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Schweiz Atommüll-Endlager: Nagra testet in einem Felslabor

Bei St-Ursanne (JU) betreibt der Bund ein spezielles Felslabor. In einem gesicherten Stollensystem hat die Nagra ein Experiment gestartet. Es soll zeigen, ob sich ein Tunnel mit radioaktivem Abfall sicher versiegeln lässt, und wie sich warme Metallbehälter in dieser felsigen Umgebung verhalten.

Legende: Video «Experimente im Fels» abspielen. Laufzeit 6:43 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 23.01.2015.

Die Nagra, die nationale Genossenschaft für die Lagerung radiokativer Abfälle, hat den Auftrag, die beste aller Lösungen für ein Tiefenlager in der Schweiz zu finden. Eine der wichtigsten Herausforderungen ist die Art und Weise, wie in einigen Jahrzehnten der hochradioaktive Abfall mit einer Restwärme von gegen 150 Grad Celsius im Untergrund gelagert werden kann.

Seit Jahren sind Geologen, Ingenieure und Physiker an der Planung – bald erhalten sie erste Antworten. «Mit dem Verschütten des letzten von drei grossen Metallbehältern hier im Opalinuston des Mont Terri beginnt für uns alle endlich die Phase der konkreten Daten und Zahlen», sagt Nagra-Projektleiter Herwig Müller in «Schweiz aktuell».

Blick in einen Stollen mit einer aufwändigen Verkabelung.
Legende: Ingenieure und Physiker werden mit verkabelten Messgeräten das Verhalten der Metallbehältern im Stollen beobachten. SRF

Ein Labor im Berg

Der wasserundurchlässige Opalinuston ist die Voraussetzung für ein mögliches Tiefenlager für radiokative Abfälle. Und die Schweizer Regionen, in denen Opalinuston in optimaler Dimension vorkommt, sind bekannt: Im Kanton Obwalden der Wellenberg, im Aargau die Gebiete Jura-Ost und Jurasüdfuss, im Kanton Zürich sind es die Gebiete Nördlich Lägern und Zürich Nordost und im Kanton Schaffhausen der Südranden.

Überall dort liegen die Opalinuston-Schichten in 600 bis 900 Metern Tiefe. Ganz im Gegensatz zum Mont Terri im jurassischen St-Ursanne: Beim Tunnelbau für die Autobahn A16 hat man bei der waagrechten Ausbohrung durch den Berg eine mächtige Opalinuston-Schicht entdeckt. Dies hat den Bund unter Federführung der Landestopografie Swisstopo veranlasst, parallel zum Autobahntunnel ein Stollensystem zu erstellen und ein Felslabor zur Erforschung der Opalinuston-Eigenschaften zu realisieren.

Heute laufen im Mont Terri 46 verschiedene Experimente, die auch von europäischen, asiatischen und amerikanischen Firmen oder staatlichen Forschungsstellen unterstützt und begleitet werden.

«1:1»-Experiment

Das Experiment der Nagra ist im Prinzip einfach: Drei etwa drei Meter lange Metallbehälter wurden hintereinander in der Mitte des Stollens auf backsteinartige Bentonitblöcke gestellt, und mittels einer Spezialmaschine mit langen, sich drehenden Röhren rundherum mit Bentonit-Granulat verschüttet und verstopft.

Bentonit ist ein natürliches Gestein mit ähnlichen Eigenschaften wie die felsige Opalinuston-Umgebung im Mont Terri: Sobald Feuchtigkeit auftritt, dehnt sich das Material aus und verdichtet es vollständig. «Es bestehen exakt jene Verhältnisse, wie wir sie in einem späteren Tiefenlager haben werden. Deshalb werden die Behälter ab jetzt elektrisch von innen gewärmt», erklärt Herwig Müller und zeigt während der Verschüttung auf die zahlreichen Sonden am Metallbehälter. Diese messen, ob und wie sich die felsige Umgebung der Behälter verändert.

Dieser «1:1»-Versuch, der heute gestartet wurde und ab sofort eine Fülle von Daten liefert, dauert mindestens 10 bis 15 Jahre – genügend Zeit, wenn man bedenkt, dass ein definitiver und demokratisch besiegelter Standortentscheid für ein Tiefenlager kaum vor 2030 zu erwarten ist.

21 Kommentare

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  • Kommentar von Th. Keiser, Luzern
    ... und nirgends steht etwas zu den Zuständen in den Uran-Abbaugebieten. Klar, die sind weit weg, nicht unser Problem. Und es ist ja auch nicht erwiesen, dass die Häufung von Kiefer-Gaumen-Spalten in Kirgistan einen Zusammenhang mit dem Uran-Abbau hat. Also wird weiter propagiert, dass Atomenergie günstig und sauber ist. Diese Aussage gilt nur im Vergleich zu Kohlekraftwerken und vielleicht im Vergleich zu Gaskombikraftwerken. Nur nicht verbrauchte Energie ist saubere Energie.
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  • Kommentar von Sascha Freitag, Thurgau
    Die Lösung des Problems liegt so nahe. Anstelle den Wertstoff zu vergraben, könnte man ihn auch nutzen. Selbst Aufrufe von angesehen Akademikern verhallen in unseren Breitengraden bei unseren lernresistenten Politkern. Dies aber wahrscheinlich ganz bewusst, da sie nicht wirklich Ahnung von der Materie haben.
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    1. Antwort von M.Müller, Zürich
      @Freitag, Die neuen Reaktoren haben einen höheren Wirkungsgrad, das Risikos eines Gaues bleibt und das Problem der Endlagerung verkürzt sich beschäftigt werden aber damit immer noch dutzende von Generationen nach uns. Unsere weltweiten Politverbrecher legitimieren den Generationenbetrug der Endlagerungskosten und Risiken. Unsere weltweiten Politiker sind toxischer als Plutonium, eine Verbrecherbande!
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    2. Antwort von Sascha Freitag, Thurgau
      Das Risiko ist geringer und Kernschmelzen, die beim Vorgängermodell aufgetreten sind, bedeuten keine Gefahr. Die Nachfolgemodelle werden inhärent sicher sein. Aber wir betreiben unsere alten AKWs lieber weiter, als frühzeitig effizientere und sichere Reaktoren zu bauen, und noch den alten Wertstoff zu verwerten. In Deutschland forscht man übrigens weiter, nur die Politiker sind stehen geblieben.. oder bei der Umweltlobby hängen geblieben? Studieren sie mal den Vortrag "Energiewende ins nichts"
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  • Kommentar von M.Müller, Zürich
    Mein Gott bin ich froh, dass die folgenden Generationen die Kosten zahlen sonst wäre diese Kernenergie unbezahlbar teuer! Danke an die verantwortungslosen Politiker aus SVP, FDP und CVP welche diesen perversen Generationenbeschiss organisierten - Zynismus Ende. Ich bin nicht Links, ich bin gegen diese verantwortungslose dreck Politik welche Kernenergie ohne Endlager verursacht und überhaupt nicht verantwortet!!!
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    1. Antwort von Hans Müller, Zürich
      Es waren die SP, die die Kernernergie erfolgreich in der Schweiz eingeführt haben.;) Bisschen Bildung würde nicht schaden.
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    2. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      Wenn es heute noch keine Tiefenlager gibt (es werden schon lange keine "End" lager mehr geplant) ist es einzig und allein der ideologisch bedingten Fundamentalpolitik zu verdanken, die keine Lösung will. Dafür werden heute wieder Kohlekraftwerke - eigentliche CO2-Dreckschleudern - in rauhen Mengen gebaut.
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    3. Antwort von P. Studer, Zug
      @ M.Müller. Für einmal bin ich voll einverstanden mit Ihrer Aussage! @Hans Müller. Es gab keine bestimmte Partei, die die Atomkraft eingeführt oder gefördert hat. Falsch, was Sie sagen. Aber im Moment ist die SVP die einzige Partei, die ernsthaft ein neues AKW bauen möchte: www.svp.ch. Kaum zu glauben, oder??? Wie Sie sagen, Bildung schadet nie!!
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    4. Antwort von M.Müller, Zürich
      Sehr geehrte Kommentar Kollegen, wir haben in der Schweiz durchschnittlich Sonnenenergie auf 1000m2 Fläche welche 10000 Liter Oel entspricht! Die Speichermöglichkeiten sind kein Problem: Stausee, Wasserstoff, Batterie. Der politische Energiefilz unternimmt seit Kaiseraugst alles, dass die Grüne Energie einen schweren Stand hat. Die SP u. Grünen sollen endlich höhere Stausee Projekte zu blockieren! Von Links bis Rechts haben mir eine lausige Politik => 80% raus im Wahljahr 2015!
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    5. Antwort von Urs Dupont, Küsnacht
      Hätte man vor 60 Jahren nicht angefangen weltweit im grossen Stil AKWs zu bauen (anstelle von Kohlekraftwerken), wäre heute die Luftqualität flächendecken derjenigen von Peking ähnlich. Aber gut, solange die Mehrheit noch glaubt, dass der Strom einfach so aus der Steckdose fliesst, kann ja noch werden was noch nicht ist, denn unbemerkt von der Oeffentlichkeit, feiert der Bau von Kohlekraftwerken z.Z. eine nie dagewesene Renaissance, z.B. in DE. Bravo.
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