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Schweiz AHV-Minus wegen Börsenverlusten?

Mit ihren Kapitalanlagen haben die Schweizer Sozialversicherungen im vergangenen Jahr gut 300 Millionen Franken verloren. Anders als im Vorjahr kann die AHV damit das zu erwartende negative Umlage-Ergebnis nicht mehr mit Kapitalgewinnen wettmachen.

Illustration eines lesenden älteren Mannes
Legende: Die 1947 mit einem Plakat von Hans Erni beworbene und 1948 eingeführte AHV bedarf dringender Reformen. Keystone

Die AHV ist dringend auf Einnahmen aus ihren Kapitalanlagen angewiesen. So bewahrte sie 2014 die Rendite aus dem Ausgleichsfonds trotz Mehrausgaben von 320 Millionen Franken im Vergleich mit den eingenommenen Beiträgen vor roten Zahlen.

Die AHV wird voraussichtlich in die roten Zahlen rutschen und ihr Vermögen erodiert.
Autor: Marco NetzerVR-Präsident Compenswiss

Derart den auch für 2015 erwarteten Verlust bei der Umlage aufzufangen, wird jedoch nicht mehr möglich sein. Hatten die Kapitalanlagen von AHV, IV und EO 2014 noch eine Rendite von 6.5 Prozent abgeworfen, resultiert 2015 eine Negativrendite von 0,92 Prozent. Bei Anlagen von insgesamt rund 30 Milliarden Franken beläuft sich der Verlust der Sozialversicherungen somit auf 304 Millionen.

Es ist das erste Mal, dass die Ausgleichsfonds der Sozialversicherungen hohe Verluste schreiben. Rückläufige Aktienmärkte und die Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze hätten sich negativ auf das Ergebnis ausgewirkt, begründet Compenswiss, so der Sammelname der Ausgleichsfonds, das negative Ergebnis. Ausserdem habe seine Institution drei Millionen Franken an Negativzinsen zahlen müssen, sagt Compenswiss-Verwaltungsratspräsident Marco Netzer.

Auch 2016 kaum eine positive Rendite

Und auch im laufenden Jahr werde es erneut schwierig, eine positive Rendite zu erwirtschaften. Zumal Sozialversicherungsgelder nicht in vergleichsweise riskanten strukturierten Produkten und Beteiligungsgesellschaften angelegt werden dürften.

Mittelfristig soll die bereits aufgegleiste Reform «Altersvorsorge 2020» Verluste der AHV mindern. Diese liegt derzeit beim Nationalrat. Allerdings drohen selbst mit der Reform ab 2030 wieder Verluste. Die definitiven Zahlen für 2015 präsentiert die AHV Ende März.

IV mit leicht weniger Verlust

Der Verlust von -0,92 Prozent bezieht sich auf die Ausgleichsfonds von AHV, IV und EO. Ohne Einbezug der Liquidiät beträgt das Minus 0,77 Prozent. Einzeln betrachtet fällt der Verlust für die AHV mit -0,97 Prozent noch höher aus. Bei der IV, deren Gelder konservativer angelegt werden, beläuft sich das Minus aus den Kapitalanlagen auf 0,70 Prozent.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Es wird noch viel grössere Verluste geben, wenn die Roboterisierung bei uns Fuss fasst. Die vielen Arbeitslosen und die Zückerchen welche die Wirtschaft Steuerlich bekommt, werden unsere AHV,IV und EL auch nicht gesünder machen. Den Reichen wird gegeben, die Andern sollen bezahlen. Ich mag allen ihren Reichtum von Herzen gönnen, wenn er seine Pflicht gegenüber dem Staat, steuerlich erfüllt. Gerechte Verteilung und allen ist geholfen.
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  • Kommentar von Edwin Habegger (vonwegen)
    Nun, der AHV Fonds hatte bisher in Fachkreisen offensichtlich einen Ruf als maximal transparent bei einer bisher ausgezeichneten 'Performance'. In vergangenen guten Jahren wurden bei Anlagen Milliarden verdient, da wäre der Millionen- Verlust von 2015 eigentlich fast ein 'Pappenstiel'. Eingewirkt haben wohl auch nicht wenig die Negativzinsen der Nationalbank. (?!) Dazu wurde eine Zeit lang mit Blick darauf diskutiert, ob sie für AHV- und Pensionskassengelder angewendet werden dürften / sollten.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Wenn schon Rentenminderung, dann für die aktuellen Rentner auch bitte. Dies verlangt die Sozialpartnerschaft so. Wir, jetzt aktiven, tragen nämlich einen unvergleichbar höheren Last, indem unser Modell nicht mehr der Einverdiener-Familienernährer ist und die Beiträge sind auch höher. Wir pendeln viel länger zur Arbeit und der Reallohn ist auch nicht mehr so hoch. Es ist keine Jammerei, will auch nicht rentnerfeindlich wirken, doch die Politik sollte schon diese Tatsachen analysieren, finde ich.
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