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Fortpflanzungsgesetz Das Nazi-Trauma um die Fortpflanzungsmedizin

Die Westschweiz ist gegenüber der Fortpflanzungsmedizin offener eingestellt als die Deutschschweiz. Spätestens seit der letzten Abstimmung zum Thema vor einem Jahr ist das offensichtlich. Alt CVP-Nationalrat Jacques Neirynck erklärt, warum das so ist.

Ärztin schaut in Computer, darin Bild von Zellen
Legende: Vom Nachbar beeinflusst: In Frankreich ist die Prämiplantationsdiagnostik bereits seit 20 Jahren zugelassen. Keystone

Mit 62 Prozent Ja-Anteil hat das Schweizer Stimmvolk vor einem Jahr der Verfassungsänderung zur Präimplatationsdiagnostik zugestimmt. Am 5. Juni wird nun über das Ausführungsgesetz dazu abgestimmt. Auffällig war vor einem Jahr, dass der Ja-Anteil in der Westschweiz deutlich höher war als in der Deutschschweiz.

Für den Waadtländer alt CVP- Nationalrat Jacques Neirynck war das Abstimmungsergebnis letztes Jahr keine Überraschung: Fast 80 Prozent der Westschweizer in den Städten und Agglomerationen stimmten zu. Auch in den ländlicheren Gemeinden lag der Ja-Anteil mit 71 Prozent klar über dem Schweizer Mittel.

Einflüsse aus Deutschland und Frankreich

Der Einfluss von Frankreich sei in der Westschweiz deutlich spürbar, sagt er. In Frankreich ist die Prämiplantationsdiagnostik schon seit über 20 Jahren zugelassen. Die Deutschweizer hingegen würden eher von der Haltung in Deutschland beeinflusst. Dort ist die Präimplantationsdiagnostik seit fünf Jahren zwar auch zugelassen, wenn auch mit strengeren Regeln als in Frankreich. Aber der öffentliche Diskurs sei ein ganz anderer.

Die Nazivergangenheit habe Deutschland stark geprägt. Das habe er während seiner Jahre als Nationalrat immer wieder gespürt, wenn es um das Thema Fruchtbarkeitsmedizin ging, sagt Jacques Neirynck. «Deutschland ist von der Vergangenheit traumatisiert, von den Rassen- und Genexperimenten im Nationalsozialismus. Im ganzen deutschsprachigen Raum reagieren die Leute deshalb viel sensibler auf dieses Thema.»

Deutschland ist von den Rassen- und Genexperimenten im Nationalsozialismus traumatisiert.
Autor: Jacques NeirynckAlt CVP-Nationalrat, Waadtland

Ob eine entsprechende Gesetzesänderungen nicht irgendwann zu Eugenik führen könnte, wird dort laut Neirynck intensiv diskutiert. Die Franzosen hingegen seien nicht traumatisiert und überhaupt nicht sensibilisiert. Weil sich die Romands an dieser Haltung orientierten, sei das Thema in der französischsprachigen Schweiz viel weniger umstritten als in der deutschsprachigen Schweiz, ist Neirynck überzeugt.

Nicht zuletzt durch die Medien sind es also Deutschland und Frankreich, die in ihrem Sprachraum einen grossen Einfluss haben und dafür sorgen, dass die französischsprachige Schweiz gegenüber der Fruchtbarkeitsmedizin liberaler eingestellt ist als die deutschsprachige Schweiz.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Srdjan Dragojevic (Sergio)
    Herzlich willkommen in der Gattaca-Gesellschaft. Eugenik ist also wieder im Trend.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (Future)
    Allein schon, wer auf diese abartige Idee kommt, ist mehr als nur fragwürdig! Dabei geht es einmal mehr um unmenschliche "Wissenschafts-Neugierde", welche auf Volkskosten getätigt werden will. Deshalb ein klares NEIN!! Die Tausenden von absolut unsinnigen, da nicht relevanten, abartigen, tierquälerischen Tierversuche, zeigen seit Jahren auf, wie krank gewissenlose "homo sapien" sind! NEIN!!
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Die Deutschschweizer sind in der Meinungsbildung viel unabhängiger, als dass wir uns an den Traumata Nazi-Deutschlands orientieren würden. Ausserdem haben die Nazis ja nicht nur diese medizinischen Experimente systematisch durchgeführt, sondern quer durch die gesamte Landschaft der Humanmedizin. In diesem Sinne könnte die Schweiz die Möglichkeiten der gesamten modernen Humanmedizin verweigern. Jeder darf einen praktizierenden Arzt in der Familie fragen. Oder google-n.
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