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Zug hat erkannt: Die herkömmliche Beratung auf dem RAV hilft bei Expats nicht weiter
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 10.05.2022.
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Arbeitslose Expats in Zug Auch Expats können ihren Job verlieren – dann wird's schwierig

Der Finanz- und Rohstoffhandelsplatz Zug sucht nach Wegen, um arbeitslose Expats wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Evgeni Marzins weiss ziemlich gut, wie sich böses Erwachen anfühlt. 2013 kam der aus dem Baltikum stammende Rohstoffhändler für einen Job nach Zug, liess sich dort nieder, war guter Dinge. «Ich dachte immer, wenn ich meine Arbeit mal verliere, gibt es eine Menge anderer Firmen, die mich sofort nehmen», sagt er. «Dann verlor ich sie und musste feststellen: Stimmt gar nicht.»

Hochqualifiziert und kein Job in Sicht

Marzins – vielsprachig, hochqualifiziert – ist seit Ende 2021 auf Stellensuche. Ein neuer Job ist bislang nicht in Sicht. Er ist nicht der einzige: Wie ihm ergeht es auch vielen anderen ausländischen Angestellten, die für eine Stelle bei einem internationalen Unternehmen nach Zug kamen – als Expatriates, sogenannte Expats.

Rund 300 Expats sind im Kanton Zug im langjährigen Schnitt als arbeitslos gemeldet – ein verhältnismässig hoher Anteil, gemessen an den momentan gut 1300 Arbeitslosen insgesamt. Zurückzuführen ist dies darauf, dass im Tiefsteuerkanton Zug überdurchschnittlich viele global tätige Firmen aus den Bereichen Rohstoffhandel, Chemie und Finanzdienstleistungen ihren Sitz haben.

Fassade eines Bürogebäudes in der Stadt Zug.
Legende: Glitzernde Fassaden und Bürotürme: In Zug haben zahlreiche internationale Unternehmen ihren Sitz – entsprechend international ist auch die Belegschaft. Keystone

Zug erkannte früh, dass für Arbeitslose mit internationalem Hintergrund die übliche Unterstützung durch das RAV nicht ausreicht. 2018 startete der Verein für Arbeitsmarktmassnahmen (VAM) ein Pilotprojekt, um englischsprachige Expats besser wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern zu können, etwa durch spezifische Beratungen.

Häufig fehlt Expats das Beziehungsnetz

Diese Bemühungen wurden nun noch einmal verstärkt. Das zeigt sich auch an der Zuger Jobmesse vom Dienstag, an der Stellensuchende auf Jobvermittler und Firmen auf Personalsuche stiessen. An Vorträgen auf Englisch erhielten Expats dort Informationen zum Zuger Stellenmarkt, zu den Modalitäten der Bewerbungsverfahren hierzulande, sie bekamen Bewerbungstipps – und wurden aufgerufen, sich Netzwerke aufzubauen.

In einem Saal blickt das Publikum während eines Vortrags auf die Leinwand.
Legende: «Active Networking is KEY»: An der Zuger Jobmesse fanden Vorträge auf Englisch statt – zugeschnitten auf arbeitslose Expats. SRF

Denn dies, sagt VAM-Präsident Gianni Bomio, sei häufig eine Schwäche der Expats. «Praktisch ihr ganzes Beziehungsnetz bezieht sich auf die Arbeit. Verlieren sie diese, ist auch das Netz weg.» Und damit auch die Möglichkeit, über soziale Kontakte von freien Stellen zu erfahren oder die Aufmerksamkeit eines potenziellen Arbeitgebers zu wecken.

Verlieren Expats die Arbeit, ist oft auch das ganze Beziehungsnetz weg.
Autor: Gianni Bomio Präsident Verein für Arbeitsmarktmassnahmen Zug

Der arbeitslose Rohstoffhändler Evgeni Marzins sieht die Wichtigkeit eines Netzwerks ein. «In unserem Bereich ist das oft die einzige Möglichkeit, um überhaupt von freien Stellen zu erfahren», sagt er.

Erschwert werde die Stellensuche aber dadurch, dass die meisten Expats stark spezialisiert seien. «Ich bin Rohstoffhändler, und die Schweiz ist gross im Rohstoffhandel. Aber ich habe mit Benzin gehandelt – ich kann jetzt nicht einfach auf Metalle umsatteln, das ist eine andere Tätigkeit.»

Nicht alle Expats ziehen von einem Land ins andere

Viele Expats, die ihre Stelle verloren haben, suchen daher im Ausland nach Jobs in dem Bereich, in dem sie spezialisiert sind. Aber längst nicht alle, sagt Gianni Bomio vom Verein für Arbeitsmarktmassnahmen. Vielen gefalle es hier, sie wollten in der Schweiz, in Zug bleiben. Und Bomio zeigt sich überzeugt: «Zug ist ein sehr attraktiver Arbeitsmarkt, und wenn wir den stellenlosen Expats dabei helfen, können hier viele wieder beruflich Fuss fassen.»

Evgeni Marzins ist froh um diese Hilfe. Ja, sagt er, im schlimmsten Fall müsse er sich in einem anderen Land einen neuen Job suchen. «Aber mir gefällt es hier, ich möchte bleiben. Wenn es mit der Stellensuche nichts wird, versuche ich es mit einer eigenen Firma. Erst dann gehe ich.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 10.05.2022, 17:30 Uhr;

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