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1:12-Initiative Nein-Trend für 1:12-Initiative

Die von der Juso lancierte 1:12-Initiative startet mit schlechten Karten in die letzten zehn Tage vor dem Abstimmungssonntag vom 24. November. Die zweite SRG-Trendumfrage von gfs.bern sieht einen Nein-Anteil von 54 Prozent. Damit folgt auch diese Initiative dem klassischen Verlauf von Volksbegehren.

Wäre letzte Woche über die 1:12-Initiative abgestimmt worden, hätten sich 54 Prozent der Stimmberechtigten bestimmt oder eher gegen die Vorlage ausgesprochen. Das Ja-Lager vereint zurzeit 36 Prozent hinter sich. Unschlüssig sind immer noch 10 Prozent der Befragten, wie der Bericht des Forschungsinstituts gfs.bern festhält.

Legende: Video Claude Longchamp zur 1:12-Initiative abspielen. Laufzeit 2:36 Minuten.
Vom 13.11.2013.

Gegenüber der ersten SRG-Umfrage vom 18. Oktober hat die Nein-Seite von 44 auf 54 Prozent zugelegt. Entsprechen musste das Ja-Lager Federn lassen. Der Ja-Anteil verringerte sich um 8 Prozentpunkte. Dies Entwicklung vom Ja zum Nein ist der Normalfall.

Im Vorfeld wurde die 1:12-Initiative immer wieder mit der Abzocker-Vorlage von Thomas Minder verglichen. Beim aktuellen Volksbegehren zeichnet sich ein ganz anderer Verlauf ab. «Die Wiederholung einer solchen spezifischen Situation kann nicht auf dem Reisbrett geplant werden», erklärt Politikwissenschafter Claude Longchamp. Zudem gebe es einen wesentlichen Unterschied: Die Abzocker-Initiative kam von rechts und berührte vor allem auch das Denken der Rentnerinnen und Rentner. Die 1:12-Initiative sei eine Initiative für Junge und spricht die Älteren eben nicht an.

Klassisches Links-rechts-Schema

Legende: Video 1:12-Initiative chancenlos abspielen. Laufzeit 2:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.11.2013.

Bei der Konfliktanalyse wirken sich die Parteibindungen klar aus. Nach wie vor steht die Wählerschaft der Grünen hinter der Vorlage. Der Anteil der Zustimmung ist sogar noch leicht gestiegen. Die Ja-Tendenz sinkt aber bei allen anderen Parteien – so auch bei der SP. Aktuell sind 63 Prozent der SP-Wählerschaft bestimmt oder eher dafür. Im bürgerlichen Lager trumpft die FDP mit dem höchsten Nein-Wert auf. Hier wollen 79 Prozent bestimmt oder eher ein Nein in die Urne legen.

Damit ergibt sich eine klassische Links-rechts-Polarisierung. Der Abstimmungskampf hat aber dieses Spannungsfeld nicht verstärkt. Vielmehr haben die linken Parteien ein Dilemma: SP-Vertreter aus den Kantonen und Städten äusserten sich kritisch zur Juso-Vorlage und ihren Folgen.

Lateinische Schweiz knapp dafür oder gespalten

Jenseits der Parteienbindung beeinflussen die Wertvorstellungen die Stimmabsichten. Wer Gerechtigkeitsüberlegungen bei den Löhnen hoch gewichtet, ist auch weiterhin mehrheitlich für die Initiative. Nach wie vor verworfen wird die Vorlage von denjenigen, die den Lohn als Entgelt für eine entgegengebrachte Leistung ansehen.

Interessant ist auch die unterschiedliche Akzeptanz der 1:12-Initiative in den verschiedenen Sprachregionen. Knapp mehrheitlich zustimmend präsentiert sich die italienischsprachige Schweiz. Gespalten ist die französische Schweiz. In der Mehrheit ist die Gegnerschaft in der Deutschschweiz. Auch wenn die Tendenz zur Ablehnung gesamtschweizerisch wächst, könnte bei dieser Vorlage ein Röstigraben entstehen.

Erhebliche Unterschiede gibt es auch beim Alter. So sind 51 Prozent der unter 40-Jährigen für das Volksbegehren. Die Rentner sprechen sich mit 61 Prozent dagegen aus. «Zusammengefasst kann man unverändert von einem ‹linken Ja› und einem ‹rechten Nein› sprechen», stellt der Bericht von gfs.bern fest.

1 gutes Pro-Argument gegen 3 gute Contra-Argumente

Bei der Analyse der Argumente verfügen beide Lager weiterhin über mehrheitsfähige Botschaften. Auf der Ja-Seite betrifft dies vor allem der Vorwurf, exorbitante Managerlöhne seien Abzockerei. Vier von fünf Befragten stimmen dem zu. Nicht eindeutig mehrheitsfähig sind die anderen Argumente. Die Botschaft, die Initiative wirke gegen die Lohnschere, wird von den Befragten noch knapp akzeptiert. Das Argument der Lohngerechtigkeit wird aber weniger stark wahrgenommen.

Die Gegnerschaft verfügt weiterhin über drei mehrheitsfähige Argumente, deren Akzeptanz stabil oder steigend ist, wie es im Bericht heisst. Die Botschaft, Lohnpolitik sei eine Aufgabe der Unternehmer, nicht des Staates, zieht nach wie vor am besten. Aber auch das Argument, mit der Initiative hohe Steuerausfälle und Mindereinnahmen für die AHV zu verursachen, ist immer noch mehrheitsfähig.

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 1. und 8. November durchgeführt. Befragt wurden 1409 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. mehr

40 Kommentare

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  • Kommentar von P. Gutknecht, Solothurn
    Wer glaubt, dass die grossen Löhne der "Top-Manager" durch die 1:12 Initiative kleiner werden.. der irrt gewaltig aus meiner Sicht. Die finden garantiert einen Weg wie sie an das grosse Geld kommen.. am Schluss dann halt am Fiskus vorbei. Wollen wir das?! Die Minder-Initiative regelt es aus meiner Sicht.. die Aktionäre sollen entscheiden wie hoch die Saläre sein sollen - nicht der Staat!! ..und da sind wir schon beim Kern der Sache: Der grösste Abzocker von allen ist immer noch der Staat!!
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      Werden da nicht verschiede"Faktoren"miteinander"vermischt"?1...die finden immer einen Weg..Auch Diebe und Mörder finden immer einen Weg...Rechtfertigung zur Institutionaliserung des Zustandes?2...die Minder Initiative regelt..Ja,gut und richtig.Sie regelt das Aktionärsrecht.Setzt ein Signal und Grenzen.3...Staat als grösster Abzocker..Aber auch als grosser Auftraggeber und Leistungserbringer.Den Ausgabenfluss zu"kanalisieren"liegt in der Verantwortung des Volkes.Politisches Engagent ist gefragt.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      4. 1:12 -Initiative. Hat ideologischen Charakter und hinterfragt die Dimension von Leistung und Verantwortung.Hinterfragt die Polarisierung von Kapital und Macht in konzentrierter Form,und damit deren "Bremswirkung"auf eine gesunde wirtschaftliche Leistung in einem grösseren Kontext.Hinterfragt die zurückgebundene Verantwortung einer grossen Anzahl von Leistungserbringer und das Überwälzen dieser,auf wenige"Verantwortungsträger".Hinterfragt den Begriff einer sozialen Gerechtigkeit.
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  • Kommentar von T.Hofer, Rosshäusern
    @R.käser, Zürich: Ist das so zu verstehen, dass Sie sich selbst mehr als das zwölffache Ihres am niedrigsten entlöhnten Mitarbeiter ausbezahlen und dafür sind, Ihnen dies künftig zu verbieten? Ich nehme an Sie wollen eher sagen, dass Sie sich, aus löblichem Grunde des Respekts, von sich aus im Rahmen von 1:12 bewegen. Nun stellen Sie sich mal vor es kommt eine Initiative, die Ihnen bei der Ausgestaltung der Lohnpolitik genau diese, Ihrer Überzeugung entsprechenden, Freiheit nehmen möchte...toll?
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    1. Antwort von R.käser, Zürich
      Was vermögen die Zocker der Banken und Pharma leisten ohne Ihre Mitarbeiter - nicht viel! Jeder ist ein Teil vom Ganzen. Angestellte sind keine Sklaven, also sollte Ihr "Ausbeutung" sich auch in einem moralisch vertretbaren Verhältnis befinden. Wenn ich als Unternehmer meine moralische Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern ernst nehme, dann partizipieren diese am Erfolg der Unternehmung weil es unmöglich mein alleiniger Erfolg sein kann. 1:12 ist keine Einschränkung, es ist eine Leitplanke
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Auch bei einem NEIN zu 1:12 ist keine Sicherheit gegeben,dass die Steuereinnahmen und die Finanzierung der Sozialwerke(AHV,etc.)in Zukunft keine Einbussen erleiden werden.Der Gang der Wirtschaft ist von ausserordentlich vielen Faktoren abhängig.Exorbitante Gehälter haben darauf einen eher marginalen Einfluss.Das negative Signal aber,das diese Lohnungleichheit aussendet,ist was die allgemeine Arbeitsmoral betrifft,nicht zu unterschätzen.
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    1. Antwort von M. Kohler, Thurgau
      Gratuliere - Sie haben es ja verstanden dass die Wirtschaft von verschiedenen Faktoren abhängt und jawohl die einzelnen Managerlöhne haben auf die Wertschöpfung einen eher kleinen Einfluss. Aber die Vorlage beschränkt die Löhne der Unternehmer was sich auf das Kapital auswirkt. Weniger Investitionen, weniger Jobs und höhere Steuern ist das Resultat. Ich empfehle Ihnen einen Crashkurs in Economie - Sie werden schon nach der ersten Stunde die Gesamtzusammenhänge der Produktionsfaktoren verstehen.
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    2. Antwort von R.käser, Zürich
      @Kohler, danke für den THEORETISCHEN Crashkurs. In der Economie läuft aber einiges schon anders als es in den Büchern steht. Die NB sollte zB. gemäss den Büchern die Zinsen anheben, geht aber nicht = Dilemma. Im weiteren ist die Welt ziemlich gebaut und wir produzieren kurzlebigen Schrott im Namen des Wohlstandes, das wird/muss sich tot laufen. Dies wird die Produktionsfaktoren radikal verändern und spätestens dann steht eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung an, packen wir es an, 1:12 JA.
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    3. Antwort von M. Kohler, Thurgau
      Mit 1/12 wird Ihre Unzufriedenheit nicht kleiner. Da Ihnen offenbar nur noch das Praktikum fehlt empfehle ich Ihnen sich selbstständig zumachen und mit Ihrem Erfolg die Welt zu verändern. Sie haben offensichtlich die Möglichkeiten dazu, was Ihnen fehlt ist nur noch die Motivation dazu. Wer die Intelligenz hat die Welt zu verändern soll dies mit eigener Leistung auch tun und nicht einfach mit einfachen Botschaften Stimmung bei den einfachen Leuten gegen die Unternehmer machen. Da hilft niemandem!
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    4. Antwort von R.käser, Zürich
      @kohler, Als Jahrzehnte lang erfolgreicher Unternehmer bin ich aus Respekt vor den Mittarbeitern für 1:12. der Erfolg eines Unternehmers ist auch sehr in Abhängigkeit seines Personales. Das Personal soll auch mit inhaltlich positiven Provisionsanreizen zu Höchstleistungen motiviert werden. Provisionen können in jede Arbeit integriert werden. Eine Firma ist ein Getriebe wo alle Zahnräder perfekt ineinander greifen müssen. 1:12 ja aus Respekt!
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    5. Antwort von T.Hofer, Rosshäusern
      Dass das negative Signal was die Arbeitsmoral betrifft nicht zu unterschätzen ist, da geb ich Ihnen absolut recht. Ich meine, dass es sich dadurch auch ganz klar schädlich auf das generelle Wohlbefinden auswirkt. Die Lohnungleichheit ist aber bloss ein Sachverhalt, das negative Signal wird von der Juso und ihren Mitstreitern ausgesendet: Der Aufruf, Neidgefühlen freien lauf zu lassen, sowie die Hetze gegen Grossverdiener führen unweigerlich zu Missgunst, die weder motiviert noch glücklich macht.
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    6. Antwort von A.Käser, Zürich
      @m.Kohler/Kennen Sie auch das"Röhrenblick-Syndrom"?Wurde auch schon davon befallen.Macht nichts.Gehört zum Leben.Geht wie alles Andere,auch vorbei.Wenn man"drin steckt"merkt's man nicht,und danach ist man möglicherweise gescheiter.Manchmal ist's auch eine Gefühlsblockade.Das Leben eben.Oekonomie ist keine einfache Mathematik.Ursprünglich war mal der Gedanke,dass der Mensch wirtschaftet um zu(über)leben(wieso auch immer).Inzwischen hat sich diese Idee in ein undefinierbares"Etwas"verwandelt.
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    7. Antwort von R.Käser, Zürich
      @T.Hofer, Ist die Raffgier besser als die Neidgier? Ich denke bei 1:12 geht es darum, dass die ausufernde Dekadenz im Schach gehalten wird. Es ist wie eine überfüllte Autobahn mit einigen Rasern, das kommt auch nicht gut. Im weiteren, was macht ein Manager mit 50mio,? Er vergrössert seinen ökologischen Fussabdruck und wieder auf Kosten von anderen. Wir sollten uns auf ein Leben in einer überfüllten Welt einstellen und anpassen, sonst passt uns die Welt an - AUTSCH.
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