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40 Jahre Frauenhaus Bern
Aus Schweiz aktuell vom 13.10.2020.
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40 Jahre Berner Frauenhaus Flucht ins Frauenhaus: «Mein Mann hat mich erniedrigt»

Das Berner Frauenhaus ist aus der Frauenbewegung in den 1980er-Jahren entstanden. Es wird auch heute noch dringend gebraucht.

Nadja ist eine junge Frau, die letzten Sommer einige Wochen im Berner Frauenhaus gelebt hat. Mit ihrem kleinen Sohn ist sie vor ihrem Mann geflüchtet, der sie psychisch massiv unter Druck gesetzt hat. Nadja ist nicht ihr richtiger Name, sie hat Angst, dass ihr Ex-Mann sie erkennt.

«Er hat versucht mich zu kontrollieren», sagt Nadja gegenüber «Schweiz aktuell». «Ich hatte keinen Zugang zu meinem Pass, durfte nicht arbeiten, nicht einkaufen gehen. Er hat mich erniedrigt und unterdrückt, mir immer wieder gesagt, dass ich nichts könne und psychische Probleme habe.»

Ein neues Zuhause

Als sie vom Frauenhaus erfuhr, zögerte sie nicht und zog von zu Hause aus. Endlich konnte sie wieder aufatmen. «Als wir dort angekommen sind, haben sie mir ein neues Zuhause gegeben», dafür sei sie sehr dankbar, so Nadja.

Die Adresse des Berner Frauenhauses ist geheim. Die Sicherheitsvorkehrungen streng. Letztes Jahr haben insgesamt über hundert Frauen und Kinder hier Zuflucht gesucht. Das Haus mit seinen sieben Zimmern ist meistens voll besetzt.

Es kann sein, dass die Frau beleidigt, beschimpft und kontrolliert wird, eventuell darf sie eine Ausbildung nicht machen, bekommt zu wenig Geld für den Haushalt.
Autor: Anna TannerSozialarbeiterin

Die Frauen hier hätten oft eine Kombination von verschiedenen Gewaltformen erlebt, erklärt Sozialarbeiterin Anna Tanner. «Es kann sein, dass die Frau beleidigt, beschimpft und kontrolliert wird, eventuell darf sie eine Ausbildung nicht machen, bekommt zu wenig Geld für den Haushalt», so Tanner weiter. Dann komme noch die physische Gewalt dazu, das könne von Schlägen bis zu harten Tätlichkeiten wie Würgen, Körperverletzung oder gar Morddrohungen gehen.

Entstanden aus der Frauenbewegung

Anna Tanner zeigt uns das Haus. Es ist hell und freundlich, immer wieder sind Kinderstimmen zu hören. Die Frauen und Kinder bleiben zwischen 30 und 40 Tagen hier. Sie können sich neu orientieren, haben Zeit für ihre Kinder, können eine Wohnung suchen und eventuell einen neuen Job.

Drei Frauen sitzen an einem runden Tisch. Vor ihnen sind drei Kinder zu sehen.
Legende: Ein Blick in den Aufenthaltsraum im Berner Frauenhaus, aufgenommen am 11. Februar 1980. Das Haus an unbekannter Adresse bietet Schutz, Beratung und vorübergehende Unterkunft für misshandelte Frauen und ihre Kinder. Keystone

Das Frauenhaus ist in den 1980er-Jahren entstanden, aus der Frauenbewegung heraus. Wie die meisten Frauenhäuser in der Schweiz. Aufgebaut wurde die Institution von Freiwilligen. Jetzt hat sie sich etabliert, wird finanziert über Kantonsbeiträge und private Spenden. Anders als in den Anfängen ist Gewalt gegen Frauen heute kein Tabuthema mehr. Dafür sind neue Probleme aufgetaucht. Stichwort: Stalking.

Neue Medien – neue Probleme

«Die neuen Medien sind eine grosse Herausforderung für uns», sagt Anna Tanner. «Als Erstes raten wir den Frauen, das Handy abzustellen und die Ortungsdienste zu deaktivieren», so Tanner weiter. Dann suchten sie zusammen mit den Frauen individuelle Lösungen, wie beispielsweise eine neue Nummer oder ein neues Handy.

Wie perfide die neuen Medien eingesetzt werden können, hat auch Nadja erlebt. Ihr Mann hat sie in ihrem Umfeld schlecht gemacht und intime Fotos von ihr verschickt. Die Sozialarbeiterinnen und die anderen Frauen haben ihr geholfen, dass sie wieder angefangen hat, an sich zu glauben.

Mit diesem neuen Selbstvertrauen habe ich sehr schnell einen Job und auch eine eigene Wohnung für mich und mein Kind gefunden.
Autor: NadjaOpfer von psychischer Gewalt

«Mit diesem neuen Selbstvertrauen habe ich sehr schnell einen Job und auch eine eigene Wohnung für mich und mein Kind gefunden», freut sich Nadja. Sie konnte ein neues Leben anfangen und sich von ihrem Ex-Mann trennen. Die Scheidung läuft.

Schweiz aktuell, 13.10.2020, 19:00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Und was auch des öfteren unter den Teppich gekehrt wird: Es gibt auch viele Männer, die von ihren Frauen drangsalier und mit physischer und psychischer Gewalt konfrontiert sind. Diese werden oft nur ausgelacht und ignoriert, auch von Polizei und Behörden. Männerhäuser sind eine exotische Seltenheit, und werden vom Staat nicht unterstützt. Da sieht man ziemlich gut, dass das mit der Gleichberechtigung zumeist nur einen Einbanhstrasse für Frauen ist, und Männer latent generalverdächtig werden.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Ein liberaler Rechtsstaat ist auf die Initiative seiner Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Die Präambel unserer Bundesverfassung sagt dies schon klip und klar. Dass nämlich frei nur ist, wer die Freiheit gebraucht. Das rechtgertigt natürlich keineswegs Gewalt und Unterdrückung, es zeigt allerdings das Grundprinzip unseres Rechtsstaates. Der Staat war und ist nicht als übermächtiger Vater konstruiert, der immer, überall für alle schaut. Die Leute sind in letzter Konsequenz selber verantwortlich.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es ist beschämend, dass die Schweizer Justiz, die Gesetzgeber-macher, weiterhin Gewalttaten, Sexualstraftaten jeder Abart, viel zu "human" behandeln! Verhätschelung dieser "Spezies" von der unfähigen "Kuscheljustiz" und deren psychologischen GutachternInnen = Verharmlosung der Straftat an Opfern!?
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