Tschäppät das letzte Mittel.

Mit einer Schliessung würden alle Jugendlichen bestraft, die Wochenende für Wochenende zu Tausenden ins Berner Nachtleben strömten. Die Probleme würden sich bei einer Schliessung der Reitschule auf die ganze Stadt verteilen, befürchtet Tschäppät.

So kann es nicht weitergehen.
Autor: Reto NauseSicherheitsdirektor

Auch der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause forderte Konsequenzen für die Vorfälle vom Wochenende: «So kann es nicht weitergehen, elf verletzte Polizisten können wir nicht einfach so hinnehmen», sagte Nause gegenüber Radio SRF.

Regierungsstatthalter Christoph Lerch, der per Gesetz über die Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wacht, spricht von den Tätern als «Kriminelle, die die Institution Reitschule missbrauchen». Er will «so schnell wie möglich» mit allen Beteiligten abklären, was genau passiert ist.

Es läuft auch Vieles richtig.
Autor: Ueli MäderSoziologieprofessor an der Universität Basel

Vor zwei Jahren hat Ueli Mäder, Soziologieprofessor an der Universität Basel, eine Studie veröffentlicht über die Berner Reitschule. Der Berner Gemeinderat hatte sie in Auftrag gegeben. Aus seiner Sicht mache die Reitschule immer noch Vieles richtig. Dennoch erschreckt ihn das neue Ausmass der Gewalt.

Angesprochen auf mögliche Lösungsansätze kommt Mäder zu keinem anderen Schluss als bei der Veröffentlichung der Studie: «Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Beteiligten zusammensitzen.» Damit die Jugend ihre Freiräume bewahren kann, müssten sich die verhärteten Fronten, sowohl auf Seite der Reitschul-Betreiber als auch auf Seite der Behörden, wieder aufweichen.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Die Behörden, Polizei und die Politik ist eigentlich nicht dazu da um sich in schöner Regelmässigkeit um ein "Reitschulproblem" immer und immer wieder kümmern zu müssen.
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Waren das die Linksautonomen oder die Rechtsradikalen? Nein, es waren die Linksradikalen und nicht die Rechtsautonomen.
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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    Man mag für oder gegen diese Chaoten sein - doch etwas verstehe ich nicht: weshalb gibt man diesen "Terroristen"ausgerechnet ein solch eigentlich wunderschönes und einmaliges Gebäude, an bester, teuerster Lage? Zum randalieren täte es eine alte Betonruine irgendwo abseits vom Zentrum doch auch! Und in der Reitschule könnte man so vieles, gescheiteres machen - z.B. einen Jungunternehmerpark, eine "Mini-Restaurant-Zone" oder was auch immer - aber sicher kein Schlachtfeld!
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    1. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      In einem Punkt gebe ich ihnen recht Herr Moser. Ein Hauptgrund für den Ärger in und um die Reitschule ist sicher der Standort. Es ist inmitten der Stadt und viele gehen einfach aus Langeweile dort hin oder um auf dem Vorplatz Drogen zu kaufen. Mit dem Kultur und Veranstalltungsort Reitschule identifizieren sich diese Leute kaum. In Zürich muss man um in die Rote Fabrik zu gelangen, doch eine kleine Reise machen, und man geht nur dort hin weil man sich für etwas interessiert. Darum weniger Ärger.
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