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Ostschweiz «Die Gasförderung ist mit den heutigen Technologien sehr sicher»

Statt auf heisses Wasser setzt St. Gallen auf Gas aus dem heimischen Untergrund. Das ambitionierte Geothermie-Projekt wird damit begraben. Der Entscheid des Stadtrates sorgt in der Stadt St. Gallen für Gesprächsstoff. Die Antworten auf die brennendsten Fragen.

Bohrplatz im St. Galler Sittertobel
Legende: Erdgas aus dem Sittertobel: Bis Mitte 2014 will der Stadtrat entscheiden, ob es einen Langzeittest gibt. SRF

Die Stadt St. Gallen hat ihre Pläne für ein grosses Geothermie-Projekt begraben. Nun wird die Möglichkeit geprüft, über das 4500 Meter tiefe Bohrloch Erdgas zu fördern. Das hat der Stadtrat gestern Mittwoch kommuniziert. Der Entscheid, aus der Geothermie auszusteigen, sorgt bei der St. Galler Bevölkerung für Gesprächsstoff. Viele finden es schade, dass das ambitionierte Projekt aufgegeben wird, der Entscheid des Stadtrates stösst aber auch auf Verständnis, so die Äusserungen von Passanten im St. Galler Lerchenfeld.

Dennoch gibt es viele Fragen. Das «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF1 hat die wichtigsten zusammengetragen und sie Peter Burri, Präsident der Schweizerischen Vereinigung der Energie-Geowissenschafter, zur Beantwortung vorgelegt.

SRF: Ist die Förderung von Gas aus dem St. Galler Untergrund gefährlich?

Peter Burri: Mit den heutigen Technologien ist die Förderung von Gas sehr sicher. In Europa gibt es Gasförder-Anlagen, die in dichtbesiedelten Regionen stehen – zum Beispiel in Norddeutschland oder in Holland. In Rotterdam steht sogar eine Anlage mitten in der Stadt. Die Explosionsgefahr ist eigentlich nicht vorhanden – vorausgesetzt natürlich, dass die Anlage korrekt betrieben wird.

Ist eine Förderanlage für Erdgas nicht störend im Landschaftsbild?

Wenn man eine Anlage zur Förderung des Gases aufstellt und das Gas anschliessend in ein Netz einspeist, dann braucht es nur eine kleine Anlage. Sie ist sicher viel kleiner als eine Geothermie-Anlage.

Kann es wieder zu einem Erdbeben kommen, wie vor einem Jahr bei der Geothermie?

Wenn man in eine geologische Bruchzone eine Flüssigkeit hineinpresst oder entnimmt, dann kann das immer zu Veränderungen der Untergrundspannung führen. Deshalb kann man Erschütterungen nie restlos ausschliessen. Bei einer Gasentnahme ist das Risko aber nicht so gross. Wenn, dann gibt es nur harmlose Erschütterungen.

Wie umweltfreundlich ist Erdgas?

Gas ist eine fossile Energie. Beim Verbrennen entsteht Kohlendioxid – allerdings nur halb so viel wie bei der Kohle. Das ist der einzige negative Aspekt aus Umweltsicht. Sonst ist Erdgas sehr sauber. Wenn Erdgas ins Grundwasser kommt, ist das eigentlich kein Problem. Erdgas ist nicht giftig. Bei uns gibt es viele Orte, wo es Methangas im Grundwasser hat, ganz natürlich. Aus meiner Sicht ist das kein Risiko.

Kann man bei Gas von einer nachhaltigen Quelle sprechen?

Erdgas ist keine erneuerbare Energiequelle. Andererseits finde ich es aus Umweltsicht sinnvoll, wenn man Erdgas in Europa produziert. Wenn wir es hier bei uns produzieren, dann können wir Vorschriften machen, dann können wir dafür sorgen, dass dies sicher und sauber passiert. Und ein weiterer Grund: Man muss nicht Energie aufwenden, um Gas aus Sibirien oder Algerien in die Schweiz zu transportieren. Das braucht nämlich viel Energie.

SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17.30 Uhr

Erdgas in der Schweiz

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