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Schweiz Alternativmedizin reisst kein Loch in die Kasse

Die sanfte Medizin wird seit Anfang Jahr wieder von der Krankenkasse bezahlt. Eine erste Bilanz zeigt: Der befürchtete Kostenschub ist ausgeblieben.

Legende: Video Komplementärmedizin nicht teurer für die Krankenkassen. abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 24.12.2012.

Der ehemalige Gesundheitsminister Pascal Couchepin hatte die alternativen Behandlungen 2005 aus dem Leistungskatalog der Grundversicherung gestrichen. Ihre Wirksamkeit sei nicht genügend nachgewiesen, die Kosten waren ein wichtiges Argument.

Im Mai 2009 stimmte das Volk aber dem Verfassungsartikel «Zukunft mit Komplementärmedizin» zu. In der Folge entschied Didier Burkhalter, ausgewählte komplementärmedizinische Methoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen. Seit dem 1. Januar 2012 übernimmt die Grundversicherung darum wieder die Kosten für Homöopathie, Phytotherapie, traditionelle chinesische und anthroposophische Medizin.

Nadeln und eine Art Rauchstäbchen auf dem Rücken einer Patientin.
Legende: Traditionelle chinesische Medizin wird seit Anfang Jahr wieder von der Grundversicherung übernommen. keystone

Viele schliessen Zusatzversicherung ab

Allerdings wird das Angebot bisher nur schwach genutzt, wie die «Tagesschau» zeigt. Definitive Zahlen liegen noch nicht vor. Aber der Trend zeigt: Die Kosten für alternative Behandlungen machen laut den grossen Krankenkassen nur wenige Promille aller vergüteten Leistungen aus.

Beim grössten Krankenversicherer CSS sind es gerade mal 8 Millionen – ein halbes Prozent der Gesamtkosten.

Laut CSS liegt es zum einen daran, dass nur eine beschränkte Anzahl der Ärzte die nötige Zusatzausbildung habe, um diese Kosten abrechnen zu können. Denn die Kosten werden nur übernommen, wenn ein FMH-Arzt mit entsprechender Ausbildung die alternativen Massnahmen verschreibt. Zum anderen würden sich viele Versicherte mit anderen Komplementärmethoden behandeln, so die CSS. Dafür würden sie Zusatzversicherungen abschliessen.

Trotz der eher geringen Nachfrage sind wohl viele Versicherte froh um das Grundangebot. Nicht alle können sich eine Zusatzversicherung leisten – oder werden dort eingenommen.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Valentin Salzgeber, Basel
    Wenn also nur ein kleiner Anteil der schulmedizinischen Leistungen Klasse 1 erreichen, ist das sicher verbesserungswürdig. Aber es heisst nicht, dass es nicht wirkt. Sondern, dass man Anreize schaffen muss, damit diese sehr aufwändigen, grossen Studien auch für alle anderen Bereiche noch gemacht werden. Als Beispiel: es gibt keine gute Evidenz dafür, dass im kalten Regen stehen Schnupfen verursacht. Darf die Ärzteschaft jetzt nicht mehr empfehlen, nasse Haare zu föhnen?
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Und dürfen dementsprechend Komplementärmediziner nicht weiter eine Behandlung auf Wunsch der Patienten durchführen, welche erfahrungsgemäss meist viel bewirken kann? Was stört ist, dass sich Behörden und/oder Schulmediziner immer wieder berechtigt fühlen, komplementärmedizinische Therapien zu verwerfen in der Überzeugung, nur die Schulmdezin sei das richtige und könne etwas bewirken. Es gibt kein schwarz-weiss, gut-schlecht-> offen sein für therapeutische Vielfalt zum Wohle der Pati...
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  • Kommentar von Valentin Salzgeber, Basel
    Sie sollten aber dennoch nicht verschweigen, dass die Gruppe mit den professionellen AkupunkteurInnen gleich gute Ergebnisse erzielte wie jene Gruppe, in der wahllos mit Nadeln rumgestochert wurde. Ich würde auch empfehlen, es auszuprobieren. Aber mit nebulösen Energieflüssen hat es definitiv nichts zu tun. Ausserdem wurde die Studie nicht unabhängig finanziert. Merkwürdig, dass Sie das nicht stört, wo sie doch den Studien der Schulmedizin genau das immer vorwerfen.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürlich
      Sie haben mit allen Einwänden absolut recht. Die Realität hat viele Aspekte und ist kaum in allen Aspekten fassbar, geschweige denn mit 500 Zeichen zu erklären. Generell sollte man zwischen der Frage nach der Wirkung (effektiv oder nicht) und nach dem Wirkungsmechanismus unterscheiden. Ist letzteres nicht nachvollziehbar (gilt auch für einige schulmed. Medikamenten!), spricht dies nicht generell gegen eine mögliche statistische und noch weniger individuelle Wirksamkeit.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Zitat H. Walach: "Es zeigt sich: es gibt 114 volle ökonomische Evaluationen und 31 davon waren von hoher Güte. 29% der Vergleiche in den Studien höherer Qualität zeigen eine Verbesserung des Gesundheitszustandes bei gleichzeitiger Kostenreduktion.... Damit ist die oft zu hörende Aussage wissenschaftlich widerlegt, dass Komplementärmedizin nur Kosten in die Höhe treibt, ohne einen Vorteil zu bringen." Beitrag an einer Konferenz im EU-Parlament zur Komplementärmedizin.
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