Stress und feuchte Hände

Die Urdorfer Velomechanikerin Selina Giacomini schwitzt an der ersten Schweizer Berufsmeisterschaft in Bern. Sie kämpft gegen die Zeit und für eine gute Platzierung.

Zwei Aufgaben muss die 18-jährige Selina Giacomini an diesem Morgen an den Berufsmeisterschaften lösen: Ein Hinter- und ein Vorderrad komplett neu aufbauen, inklusive Speichen, Felgenband und Schlauch. Die zweite Aufgabe geht ihr weniger einfach von der Hand, sie schwitzt, kommt in Zeitnot und muss den Experten um Hilfe fragen. Eine Bremse auseinandernehmen, reapieren und wieder zusammensetzen – inklusive neuer Bremsflüssigkeit, das ist keine 08/15-Aufgabe.

Die Berufsmeisterschaft der Lehrlinge solle auch eine Herausforderung sein, sagt Roland Fischer. Er hat sich die Prüfungsaufgaben ausgedacht: «Vielleicht haben die Kandidatinnen und Kandidaten diese Aufgaben noch nie gelöst. Sie entsprechen eher dem Niveau einer Meisterprüfung.»

Die Operation an der Bremse zieht sich in die Länge. Auf dem Tisch vor Selina Giacomini liegen kleine Schrauben, Muttern, Federn, Spritzen mit Bremsflüssigkeit, Zangen, Schraubenzieher. Es passt immer noch nicht alles zusammen, der Sägering will sich nicht lösen: «Man muss aufpassen, dass man die kleinen Teilchen nicht komplett kaputt macht!» sagt Selina Giacomini und arbeitet weiter.

Kein typischer Männerberuf

Diese kleinen Teilchen haben es der angehenden Velomechanikerin angetan: «Man muss mit feinen Händen und präzise arbeiten. Das macht den Beruf spannend.» Dass sie in der Lehre eine von nur zwei Frauen ist, macht ihr nichts aus. Velomechaniker sei überhaupt kein typischer Männerberuf, sagt sie.

Selina Giacomini gehört zu den besten ihres Fachs, sonst könnte sie an den Berufsmeisterschaften – den «swiss skills» – nicht teilnehmen. Der Wettkampf dauert noch bis Freitagabend. Bis dann muss die Zürcherin noch den Antrieb eines Elektrovelos ersetzen und ein Velo komplett aufbauen.