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Schweiz «Arena»: Littering – mit hohen Bussen gegen Abfallsünder?

In der Schweiz türmen sich in Stadt und Land immer mehr Dreck und Abfall. Littering heisst das Problem – und es verursacht Kosten in Millionenhöhe. Die Bevölkerung ist verärgert. In der «Arena» haben Politiker und Experten diskutiert: Was kann man gegen die Abfallberge tun?

Legende: Video «Arena vom 10. Mai 2013» abspielen. Laufzeit 76:00 Minuten.
Aus Arena vom 10.05.2013.

Die Schweiz versucht seit Jahren das Littering zu minimieren. Damit ist das Wegwerfen von Abfall gemeint. Eine Massnahme: die Abfallsünder büssen. Für Ursula Wyss, Gemeinderätin der Stadt Bern (SP), sind Bussen jedoch nur ein Teil der Lösung. Denn selbst dort, wo Bussen eingeführt wurden, seien die Abfallberge in Parks und Strassen nicht kleiner geworden.

Illusionen solle man sich jedoch keine machen. Nur mit Bussen lasse sich das Abfallproblem nicht lösen.

Ein Polizist müsse den Verursacher klar ausfindig machen, damit eine Busse verteilt werden könne, hält Ursula Wyss fest. Wolle man jeden büssen, würde dies einen massiven Polizeieinsatz erfordern. Der Abfall selbst koste Städte und Gemeinden 150 Millionen Franken.

Situation vor Ort betrachten

Bastien Girod, Nationalrat Grüne/ZH ist der Meinung: «Die Situation mit dem Müll hat sich verschlechtert.» Und er bestätigt: Bussen allein genügten nicht. Es sei unmöglich, hinter jedem Busch einen Polizisten zu stellen, der Abfallsünder in flagranti erwische. «Viele Leute die Abfall wegwerfen, sind sich nicht bewusst, dass sie was Schlimmes machen.» Geputzt werde ja so oder so.

Gregor Rutz, Präsident «IG Freiheit», meint, Bussen dienten dazu, Regeln durchzusetzen. Wichtiger sei aber: mit den Leuten reden, mit Wirtschaft, Verbänden und Unternehmen reden. Und die Situation vor Ort anschauen. «In Bern gibt es momentan eine regelrechte Flut von Vorstössen», sagt Rutz. Seine Meinung: Es gebe schon genug Gesetze.

Littering-Experte Till Berger zeigt sich wenig überzeugt von der Effizienz von Bussen. Zahlen und Tatsachen würden zeigen, dass Bussen nicht viel bringen. Sensibilisierung könne ein Teil der Lösung sein.

Kontakt suchen

Effizienter sei, den Kontakt mit den Verantwortlichen zu suchen, sagte Jugendarbeiter Philipp Frei (EVP/SO). Die Brennpunkte sien bekannt: Unter anderem rund um die Bahnhöfe oder um die Restaurants von McDonalds. «Wenn man den Jugendlichen jeglichen öffentlichen Raum wegnimmt, muss man sich zudem nicht wundern, wenn der Abfall überall herumliegt», so Frei.

Ab zum «fötzelen»

Müll sei nicht nur wegen der Kosten ein Problem der Gesellschaft, so Nora Steimer, Geschäftsführerin «IG saubere Umwelt». Die Müllmengen würden auch die Lebensqualität einschränken. Die hohen Kosten und die Finanzierung in der Abfallentsorgung seien Angelegenheit der Politik. Um das Problem aber an den Wurzeln zu packen, müsse man die Bevölkerung sensibilisieren.

Was also kann man nun tun gegen das Littering?  Der Aargauer Nationalrat Bernhard Guhl (BDP) regt an, man solle – inspiriert von der Schulzeit – Abfall-Sünder zum «fötzelen» schicken.

Wenige schwarze Schafe genügen

Sensibilisierungskampagnen seien aber nur begrenzt wirksam, argumentiert Ursula Wyss. Auch wenn sich 90 oder 95 Prozent der Menschen an die Spielregeln hielten; einige wenige Ausnahmen würden ausreichen, um Plätze und Parks zuzumüllen.

Über eine Massnahme im Kampf gegen den Müll herrschte Einigkeit in der «Arena»: dem Pfand. «Ein Pfand hat seine Berechtigung, insbesondere bei Festivals. «Es löst aber das Litteringproblem nicht», ist Wyss der Meinung. Gregor Rutz pflichtet ihr bei.

«Unsere Wirtschaft produziert für die Müllhalde», konstatiert Girod abschliessend. Darum brauche es Änderungen in der Wirtschaft. Er fordert eine «grüne Wirtschaft», «eine Kreiswirtschaft», in der Abfall entweder zu 100 Prozent rezyklierbar oder biologisch abbaubar ist.

52 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Da Vermüllung nicht nur ein städt.Problem darstellt,hier ein Appell an die Bauern,denen wir es spez.zu verdanken haben,dass in der CH so gebaut werden kann.Landbesitzer verraten für gutes Geld unsern Heimatboden an die Wirtschaft,an die Einwanderung.Kulturland,Siedlungen+Strassen vermischen sich,Arbeits-+Schulwege führen entlang landw.Gefilde.Verkauft kein Land mehr,benutzt in Siedlungsnähe anstelle Scheiben- die Balkenmäher.So gelangt wenigstens nicht derart zermalmter Müll ins Futter.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Sie sagen es, Frau Hermann. Es lässt sich aber noch einfacher ausdrücken: Da der Boden bekanntlich teurer ist als alles andere - so soll z.B. an unserer Bahnhofstrasse nur ein Quadratmeter mindestens 100'000 Fr. wert sein -, sind die meisten Bauern und vor allem die im Mittelland faktisch Multimillionäre auf Abruf. Ganz ehrlich: Wer kann widerstehen, wenn ein solches Angebot kommt? Wo ich aufgewachsen bin, hatten wir auch einen solchen Bauern - und heute stehen dort viele Häuser.
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  • Kommentar von Boffi Brig, Wolfsburg Deutschland
    Bussen bringen nichts. Bestes Beispiel ist Deutschland. Trotz Flaschenpfand liegen haufenweise leere Flaschen herum. Wer bringt eine leere Flasche für 8 Cent ! Pfandgebühr zurück? Ein Pfand von min. 50 Rappen würde Anreiz sein Flaschen und Dosen zurückzubringen. Menschen die auf Unterstützung angewiesen sind könnten mit herumliegenden Flaschen ihr Einkommen verbessern. Auf alle Verpackungen in Fastfood Betrieben mit einer Recyclinggebühr erheben , zweckgebunden für die Müllbeseitigung.
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    1. Antwort von Lutz Bernhardt, Kreuzlingen
      Bitte nicht verwechseln: Flaschenpfand ist keine Busse! Weiter unten hatte ich schon auf Singapur hingewiesen. Die dortigen empfindlichen Bussen haben - im Verbund mit anderen Massnahmen - das Problem gelöst. Klar tun empfindliche Bussen dem einzelnen Übeltäter weh. Aber das Problem selbst tut ja der Gemeinschaft mindestens genauso so weh!
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  • Kommentar von Andrea Bechter, Eglisau
    Etwas Littering (wenn es die Gesundheit der Tiere nicht bedroht) tut der Schweiz nicht schlecht. Das sieht wie Ferien im Süden aus. Vielleicht sollten die Bauern nicht zu nah an den Strassen grasen. Ich habe eine gute Erziehung erhalten, werfe aber trotzdem ab und zu etwas aus dem Fenster (die Männer in Orange müssen etwas zu tun haben) und spucke regelmässig auf den Boden. Und das ist gut so.
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    1. Antwort von Walter Kathriner, Sarnen
      Andrea, das ist echt Emanzipation, hopp Schwiz, holdrio!!!
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