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Schweiz Ab 50 wird die Jobsuche harzig

Trotz besten Qualifikationen und jahrelanger Erfahrung: Ältere Arbeitslose suchen im Schnitt anderthalb Mal länger eine neue Stelle als ihre jüngere Konkurrenz.

Legende: Video Schwierige Jobsuche mit 60 abspielen. Laufzeit 3:56 Minuten.
Aus 10vor10 vom 17.06.2014.

Drei von vier Schweizern im Alter von 50 bis 64 Jahren sind bestens in den Arbeitsmarkt integriert. Im internationalen Vergleich ist das ein Spitzenwert. «Gegenüber den jüngeren Alterskategorien sind Ältere nicht stärker von Arbeitslosigkeit betroffen», sagt Antje Baertschi vom Staatssekretariat für Wirschaft (Seco). Im Gegenteil: 2013 betrug die Quote bei den über 50-Jährigen 2,6 Prozent und war damit 0,6 Prozentpunkte niedriger als der schweizerische Durchschnitt.

Das Problem der Älteren ist ein anderes: Verliert eine Person über 50 Jahre ihre Stelle, fällt es ihr vergleichsweise schwer, einen neuen Job zu finden. Gemäss Seco machen die über 50-Jährigen rund 41 Prozent (2013) aller Langzeitarbeitslosen aus. Im Schnitt sucht ein Schweizer 7,5 Monate für eine neue Stelle. Bei den 50+ dauert die Suche anderthalb Mal länger.

Mann prüft freie Stellen im RAV.
Legende: Mit zunehmendem Alter dauert die Stellensuche länger. Reuters

Das Problem mit der 5 auf dem Rücken

Arbeitslose Menschen über 50 haben also mehr Mühe, eine Stelle zu finden. Und sie sind sich einig: ein grosses Problem ist ihr fortgeschrittenes Alter. In einer Umfrage geben 71 Prozent der Kandidaten an, dass sie ihre Chancen auf dem Stellenmarkt ohne die 5 auf dem Rücken wesentlich höher einschätzen würden. Verfasserin des jährlichen Bewerbungsbarometers ist die Firma Lee Hecht Harrison (LHH), eine Anbieterin von beruflicher Neuorientierung. Darin heisst es unter anderem:

  • Die Wahrscheinlichkeit, über 12 Monate beim RAV angemeldet zu sein, ist für ältere Stellensuchende «massiv höher» als für die jüngere Konkurrenz.
  • 2013 wurden 34'681 Personen ausgesteuert, über 27 Prozent davon waren 50 Jahre alt und älter.
  • Obwohl über 55-Jährige 6 Monate länger Stempelgeld beziehen können, ist der Anteil der ausgesteuerten über 50-Jährigen höher als der Anteil gleichaltriger Arbeitsloser.

Im Jahr 2013 betrafen 40 Prozent der Kündigungen Menschen über 50. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme um 10 Prozent. Insgesamt sind 23 Prozent aller Arbeitslosen 50 Jahre alt und älter, bei den Langzeitarbeitslosen beträgt ihr Anteil sogar 41 Prozent. Im Schnitt dauert die Stellensuche 9 bis 10 Monate.

Den «Altersjob» finden

Eine neue Studie zeigt Wege auf, die Altersarbeitslosigkeit zu verhindern. Autorin Margrith Stamm kommt darin zum Schluss, dass Firmen und künftige Rentner umdenken müssten, damit das vorhandene Potenzial älterer Arbeitnehmenden nicht verpuffe.

Die grössten Stärken hätten Senioren im intellektuellen und sozialen Bereich, dicht gefolgt vom sportlichen, künstlerischen und handwerklichen. Gemäss Stamm müsse jemand früh mit dem Planen anfangen, sich aktiv neu orientieren und vielleicht sogar das Hobby zum Beruf machen. Es gehe darum, sich einen «Altersjob» zu suchen, sagt Stamm gegenüber «10 vor 10».

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34 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Traurige Tatsache einer Wohlstandsgesellschaft. Motto: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan." Obwohl ja die 50+ massgeblich zu diesem Wohlstand inkl. Wirtschaftswachstum beigetragen haben. So wird es ihnen gedankt. Aber grundsätzlich schuld daran ist heute dieser angestrebte ungesunde & sehr aufgeblähte Wirtschaftswachstum & die Gier nach immer noch mehr. Und da sortiert man eben ältere Menschen, welche ein wenig mehr kosten aus. Zu Lasten dieser Arbeitnehmer, zu Gunsten eines raschen Profit.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Das ist doch sowas wie Rassendiskriminierung. Wenn einem Ausländer/einer Ausländerin die Stelle verweigert wird, weil ihr Name mit einem -ic endet, oder er/sie eine dunkle Hautfarbe hat, wird zetermordio geschrien. Doch wenn es eine ältere erfahrene Person trifft, ist das scheinbar ok.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Wir haben heute leider eine Art von Alters-Rassendiskriminierung. Grund genug auch der ECOPOP-Initiative zuzustimmen.
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    2. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      Einmal mehr vermischen sie wieder alles,um hier ihre alt bekannten & ausländerfeindlichen Parolen zu zelebrieren.Als ob die Arbeitslosigkeit von älteren Menschen so einfach auf ihre gehassten Ausländer abzuschieben wäre.Es ist nun mal ein in den Industrieländern weit verbreitetes Problem,welches es ernst zu nehmen gilt.Und unser Freund Haller schreit schon wieder nach der ECOPOP.Sie ändern mit ihrer rechtspopulistischen Einstellung nichts daran!Schade finden sie den falschen Sündenbock!
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    3. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      P.Bürger, Schaffhausen - Warum nehmen Sie es denn nicht ernst ? Warum wird rein gar nichts gemacht ? - Die Wirtschaft lernt nur durch Schaden, oder wie heisst es doch: "Durch Schaden wird man klug." Offenbar haben wir leider zu viele Bürger die man nur mit "Schaden" klüger machen kann.
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    4. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      Ich nehme die Sache sicherlich ernst,doch gehöre ich nicht wie sie zu denjenigen Menschen, die Unzulänglichkeiten nur nörgelnd anderen in die Schuhe zu schieben versucht.In meiner täglichen beruflichen Tätigkeit versuche ich hier,wenn auch im kleinen Rahmen & persönlich etwas zu bewirken.Leider stelle ich dabei fest,dass gerade Bürger mit einer Einstellung wie die ihrige,uns Unternehmern das Leben nicht einfacher gestalten indem sie nur alles schlecht reden.
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    5. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      P.Bürger, Schaffhausen - Ich kenne Bürger, die was dagegen tun, dass ü-50 bis ins ordentliche Rentenalter beschäftigt werden können. Sie jedenfalls gehören ganz sicherlich nicht dazu, sondern ganz im Gegenteil, Sie tragen sogar noch dazu bei, dass es für ü-50 sehr schwierig geworden ist !
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    6. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      Woher sie auch immer wissen,H.Haller,dass ich nichts dazu beisteure,damit Arbeitnehmern > 50 ihren Job behalten...Eines ist sicher, sie können mit ihrer rückwärts gerichteten Einstellung kein erfolgreicher Unternehmer sein.WIR BESCHÄFTIGEN ältere Menschen,doch haben wir die Erfahrung gemacht,dass es auch bei den Älteren gewisse Zugeständnisse braucht.Wer jedoch stur & unflexibel wird (sie wären so ein Kandidat), der wird Mühe haben,sich im Arbeitsmarkt zu behaupten => Partnerschaftliche Modelle!
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  • Kommentar von K.Keller, Schaffhausen
    Mein Hobby ist Radfahren, vielleicht kann ich in vier Jahren, Profi werden!
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Noch besser, Sie gehen in die Politik!:-)
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