«Nicht indoktrinieren, sondern selbständiges Denken lernen»

Sie waren die jüngste, farbigste und lauteste Gruppe am 1. Mai-Umzug: die Roten Falken. Wer bei der sozialistischen Kinder- und Jugendgruppe mitmacht, hat meist linke Eltern und ein Interesse an Politik und Diskussion. Dieses Jahr heisst die Forderung: weniger Leistungsdruck an den Schulen.

Kinder und Jugendliche in roten Pullovern hinter einem bunten Banner.

Bildlegende: Gegründet aus der Arbeiterbewegung und seit über 80 Jahren am ersten Mai dabei: die Roten Falken. SRF

Die lauteste Musik, die farbigsten Banner und die engagiertesten Sprechgesänge: Die Roten Falken sind am 1. Mai-Umzug nicht zu übersehen. Seit mehr als drei Monaten haben die rund 40 Kinder und Jugendlichen den Tag vorbereitet, auf ihrem grossen Transparent steht «Kleider machen keine Leute, weder gestern noch heute».

Ab sechs Jahren kann man bei den Falken mitmachen. Der Weg zu den Falken führt meist über die Familie. «Meine Brüder machen schon mit» oder «Ich komme aus einem linken Elternhaus» antworten die Jugendlichen auf die Frage, weshalb sie bei den Roten Falken dabei sind.

Keine Instrumentalisierung

Es gehe aber nicht darum, die Kinder zu politisieren, sagt ein Falke, sondern um das Gemeinschaftsgefühl und ums Teilen. «Und darum, das selbständige Denken zu lernen.» Und sie würden auch nicht instrumentalisiert, betont eine Jugendliche. «Ich höre das oft. Die Kinder bekommen ihre Werte doch immer von den Eltern vermittelt und das ist auch nicht schlecht.»

Um ihre Forderung nach weniger Leistungsdruck an den Schulen zu untermalen, führen die Roten Falken an der 1. Mai-Schlusskundgebung ein Theater auf. Und machen gleich noch Werbung in eigener Sache - um noch mehr Kinder zum Diskutieren und selber Denken zu animieren.