«Sind Sie scho uf em See gsi?»

Vor 50 Jahren tummelten sich Tausende auf dem Zürichsee. Die «Seegfrörni» war auch im damaligen Radio Beromünster das grosse Thema. In der Lokalsendung für Zürich ging es am 3. Februar 1963 um Helikopter und Hühner, die keine Eier mehr legen. Radioreporterin Elisabeth Schnell erinnert sich.

Auf dem zugefrorenen Zürichsee tummeln sich viele Menschen.

Bildlegende: Am 1. Februar 1963 wurde die Eisfläche freigegeben. zvg

In der Sondersendung zur «Seegfrörni» interviewte Elisabeth Schnell damals mehrere Polizisten. Stadtpolizeiinspektor Bertschi berichtete über die Bewilligungspraxis: «Die Polizei ist verantwortlich fürdie Sicherheit auch auf dem zugefrorenen See. Mit der ETH zusammen machen wir die notwendigen Eismessungen.» Wachtmeister Müller gab Auskunft zum Zustand der Wasservögel. «Wir verfrachten hauptsächlich die Schwäne in die Limmat. Das Gartenbauamt hilft uns dabei.»

Und von der Kantonspolizei war zu erfahren, dass man ursprünglich Helikopter von der Rettungsflugwacht einsetzen wollte. Es kam aber nur zu einem Flug. Aus Kostengründen musste die Idee des Rettungshelikopters fallengelassen werden.

Streit mit der ZSG

Wütend waren die Zürcher und Zürcherinnen auf die Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft. Der Vorwurf: die ZSG habe die Gfrörni  herausgezögert. Der Direktor wehrte sich: «Wir haben die Eisbildung im unteren Seebecken nicht verzögert. Hingegen ist es so, dass wir zwischen Küsnacht und Thalwil tatsächlich noch gefahren sind. Das war wichtig für die Pendler.» Als die Eisfläche dann freigegeben wurde, kamen die Leute in Scharen.

Der Präsident des Verkehrsvereins von Rapperswil verglich die Seegfrörni 1963 mit derjenigen von 1929. «Damals war der See spiegelglatt. Nun hat es Schnee auf dem Eis. Und schon am ersten Morgen pflügte einer eine gerade Linie von Rapperswil bis zur Insel Ufenau. Das waren etwa eineinhalb Kilometer.» Die Ufenau wurde regelrecht bestürmt. Tausende wollten in die kleine Klosterwirtschaft. Diese war schnell ausverkauft und musste am Sonntag schliessen. «Die Pächter stellten dann nach der Schliessung fest, dass die Hühner seither keine Eier mehr legten», wusste der Präsident des Verkehrsvereins zu berichten. Ob aus Nervosität oder weil Eierdiebe am Werk waren, blieb ungeklärt.

Erinnerungen an damals

Elisabeth Schnell war damals als Radioreporterin im Einsatz. Sie erinnert sich noch gut an das Spektakel auf dem See.

« Es war ein wunderbares Erlebnis. Wirklich einmalig. Ich war begeistert. »

Die Stimmung auf dem See war wie an einem Volksfest. Die Berichterstattung war aber ganz seriös. «Sobald jemand vom Radio da war, haben sich die Leute sehr Mühe gegeben. Man hatte Ehrfurcht.»

Elisabeth Schnell war damals die einzige Frau im Reporter-Team: «Ich erhielt noch während der Ausbildung die Chance, eine Reportage zu realisieren. Damit war ich dabei - das war toll. Themenmässig war ich danach zwar für die drei K zuständig - Kirche, Kinder, Küche - aber auch für Technik.»