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Arbeitszeit in Landwirtschaft Die 55-Stundenwoche steht zur Disposition

Legende: Audio Diskussionen um kürzere Arbeitszeiten für in der Landwirtschaft Beschäftigte abspielen. Laufzeit 2:56 Minuten.
2:56 min, aus HeuteMorgen vom 01.03.2018.
  • Die Gewerkschaften pochen auf einer Senkung der Arbeitszeit in der Landwirtschaft auf unter 55 Stunden.
  • Derzeit sprechen die Sozialpartner im Kanton St. Gallen miteinander über eine maximale Arbeitszeit von 50 Stunden pro Woche.
  • Das Verhandlungsergebnis dürfte Auswirkungen auf die ganze Deutschschweiz haben.
  • In der Westschweiz liegt bereits eine Einigung vor: Dort wird die maximale Arbeitszeit für Landwirtschaftsangestellte auf 45 Stunden gesenkt.

Die Arbeitstage auf einem Bauernhof sind lang. Darin sind sich die Sozialpartner einig. Allerdings scheiden sich die Geister bei der Frage, wie lange ein Angestellter fürs Kühe melken und fürs Gülle ausbringen eingespannt werden darf.

Bauernfamilie muss länger ran

Der Bauernverband als Arbeitgebervertreter sieht keinen Anlass, die Wochenarbeitszeit von 55 auf 50 Stunden zu reduzieren. «Wenn die Angestellten noch weniger Arbeitszeit leisten, ist die übrige Arbeit von der Betriebsleiter-Familie zu bewältigen», sagt Peter Nüesch. Der Präsident des Bauernverbands im Kanton St. Gallen betont, dass sich die Arbeit nicht von selber erledige.

Erntehelfer in grünen Shirts stechen zwischen Plastikreihen Spargeln.
Legende: Die Arbeitszeit von Landwirtschaftsangestellten soll auf unter 55 Stunden pro Woche sinken. Imago

Im Übrigen kritisiere kaum ein Angestellter die langen Arbeitstag, so Nüesch. Hier hakt die Gewerkschaft ein. Für sie ist klar, weshalb sich die Angestellten nicht beschweren: Die Bauernarbeiter seien ihren Arbeitgebern nahezu ausgeliefert und hätten kaum Mittel, um sich zu wehren.

Auch Angestellte sollen profitieren

Ausserdem vereinfache der technologische Fortschritt die Arbeit auf dem Bauernhof, so die Gewerkschaft. Das müsse auch den Angestellten in Form von kürzeren Arbeitszeiten zu Gute kommen. Roland Häberli, Interimspräsident der Bauerngewerkschaft im Kanton St. Gallen, sagt: «Die Landwirtschaftsangestellten müssen einen Vorteil von der Mechanisierung haben.»

Anständige Arbeitsbedingungen sind eine öffentliche Aufgabe.
Autor: Paul RechsteinerSP-Ständerat und Präsident des SGB

Schützenhilfe erhält Häberli vom obersten Gewerkschafter der Schweiz, Paul Rechsteiner. Der St. Galler SP-Ständerat appelliert in der Sache an die Kantonsregierungen. Denn diese müssen die Einzelarbeitsverträge für landwirtschaftliche Angestellte gutheissen. «Es ist eine öffentliche Aufgabe, sich um anständige Arbeitsbedingungen zu kümmern», so Rechsteiners Argument.

Derzeit sieht sich der zuständige St. Galler CVP-Regierungsrat Bruno Dammann allerdings noch nicht in der Pflicht. Man habe beiden Parteien mitgeteilt, dass sie zuerst zusammen über das Thema sprechen müssten. «Danach sollen sie uns einen Vorschlag unterbreiten», so Dammann.

Signal für die ganze Deutschschweiz

Der weitere Verlauf der Gespräche im Kanton St. Gallen wird von den nationalen Sozialpartnern mit Interesse verfolgt. Wird die Wochenarbeitszeit in der Ostschweiz auf 50 Stunden gesenkt, dann dürfte das die bevorstehenden Diskussionen in den Kantonen Zürich und Bern beeinflussen. Die 50-Stundenwoche für Angestellte könnte so schon bald für alle Bauernhöfe in der Deutschschweiz als Richtwert gelten.

Bereits neu ausgehandelt sind die Verträge in der Westschweiz. In den Kantonen Genf und Waadt arbeiten Angestellte auf Landwirtschaftsbetrieben künftig maximal 45 Stunden pro Woche.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Arbeitstage auf einem Bauernhof sind lang. Harte Arbeit, schlechte Entlöhnung und viel zu lange Arbeitszeiten. In Landwirtschaftsbetrieben sollte maximal 48 Stunden pro Woche gearbeitet werden. Alles andere ist Ausbeutung. Menschen sind als Sklaven zu beaqhndeln. Kassensturz berichtete bereits über krasse Fälle auf Bauernhöfe. Zu hoffen, dass die Betriebe laufend kontrolliert werden gegen Verstösse.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Es braucht gerade im Agrarbereich andere Modelle. Denn viele Junge Menschen wollen bauern und suchen Wege, um diese oft unglaubliche Selbst - und Fremdausbeutung nicht zur Norm werden zu lassen und weiter zu propagieren. Die Arbeit muss von uns allen neu mitgedacht werden. Die Hierarchisierung von Erwerbsarbeit, als DIE Einzig Legitime, kann sich so eh nicht mehr halten. Denn Arbeit gibt's genug. Tätigsein, gehört wie Atmen zum Menschen ... die Loharbeit sollte nur einen Teil davon ausmachen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Jedes Angestellten-/Arbeitsverhältnis ist eine Beziehung unter Ungleichen. In Zeiten des Wachstums und der Vollbeschäftigung tritt dies eher in den Hintergrund. Doch diese Zeiten sind vorbei. Denn die Arbeitslosigkeit ist strukturell. Auch ist sie im kapitalistischen Wirtschaften erwünscht. Denn dann spielt dieses Kräfteverhältniss noch mehr zu Gunsten All derer, die sich Arbeitskräfte 'kaufen', die 'anstellen' können. Es geht um die gerechtere Verteilung von Arbeit, Kapital und Ressourcen.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Sobald Auslaender betroffen sind, wird hingeschaut. Schweizer Verdingkindsklaven mussten von 4 bis 20 Jahren fast rund um die Uhr und den Kalender auf Bauernhoefen ihre Seele ermorden lassen. Und dass die immer weniger Ueberlebenden heute mit einem einstelligen Rappenbetrag pro Zwangsarbeitsstunde beleidigt statt entschaedigt werden sollen, laesst die SMM auch kalt. Dafuer werden von Peking ueber das Mittelmeer bis Santjago umfallende Reissaekce fast taeglch kampagniert....
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