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Schweiz «Auf keinen Fall die Prostitution verbieten!»

Staaten gehen unterschiedlich um mit der Prostitution. Schweden verbietet sie, Frankreich droht Freiern mit hohen Bussen. Ein Expertenbericht kommt nun für die Schweiz zum Schluss: Prostitution muss erlaubt bleiben und Sexarbeit darf nicht mehr sittenwidrig sein. Der Schutz der Frauen sei zentral.

Strassenstrich.
Legende: Eine Expertengruppe spricht Klartext zur Prostitution in der Schweiz: «Ein Verbot wäre absurd.» Keystone

Auf keinen Fall soll die Schweiz die Prostitution verbieten! In diesem Punkt sei sich die Expertengruppe mit Vertreterinnen aus Bund, Kantonen, Gewerkschaften und Beratungsstellen völlig einig, berichtet deren Präsidentin Kathrin Hilber. Die frühere St. Galler Regierungsrätin betont:

In der Schweiz arbeiten rund 20‘000 Prostituierte in Bordellen, auf dem Strassenstrich oder im Escort-Gewerbe. Mit einem Verbot würde die Prostitution laut Hilber weiterhin gelebt wie heute. Die Polizei und vor allem die Strafverfolgungsbehörden hätten aber einen neuen Auftrag, den sie mangels Mitteln gar nicht erfüllen könnten. «Und die Frauen wären ungeschützter, weil der Fokus auf dem Verbot liegen würde», sagt Hilber voraus.

Und das Cabaret-Statut?

Handeln möchte die Expertengruppe aber bei den über 1000 Frauen aus Russland, der Ukraine, Afrika und Lateinamerika, die Jahr für Jahr als Cabaret-Tänzerinnen legal in die Schweiz kommen – geregelt gemäss dem sogenannten Cabaret-Tänzerinnen-Statut. Seit zwei Jahren ringt der Bundesrat mit Frage, ob es dieses Sondervisum für das Rotlicht-Milieu weiterhin geben soll.

Laut Hilber muss dieses Statut abgeschafft werden, weil es die Frauen nicht schütze: «Denn die Frauen kommen zwar legal in die Schweiz, werden dann aber allenfalls unter Machteinflüssen in die Prostitution abgedrängt.»

Eine Minderheit warnt allerdings vor einer Abschaffung des Statuts. Martha Wigger als Vertreterin der Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen geht davon aus, dass viele Frauen ihre Familien nicht mehr ernähren könnten. Zudem würden trotzdem viele Frauen kommen und in der Illegalität arbeiten: «Sie könnten ihre Rechte nicht einfordern und würden dementsprechend viel mehr ausgebeutet.» Der Entscheid liegt also beim Bundesrat.

Sexarbeit ist ein Beruf und nicht sittenwidrig

Einen politischen Entscheid braucht es auch in einem weiteren Punkt: Heute können Prostituierte kaum vor Gericht ziehen und ihren Lohn von Freiern oder Bordellbetreibern einfordern. Denn Prostitution ist zwar legal, doch gelten Geschäftsbeziehungen von Sexarbeiterinnen als sittenwidrig, was ihnen den Rechtsweg versperrt.

Die Sittenwidrigkeit müsse entsprechend aufgehoben werden, fordert Hilber. Nur so werde Sexarbeit zum akzeptierten Beruf mit einklagbaren Rechten.

Hier rennt die Expertenkommission offene Türen ein: Der Bundesrat hat bereits erklärt, dass er hier handeln will. Laut Hilber am besten mit einem nationalen Prostitutionsgesetz – mit Bestimmungen zum Schutz von Sexarbeiterinnen und zur Prävention von Menschenhandel. Heute hat die Expertengruppe ihre Vorschläge abgegeben.

brut;kurn

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28 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wenn bezahlter Sex legal sein soll,dann sollte auch der selbst gewählte Freitod mit adäquatem Mittel(Natrium-Pentobarbital)legalisiert werden.Dann muss keine oder keiner mehr"hinhalten"nur damit sie oder er überleben kann.Wenn schon Freiheit für alles,dann aber richtig und konsequent.Alles andere ist janusköpfige Doppelmoral!
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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    Beschämend wie sich in diesem Forum Männer gegenseitig bestätigen, 'dass es viele Frauen gibt die das freiwillig tun', 'dass frau dabei viel Geld verdient', 'dass Prostitution natürlich ist und eine wichtige soziale Funktion erfüllt', etc. Von ignorant bis widerlich bis absurd und nichts davon ist wahr! Prostitution ist ein elender Armutsjob. Niemand macht den wirklich freiwillig und Geld verdient man damit schon gar nicht. Wer das nicht glaubt, darf gerne seine Tochter auf den Strich schicken.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt. Und sorry, aber alle Edelnutten tun es des Geldes wegen & völlig freiwillig. Es gibt sogar Studentinnen, die es freiwillig tun um ihr Studium auf diese Weise zu finanzieren. Verwerflich ist es da, wo Mädchen/Frauen durch Gewalt dazu genötigt werden. Und traurig ist es da, wo Drogensüchtige sich damit ihren nächsten Schuss finanzieren. Und es sind ja nicht nur Frauen, sondern auch viele junge Männer. Damit das auch mal erwähnt wurde!
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    2. Antwort von A.Keller, Zürich
      E.W./Aber damit Edelnutten diesem"Gewebe"nachgehen können,braucht es keine explizite Bewilligung für das Prostitutionsgewerbe.Das damit generierte Geld fliesst auch auf andere Art und Weise zurück in den Finanzkreislauf.Hier geht es um die organisierte Ausbeutung(die u.a.meistens über Drogen-Abhängigkeit erreicht wird).Soll sie als legaler Berufszweig anerkannt werden?Insbesondere was das Unrechtsbewusstsein betrifft(und auch sonst)bin ich mit Frau C.Keller einverstanden.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Somit kann angenommen werden,dass auch in diesem"Bereich"im Bundeshaus lobbyiert wird.Kein Wunder.Verdienen nicht Wenige,dank diesem Geschäft(Bestsituierte)eine Menge Geld damit.Geld das wohlgemerkt,zurück in die Wirtschaft(Rentabilitätszwecke)fliesst.Und jenes des dieses"Milieu"begleitende Drogengeschäftes,inklusive.Logisch,dass gewisse"Kreise"nicht an"Unsicherheiten" interessiert sind.Umso mehr als sich eine gewisse,treue Klientel davon,auch im Bundeshaus jeweils die Klinke in die Hand reicht.
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