Nein zur Einheitskasse: «Das war kein klassischer Röstigaben»

Das Volk will am System mit mehreren privaten Krankenkassen festhalten. Die Initiative «Für eine öffentliche Krankenkasse» scheitert am Volks- wie auch am Ständemehr. Politologe Claude Longchamp meint: «Man ist offenbar zufrieden, mit dem was man hat.»

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Eidg. Vorlage: Initiative «Für eine öffentliche Krankenkasse»

JA-Stimmen absolut: (932'177 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'512'496 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 38.1%
NEIN-Stimmen relativ: 61.9%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 4
NEIN-Stimmen: 19
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 31% 69% 53762 119785
Appenzell Ausserrhoden 27% 73% 4728 12810
Appenzell Innerrhoden 18.3% 81.7% 832 3726
Basel-Landschaft 35.6% 64.4% 34851 62954
Basel-Stadt 45% 55% 26600 32508
Bern 38.6% 61.4% 121710 193313
Freiburg 49.7% 50.3% 47895 48449
Genf 57.4% 42.6% 78604 58351
Glarus 33.1% 66.9% 2874 5818
Graubünden 27.3% 72.7% 14709 39075
Jura 63% 37% 15735 9252
Luzern 25.9% 74.1% 32204 92324
Neuenburg 59.6% 40.4% 33325 22610
Nidwalden 21.1% 78.9% 2924 10940
Obwalden 23% 77% 2976 9941
Schaffhausen 33.2% 66.8% 11089 22266
Schwyz 20.9% 79.1% 9992 37740
Solothurn 38.2% 61.8% 28604 46283
St. Gallen 29.3% 70.7% 40389 97500
Tessin 44.4% 55.6% 49987 62680
Thurgau 26.5% 73.5% 18046 50032
Uri 33.3% 66.7% 3323 6658
Waadt 56.2% 43.8% 123282 95915
Wallis 33% 67% 37311 75750
Zug 22.1% 77.9% 8342 29393
Zürich 32.5% 67.5% 128083 266423
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (932'177 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'512'496 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 38.1%
NEIN-Stimmen relativ: 61.9%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (932'177 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'512'496 Stimmen)
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Mehrwertsteuerinitiative Auf / Zuklappen

Eidg. Vorlage: Initiative «Schluss mit der MwSt-Diskriminierung des Gastgewerbes!»

JA-Stimmen absolut: (685'022 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'718'239 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 28.5%
NEIN-Stimmen relativ: 71.5%

Standesstimmen

JA-Stimmen: 0
NEIN-Stimmen: 23
Auflistung der Abstimmungsresultate dieser Vorlage nach Kantonen
Kanton Ja-Stimmen Prozentual Nein-Stimmen Prozentual Ja-Stimmen Absolut Nein-Stimmen Absolut
Aargau 29.9% 70.1% 51132 120014
Appenzell Ausserrhoden 27.9% 72.1% 4791 12360
Appenzell Innerrhoden 31.2% 68.8% 1410 3112
Basel-Landschaft 28.6% 71.4% 27302 68320
Basel-Stadt 28.8% 71.2% 16530 40954
Bern 26.8% 73.2% 83526 228169
Freiburg 31.1% 68.9% 29395 65142
Genf 26.9% 73.1% 35803 97419
Glarus 28.6% 71.4% 2455 6136
Graubünden 28.9% 71.1% 15173 37393
Jura 35.1% 64.9% 8485 15685
Luzern 27.6% 72.4% 34071 89155
Neuenburg 31.1% 68.9% 16933 37430
Nidwalden 30.4% 69.6% 4184 9562
Obwalden 34.9% 65.1% 4458 8307
Schaffhausen 35% 65% 11255 20931
Schwyz 30.2% 69.8% 14303 33069
Solothurn 30.8% 69.2% 22862 51311
St. Gallen 26.8% 73.2% 36392 99628
Tessin 35.3% 64.7% 38929 71329
Thurgau 27.3% 72.7% 18336 48877
Uri 35.4% 64.6% 3486 6349
Waadt 31.9% 68.1% 67873 144983
Wallis 30.2% 69.8% 33618 77836
Zug 24.2% 75.8% 9161 28691
Zürich 23.9% 76.1% 93159 296077
Kanton wählen

Endresultat

JA-Stimmen absolut: (685'022 Stimmen)
NEIN-Stimmen absolut: (1'718'239 Stimmen)
JA-Stimmen relativ: 28.5%
NEIN-Stimmen relativ: 71.5%
  • Bezirk:
    JA-Stimmen: (685'022 Stimmen)
    NEIN-Stimmen: (1'718'239 Stimmen)
Bezirksresultate verbergen Bezirksresultate anzeigen Auf / Zuklappen

Die Initiative «Für eine öffentliche Krankenkasse» ist definitiv gescheitert. 19 Kantone sagen Nein. Zudem stimmten fast zwei Drittel der Stimmberechtigten Nein zur Einheitskasse, nämlich 61,9 Prozent. So das Schlussresultat.

Absolut gesehen lehnten 1'512'496 Menschen die die Initiative ab. 932'177 legten ein Ja in die Urne. Auf Zustimmung stiess das Anliegen einzig in den Westschweizer Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg und Jura.

Knapp war das Nein in Freiburg: 50,3 Prozent waren gegen die Einheitskasse. Dagegen sagen die Tessiner klarer nein, mit 55,6 Prozent. Am deutlichsten verworfen wurde sie im Kanton Appenzell-Innerrhoden mit 81,7 Prozent Nein-Stimmen. Auch in Nidwalden, Obwalden, Schwyz, und Zug lag der Nein-Stimmen-Anteil bei über 75 Prozent.

Video «Longchamp: Es ist kein Rösti-Graben, sondern etwas anderes.» abspielen

Longchamp: Es ist kein Röstigraben, sondern etwas anderes.

4:09 min, vom 28.9.2014

Je höher die Prämien, desto mehr Ja-Stimmen

Ein Röschtigraben? «Kein perfekter», sagt Politikwissenschafter Claude Longchamp vom gfs.bern. Es fehle der Kanton Freiburg und das Wallis. Man könne aber sagen: «Diese Vorlage wurde in den verschiedenen Sprachregionen unterschiedlich gelesen.»

Doch ausschlaggebend waren andere Gründe, analysiert Longchamp. Der wichtigste Punkt: Die Höhe der Krankenkassen-Prämien in den einzelnen Kantonen.

Dort, wo die Prämienlast hoch ist, war die Bereitschaft zu einem Wechsel des Systems höher, als in Kantonen mit tieferen Prämien. «Für die Deutschschweiz stimmt diese Übereinstimmung sehr genau. Für die Westschweiz stimmt das plus-minus», so der Politologe.

Weiterer Faktor: Einkommensverteilung

Es gebe aber noch weitere Erklärungen. Besonders bemerkenswert: Je höher der Anteil Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen in einem Kanton, desto höher die Bereitschaft zu einem Systemwechsel.

Zusammengefasst lassen sich die Resultate in den Kantonen so lesen: Was vordergründig nach einem Röstigraben ausschaut, ist eigentlich ein Zeichen für die Prämienlast in einem Kanton und für den Anteil Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen.

Zufriedenheit über KVG überwiegt

Longchamp hält in einem kleinen historischen Rückblick fest: Vor 20 Jahren wurde das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) angenommen – denkbar knapp. Seither stelle man bei zahlreichen Umfragen fest: «Die Zufriedenheit über die Folgen des neuen KVG ist gestiegen; wir haben eine bessere, eine geregeltere Versorgung.»

Video «14.04 Analyse Claude Longchamp Einheitskasse» abspielen

Analyse Longchamp: Man ist zufrieden mit Status quo

2:24 min, aus Abstimmungen (teilw. in Gebärdensprache) vom 28.9.2014

Das Problem sei: Das System sei relativ teuer. Sparbemühungen gelangen bisher nicht – weder staatliche noch private. Hinzu kommt: Sämtliche Vorschläge zu Änderungen am Krankenkassen-Wesen – abgesehen vom Ja zur Komplementärmedizin – seien in den 20 Jahren des KVG gescheitert – egal aus welcher Ecke sie kamen, sagt Longchamp.

Somit scheint klar: «Man ist zufrieden mit dem, was man hat. Es gibt Ängste, dass die Leistungen vermindert werden könnten. Darum bleibt es beim Status quo.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Klares Nein zur Einheitskasse

    Aus Tagesschau vom 28.9.2014

    Im Schweizer Gesundheitssystem kommt es vorerst nicht zum Systemwechsel. Sowohl Volk wie auch die Stände wollen die 61 privaten Krankenkassen in der Schweiz nicht durch eine Einheitskasse ersetzen. Einschätzungen von Bundeshausredaktor Hanspeter Trütsch.