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Alternativen zu Fleisch Fleisch aus dem Labor kommt in drei Jahren auf den Markt

Legende: Audio Fleisch aus dem Labor kommt in drei Jahren auf den Markt abspielen.
6:59 min, aus Espresso vom 15.03.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aus Stammzellen von Tieren wächst im Labor sogenannt kultiviertes Fleisch, vorerst allerdings erst in Form von Hackfleisch.
  • Verschiedene Firmen arbeiten an der Senkung der Produktionskosten, um kultiviertes Fleisch auf den Markt zu bringen.
  • Der Pionier Mark Post ist überzeugt, dass kultiviertes Fleisch eines Tages herkömmliches Fleisch ersetzen wird.
  • Dies würde das Ende der Massentierhaltung bedeuten, welche mit wachsendem Fleischkonsum zunehmend Probleme bereitet.
  • In drei Jahren wird es hierzulande laut Mark Post erste Produkte aus kultiviertem Fleisch zu kaufen geben.

Die Massentierhaltung für den weltweiten Fleischkonsum wird immer mehr zum globalen Problem, was Tierhaltung, Umweltschutz und die Gesundheit der Menschen angeht. Bereits heute wird zum Beispiel ein Viertel der Landmasse für Tierhaltung oder für den Futteranbau gebraucht. Durch das weltweite Bevölkerungswachstum und den zunehmenden Fleischkonsum in Schwellenländern dürfte die Nachfrage nach Fleisch bis 2050 um weitere 70 Prozent anwachsen.

Forscher setzen in der Bekämpfung der globalen Probleme grosse Hoffnungen auf künstlich hergestelltes Fleisch, welches im Labor aus Stammzellen von Tieren hergestellt wird. Dass die Herstellung grundsätzlich möglich ist, hat der niederländische Forscher Mark Post und sein Team 2013 bewiesen, als sie in London den ersten künstlich hergestellten Burger der Weltöffentlichkeit präsentierten.

Aus Stammzellen wachsen Fleischfasern

In der Zwischenzeit haben das Team von Mark Post und weitere spezialisierte Firmen das Verfahren verfeinert. Grundsätzlich sei die Herstellung relativ einfach, sagt Mark Post. Aus Stammzellen von Kühen, Schweinen oder Hühnern wachsen unter den richtigen Bedingungen im Labor Fasern. Hat man genug davon, entsteht eine Art Hackfleisch, das man weiterverarbeiten kann.

Die Herstellung sei jedoch noch zu teuer, merkt Mark Post an. Mit dem technologischen Fortschritt rechnet er jedoch damit, dass die Produkte in rund drei Jahren reif für den Markt sind. Allerdings wird man diese dann noch nicht im Supermarkt finden, sondern in Restaurants und Gourmet-Läden, den Preis schätzt er dann auf rund zehn Euro pro Burger, ohne Beilagen und Zubereitung.

Menschen würden kultiviertem Fleisch den Vorzug geben

Irgendwann werden jedoch zwei Produkte im Laden sein - zum gleichen Preis: herkömmliches und kultiviertes Fleisch. Mark Post geht davon aus, dass die Vernunft der Menschen sie dann zum Fleisch aus dem Labor greifen lässt und das herkömmliche Fleisch aus problematischer Herkunft verschwinden wird.

Mit herkömmlichem Fleisch gehe es so nämlich nicht länger weiter, ist Mark Post überzeugt. Mit der stetig steigenden Fleischnachfrage würden immer mehr Probleme entstehen. Neben dem Leid der Tiere in der Massentierhaltung würden auch Probleme für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen immer drängender. Setzt sich kultiviertes Fleisch durch, würden diese Probleme auf ein Minimum reduziert.

Vorerst wird es nur Hackfleisch geben

Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst gibt es praktische Probleme zu lösen: Die Produktionskosten müssen drastisch verringert werden, Bewilligungen zum Verkauf müssen eingeholt werden – und die Menschen müssen von der Qualität des kultivierten Fleisches überzeugt werden. Zudem wird es zunächst lediglich Hackfleischprodukte geben. Ein Filet Mignon oder ein Rib-Eye-Steak sind zwar theoretisch machbar, aber noch zu komplex in der Herstellung.

26 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Uff, mein Magen sagt gleich nein zu diesem Menü.
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  • Kommentar von Martin Hadorn (Martin Hadorn)
    Martin Hadorn Was sind die Grundlagen für diese Fleischproduktion aus dem Labor, wie sehen die Bilanzen der einzelnen Elemente ganz genau aus. Wie ökologisch ist dieses Fleisch wirklich. Wie sieht die Ökobilanz bei den Insekten eigentlich aus, diese produzieren auch Neben- und Abfallprodukte, Emissionen. Auch beim Rindfleisch werden nahezu alle Nebenprodukte weiterverwertet. Werden die in Bilanzen auch berücksichtigt? Insekten isst man samt allem.
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  • Kommentar von Walter Mathys (wmathy)
    Wie wär's denn, wenn man das Problem der Überbevölkerung an der Wurzel bekämpfen würde? An Stelle von uferlosem Aufrüsten, könnte man der Menschheit Weltweites Soziales Netz finanzieren. Ausbildung und Arbeit für alle. Das wäre auch eine Aufgabe der Kirchen Weltweit.
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