Kampagne für zweite Gotthardröhre lanciert

Eine zweite Gotthardröhre ist laut Verkehrsministerin Doris Leuthard unumgänglich – weil der Strassentunnel saniert werden muss. Dies bringe mehr Sicherheit, aber nicht mehr Lastwagen, argumentiert die Bundesrätin. Am 28. Februar wird darüber abgestimmt.

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2. Gotthard-Röhre?

1:39 min, aus Tagesschau vom 27.10.2015

Den Bau einer zweiten Tunnelröhre für den Strassenverkehr durch den Gotthard haben Bundesrat und Parlament bereits beschlossen. So soll die Nord-Süd-Verbindung aufrecht erhalten werden, während der existierende, 1980 gebaute Strassentunnel saniert wird. Nun lancierte Verkehrsministerin Doris Leuthard vor den Medien in Bern die Kampagne zum Projekt, über das am 28. Februar abgestimmt wird.

Mehr Sicherheit oder schleichende Kapazitätserhöhung?

Der neue Tunnel soll ab etwa 2020 innerhalb von sieben Jahren gebaut werden. Anschliessend würde der bestehende Tunnel gesperrt und saniert. Ab etwa 2030 sollen dann beide Tunnel je einspurig betrieben werden; die zweite Spur würde jeweils als Pannenstreifen dienen. Mit zwei einspurigen Tunneln könnten künftig Kollisionen verhindert und so die Sicherheit erhöht werden, argumentiert der Bundesrat.

Die Gegner einer zweiten Tunnelröhre glauben aber nicht, dass es beim einspurigen Betrieb bleiben wird. Sie befürchten, dass die Kapazitäten trotzdem erhöht werden. Sie hatten darum im Januar das Referendum eingereicht. Unter den Gegnern der zweiten Gotthardröhre sind die Alpeninitiative, der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) und die Parteien SP, Grüne und GLP.

Für vier Spuren braucht es eine Verfassungsänderung

Bundesrätin Leuthard betonte, dass der Gotthard-Strassentunnel enorm wichtig sei für den Zugang zu Norditalien und damit auch zum Tessin. Zu den Befürchtungen der Gegner sagte sie: «Für vier Spuren müsste die Verfassung geändert werden.» In Verfassung und im Gesetz sei nämlich vorgesehen, dass pro Richtung jeweils nur eine Fahrspur betrieben werden könne. Dies wollten weder Bund noch Kantone ändern.

Bundesrätin Doris Leuthard spricht an der Medienkonferenz.

Bildlegende: Bundesrätin Doris Leuthard lanciert die Kampagne für die zweite Gotthardröhre. SRF

Mit zwei richtungsgetrennten Tunnels könnten Kollisionen und Unglücke wie der Brand 2001 mit elf Todesopfern vermieden werden. Auf der zweiten Fahrbahn als Pannenstreifen könnten Sanität und Feuerwehr schneller zu einer Unfallstelle gelangen, erklärte Leuthard.

Ausserdem werde das seit 2001 praktizierte Dosiersystem für Lastwagen im Gesetz verankert. Dieses sorge dafür, dass nie zu viele Lastwagen gleichzeitig im Tunnel seien und diese einen Mindestabstand einhielten.

Zweite Röhre nachhaltiger als Bahnverlad

Für den Bau der zweiten Röhre sowie der Sanierung des bestehenden Tunnels sind insgesamt 2,8 Milliarden Franken vorgesehen. Das sei zwar mehr als eine alternative Lösung mit einem Bahnverlad, die ungefähr 1,5 Milliarden Franken kosten würde.

Diese Investition in eine zweite Tunnelröhre sei aber nachhaltig, sagte Leuthard weiter. Denn eine Sanierung des bestehenden Tunnels stehe auch zukünftig alle 30 bis 40 Jahre an. Dann könnte die zweite Röhre wieder genutzt werden. Bei einem temporären Bahnverlad für Motorfahrzeuge müsste diese Infrastruktur mit grossem Bodenbedarf jeweils auf- und abgebaut werden.

Die Vorsteherin des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) versicherte zudem, bestehende Strassenbauprojekte würden unter dem Bau einer zweiten Röhre nicht leiden. Engpässe würden wie geplant behoben. Auch die Verlagerung der Güter von der Strasse auf die Schiene sei dadurch nicht gefährdet.

Tessin appelliert an Solidarität

Der Tessiner Staatsrat Claudio Zali appellierte vor den Medien an die Solidarität der Schweiz: «Für das Tessin ist der Gotthard kein Ferientunnel, sondern Alltag.» Werde der Tunnel für eine Sanierung geschlossen, verliere der Kanton die Strassenverbindung zum Rest der Schweiz. «Kein anderer Kanton wäre bereit, darauf zu verzichten.»

Der Bündner Regierungsrat Mario Cavigelli sagte, bei einer Schliessung könne Graubünden den Umweg-Verkehr nicht absorbieren. Ein Teil der Lastwagen und Autos dürften dann auf die San-Bernardino-Strecke ausweichen. Diese sei schon heute bei einer leichten Kapazitätserhöhung überlastet und im Winter gerade für Lastwagen nur beschränkt befahrbar.