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Initiative Grüne Wirtschaft Anfangs-Euphorie für «Grüne Wirtschaft» schwindet

Die Volksinitiative für eine ressourceneffiziente Wirtschaft geniesst nach wie vor viel Sympathie. Jedoch haben im Verlauf des Abstimmungskampfes auch die Gegen-Argumente ihre Wirkung entfaltet: Die 61-prozentige Zustimmung bei der ersten SRG-Trendumfrage ist um 10 Prozentpunkte eingebrochen.

Nach einem fulminanten Start verliert die Volksinitiative «für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft» zunehmend an Unterstützung. Wäre Anfangs September abgestimmt worden, hätten laut der zweiten SRG-Trendumfrage noch 51 Prozent der Stimmberechtigten Ja gesagt.

Legende: Video «Ein Nein scheint klar wahrscheinlicher als ein Ja» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 14.09.2016.

Innert eines Monats ist das Ja-Lager damit um 10 Prozentpunkte geschrumpft, die Gegner haben im gleichen Zeitraum um 14 Prozentpunkte zugelegt. 11 Prozent der Befragten sind noch unentschlossen.

Setzt sich der Trend – wie bei Volksinitiativen üblich – auch in der Schlussphase des Wahlkampfes fort, «dann scheint ein Nein klar wahrscheinlich», sagt gsf.bern-Politikwissenschafterin Martina Mousson.

gfs.bern erwartet Ablehnung

Erstmals hat das Forschungsinstitut gfs.bern im Hinblick auf den Abstimmungssonntag eine Extrapolation auf der Basis der zwei SRG-Trendbefragungen vorgenommen. Demnach ist für die Initiative «Grüne Wirtschaft» ein Nein-Anteil zwischen 52 und 54 Prozent zu erwarten.

Ganz ausgeschlossen werden könne aber auch ein Ja noch nicht, sagt Mousson. Insbesondere angesichts einer für diesen Zeitpunkt noch nicht sehr gefestigten Meinungsbildung.

Grüne Argumente sind unbestritten

Zu Beginn des Abstimmungskampfes waren die Argumente der Initianten auf ausserordentlich breite Zustimmung gestossen. Dies gilt weiterhin: Rund 70 bis über 80 Prozent der Befragten wollen die Lebensgrundlagen für künftige Generationen erhalten, mehr Nachhaltigkeit und Innovationen im Umweltschutz.

Gleichzeitig reicht diese Überzeugung für eine schnell wachsende Minderheit nicht mehr, um der Initiative zuzustimmen. Die Gegenargumente hätten im Verlaufe des Abstimmungskampfes deutlich an Schlagkraft gewonnen, sagt Mousson: «Man möchte die Schweizer Wirtschaft zwar nachhaltiger gestalten, hat gleichzeitig aber auch Ängste, dass dies der Wirtschaft schaden könnte.» Auch eine Bevormundung der Konsumenten stehe für viele der Befragten den grundsätzlich geteilten Umweltschutz-Argumenten entgegen.

Rechte dagegen, linke dafür

Gleichzeitig bestätige sich, dass sich neben inhaltlichen Argumenten auch die Parolen der Parteien auf das Stimmverhalten ihrer Anhänger auswirkten, sagt Mousson: «Das sieht man bei dieser Initiative im bürgerlichen Umfeld.»

Legende: Video «Parteiparolen entfalten ihre Wirkung» abspielen. Laufzeit 00:43 Minuten.
Aus News-Clip vom 14.09.2016.

Fand die grüne Initiative unter den SVP-nahen Stimmbürgern vor einem Monat noch eine relative Mehrheit, wollen nun 55 Prozent dieser Wählergruppe ein Nein in die Urne legen. Auch bei der FDP-Basis sank die Zustimmung von ursprünglich 54 auf heute noch 40 Prozent.

Die grösste Zustimmung findet die Initiative der Grünen bei der eigenen Wählerschaft: 82 Prozent der Partei nahe stehenden Stimmbürger hätten Anfangs Monat mit Ja gestimmt. Immerhin auf 74 Prozent Ja-Anteil kommt die Vorlage bei der SP-Basis. Eine grosse Gruppe noch Unentschlossener findet sich mit 23 Prozent bei den parteiunabhängigen Wählern.

Viele Unentschlossene bei CVP-Wählern und Parteiungebundenen

Noch spricht sich auch eine Mehrheit von 56 Prozent der CVP-Wähler bestimmt oder eher für die «Grüne Wirtschaft» aus. Definitiv auf ein Ja festgelegt haben sich jedoch erst 14 Prozent von ihnen, während 25 Prozent sicher Nein sagen wollen. Der Trend geht aber auch an der CVP-Basis deutlich in Richtung Nein. «Die CVP-Wähler allein werden das Steuer wohl kaum noch rumreissen», sagt Mousson.

Die besten Chancen, noch Stimmen zu gewinnen, haben die beiden Lager in der Schlussphase des Abstimmungskampfes bei den parteiungebundenen Stimmbürgern. Von ihnen haben sich 60 Prozent noch nicht definitiv festgelegt, so viele wie in keiner anderen Wählergruppe.

Röstigraben und Generationen-Konflikt

Unterschiede offenbaren sich zwischen den Sprachregionen: Während in der Deutschschweiz lediglich noch 49 Prozent der Befragten die Initiative befürworten, sind es in der Westschweiz 57 und im Tessin immerhin noch 52 Prozent. Zudem ist der Anteil der noch nicht definitiv Entschlossenen hier deutlich grösser als in den deutschsprachigen Landesteilen.

Noch unterschiedlicher beurteilen Alt und Jung das Volksbegehren. Es tut sich ein veritabler Graben zwischen den Generationen auf. Während 58 Prozent der unter 39-Jährigen die «Grüne Wirtschaft» befürworten, ist die Zustimmung unter Pensionierten seit der ersten SRG-Trendumfrage um 22 Prozentpunkte auf noch 45 Prozent eingebrochen.

Eckwerte der SRG-Umfrage

Die Umfrage wurde im Auftrag der SRG SSR vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 31. August und 8. September 2016 durchgeführt. Befragt wurden 1415 Personen. Mehr zur Methodik.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von F. Rudin  (F. Rudin)
    Beim Kassensturz gibt es immer wieder Berichte über Leute, die auf Hochglanzprospekte und unrealistische Versprechen hereinfallen. Diese Initiative verspricht viel, hat aber keinen einzigen Lösungsansatz, wie dies ohne massive Einschränkungen erreicht werden soll. Im Gegenteil, die Grünen vergrössern mit ihren Nein-Parolen zur MEI und Ecopop den Fussabruck laufend. Ich bin erstaunt wie viele Leute auf den Bluff der Grünen hereinfallen. Die Innovation soll’s richten steht im Hochglanzprospekt.
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    1. Antwort von F. Rudin  (F. Rudin)
      Innovation lässt sich nicht verordnen! Sonst hätten einige schon Batterien mit 10 x grösserer Kapazität und kleinerem Volumen erfunden. Und noch vieles mehr. Die wirklich guten Ideen kommen nicht von den Grünen. Im Gegenteil, die Grünen werden mit grünklingenden Versprechen viel Geld für ihre undurchführbaren, phantasievollen Doktorarbeiten und Projekte verbraten um dann zu floppen. Bitte nicht mit Steuergeldern Lotto spielen, um am Ende mit nichts dazustehen.
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  • Kommentar von F. Rudin  (F. Rudin)
    Die Umwelt ist mir mehr wert, als den Grünen! Haben Sie bei Ecopop/MEI Ja gestimmt? Oder waren Sie für die Zubetonierung wie die Grünen? Kaltduschen sei nicht nötig, aber eine Einwanderungsbegrenzung zu Gunsten der ohnehin überlasteten Natur wird abgelehnt! ?? Prestige-Projekte wie Solar-Impuls mit Steuergeldern finanzieren ist auch nicht zielführend. Konkrete Lösungen bieten die Grünen keine an. Hier geht es mehr um das Grünwaschen ihrer Weste, als um einen brauchbaren Vorschlag.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Bravo!
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  • Kommentar von Hans-Georg Kessler  (Hans-Georg Kessler)
    An die GegnerInnen der Initiative: Bitte lesen Sie erst den Initiativ- (Verfassungs-)Text: Dann sehen Sie, dass die von den Gegnern vorgebrachten Befürchtungen betreffend Mehrkosten und zu viel neuen Vorschriften übertrieben sind. Das Parlament macht ja die Gesetze... Und ja: wenn wir ökologischer wirtschaften wollen, dann geht es nicht ohne Einschränkungen. Aber eingeschränkt werden muss die Masslosigkeit - und da ist wirtschaften und konsumieren mit Mass nicht betroffen.
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    1. Antwort von F. Rudin  (F. Rudin)
      „…, dann geht es nicht ohne Einschränkungen. Aber eingeschränkt werden muss die Masslosigkeit - und da ist wirtschaften und konsumieren mit Mass nicht betroffen.“ Stellen sie sich eimal vor, sie wären statt 180 cm nur noch 60 cm gross (Reduktion um 67 %). Glauben Sie wirklich den Lügen der Grünen, dass es ohne Kaltduschen, und massive Einschränkungen geht? Mit solchen Behauptungen haben die Grünen wahrlich die Glaubhaftigkeit verloren. Wenn sie wenigstens ehrlich wären, könnte man Ja sagen.
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