BAG muss rüden Kassen Manieren beibringen

Einige Krankenkassen versuchen noch immer, alte und kranke Patienten zu vergraulen. Und dies, obwohl sie erst kürzlich nach dem Sieg über die Einheitskasse Besserung gelobten. Das Bundesamt für Gesundheit schaut dem Treiben aber nicht mehr zu und geht gegen die Trickser im Internet vor.

Viele Menschen prüfen im Moment, ob es für sie nicht eine billigere Krankenkasse gäbe. Bis Ende November kann jeder die Grundversicherung wechseln, egal wie alt oder krank er ist. Aber: Die Kassen wenden immer noch Tricks an, um Alte und Kranke von sich fernzuhalten.

Perfide Abschreckungsmethoden

Einige hätten im Internet etwa nicht ihr ganzes Angebot aufgeschaltet, sagt Oliver Peters, Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit. Dazu kämen Warnhinweise für Versicherte, die eine niedrige Franchise verlangten und älter seien.

Das heisst: Wenn eine ältere oder kranke Person nach einem Angebot sucht, stösst sie nur auf Offerten für Junge und Gesunde. Oder es erscheint ein Warnhinweis, sobald sie ihr Alter eingibt. Behandlungen vergüte die Kasse nur mit grosser Verspätung, steht dann dort zum Beispiel.

Auch grosse Kassen ermahnt

Laut Peters geht das nicht: «Der Versicherer muss dann eine transparente Information bekommen, wenn er eine solche erwartet.»

Arztbesuch.

Bildlegende: Wer die Kasse wechseln will, muss Transparenz haben. Diskriminierende Trickserein will das BAG nicht mehr dulden. Keystone

Aus diesem Grund hat Bundesamt nun zum ersten Mal überhaupt den Internet-Auftritt der Versicherer kontrolliert. Fazit: Eine Handvoll Kassen setzt die erwähnten, zweifelhaften Methoden ein. Betroffen davon sind viele Versicherte, weil sich unter den schwarzen Schafen auch grosse Kassen finden. Welche, sagt Peters nicht. Inzwischen seien alle Kassen ermahnt worden und hätten ihren Auftritt korrigiert.

Dennoch bleibt ein Nachgeschmack. Denn erst gerade haben die Krankenversicherer versprochen, ihr Image aufzupolieren.

Santésuisse: «harte Bandagen»

Paul Rhyn, Sprecher des Krankenkassenverbands Santésuisse, fordert Verständnis: Die Krankenversicherer befänden sich in einem harten Wettbewerb. So sei es durchaus möglich, dass mit «harten Bandagen» gekämpft werde.

Rhyn betont zugleich, dass der Wettbewerb den Versicherten nicht schaden soll. Deshalb sei es zu begrüssen, dass der Bund seine Pflicht zur Aufsicht über die Kassen jetzt gründlich wahrnehme. Laut Peters will das Bundesamt auch in Zukunft genau hinschauen.